LinkedIndex'24: So kommunizieren CEOs in der Polykrise
Die Kommunikation von Deutschlands wirtschaftlichen Spitzenkräften wird zunehmend durch die Polykrise bestimmt. Die Krisen haben die Vorstandskommunikation im Jahr 2023 emotionaler und politischer gemacht. Zu diesem Ergebnis kommt der neue LinkedIndex von Palmerhargreaves, Köln, der das Kommunikationsverhalten von HDAX-CEOs auf LinkedIn untersucht.
Die CEOs sprechen vermehrt über gesellschaftliche Herausforderungen, technologische Umwälzungen oder zu geopolitischen Ereignissen wie dem Nahost-Konflikt. Dabei kommunizieren sie emotionaler und differenzierter, äußern sich häufiger zu empathischen Themen wie psychischer Gesundheit oder der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Unter dem Leitthema „Beyond Business“ zeigt die diesjährige Ausgabe der Studienreihe, wie Führungskräfte die Plattform LinkedIn im Jahr 2023 nutzten, um sich über den geschäftlichen Rahmen hinaus zu aktuellen gesellschaftlichen Themen zu positionieren.
CEOs werden zu Public CEOs
Markus Krebber, CEO von RWE, steht mit seiner informativen, vielseitigen und zugänglichen Kommunikation zur Energiewende an der Spitze des Rankings. Er verdoppelte seine Followerzahl und die erhaltenen Reaktionen im Vergleich zum letzten Mal. Krebber wird dicht gefolgt von Tim Höttges (Deutsche Telekom) und Manas Human (Nagarro), die im Vergleich zum Vorjahr ihre Platzierung tauschten. Höttges betreibt über seinen Kanal Employer Branding und äußerte sich regelmäßig zum Stand der Digitalisierung in Deutschland. Er kommunizierte dabei sehr nahbar und professionell. Manas Human, überraschender Neuzugang aus dem Vorjahr, behauptete sich mit seiner sehr persönlichen Kommunikation ebenfalls in der Spitzengruppe.
„Wir beobachten eine Verschiebung in der Landschaft der Vorstandskommunikation. CEOs nehmen zunehmend eine Rolle ein, die über die traditionelle Geschäftswelt hinausgeht. Sie werden zu öffentlichen Persönlichkeiten, zu Public CEOs. Ihre Ansichten sind bei gesellschaftlichen Krisen, technologischen Revolutionen oder komplexen politischen Themen immer häufiger relevant, vor allem für Mitarbeitende“, so Daniel Jungblut, Director Executive Communications bei Palmerhargreaves und Leiter der Studienreihe.
Künstliche Intelligenz in der Datenauswertung und als Querschnittsthema
Für die aktuelle Ausgabe wurden die LinkedIn-Aktivitäten von 100 CEOs untersucht. 42 der 100 Vorstandsvorsitzenden hatten entweder kein Profil auf LinkedIn oder waren nicht aktiv. Die Auswertung der 58 gepflegten Profile umfasste die Analyse von insgesamt etwa 2.500 Beiträgen, 27.500 Interaktionen der Profileigentümer und 1,7 Millionen Reaktionen des Publikums. Die Agenturtochter exofarer, spezialisiert auf datengetriebene Kommunikation, hat die Auswertung mit einem Dashboard und einem Data Warehouse unterstützt. Erfasst wurden alle Aktivitäten vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2023.
Die Bewertung der kommunikativen Leistung basiert auf fünf Indexfaktoren: die Anzahl der Follower, die Anzahl der Beiträge, die Engagement Rate, die Aktivität des Publikums und die Interaktionen der Profilinhaber. Jeder dieser Faktoren wurde mit individuell gewichteten Formeln kalkuliert und auf dieser Basis eine Top Ten erstellt. Die inhaltliche Analyse wurde unterstützt durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Die Ergebnisse wurden manuell validiert und von Analysten auf unterschiedlichen semantischen Ebenen ausgewertet.
KI ist das zentrale Thema
Auch inhaltlich ist Künstliche Intelligenz ein zentrales Thema. Über die Hälfte der vom Sample abgesetzten Postings beschäftigt sich auf irgendeine Weise mit KI. Viele CEOs beleuchten das Thema aus verschiedenen Perspektiven und setzen KI in Bezug zu den spezifischen Entwicklungen ihrer Branchen. Belén Garijo (Merck) und Christian Klein (SAP) prägen mit ihren Beiträgen wesentliche Diskurse auf der Plattform.
(Siehe dazu auch diesen Beitrag über die Kommunikation zum Thema KI im PR-JOURNAL.)
Der LinkedIndex von Palmerhargreaves steht unter diesem Link zum Download zur Verfügung.
Die Erlanger Spezialagentur Birke und Partner hat Andreas Plöger in die Geschäftsleitung geholt. Er verstärkt das Führungsteam um die Geschäftsführer Michael Bantele und Fabian Birke und bleibt für den Bereich History Communications verantwortlich.
wer: Carhartt
Wie viel KI verträgt die Gesundheitskommunikation und wo beginnt der Punkt, an dem Technologie die Botschaft überlagert? Das Universitätsklinikum Freiburg hat sich früh auf dieses Terrain gewagt. Seit Sommer 2025 erscheint „Kurz und Gesund“, ein wöchentlicher, KI-generierter Podcast, der medizinisches Wissen auf wenige Minuten verdichtet. Das Format findet sein Publikum, aber es stellt die Kommunikation vor neue, teils unerwartete Fragen – von Transparenz über Qualitätssicherung bis hin zum richtigen Maß an technischer Sichtbarkeit. Ein Gespräch mit Pressesprecher Johannes Faber über Routinen, Reibungen und die Kunst, KI als Werkzeug zu nutzen, nicht als Botschaft.
2026 wird kein Jahr einzelner Trendthemen, sondern eines struktureller Spannungen. Künstliche Intelligenz dominiert zwar quantitativ fast alle Diskussionen, doch sie steht selten für sich. Vielleicht ist KI der neue Ordnungsrahmen für Sichtbarkeit, Relevanz und Entscheidungslogiken. Das PR-Journal hat Agenturen gefragt, welche Themen ihre Kund:innen im nächsten Jahr voraussichtlich am stärksten beschäftigen werden und welche Konsequenzen sie daraus für ihre eigene Arbeit ziehen.
Die Berliner Kreativagentur Fraser ist neues Mitglied im Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) und erweitert damit das Netzwerk des Branchenverbands um eine international aufgestellte Digitalagentur. Das 2018 gegründete, inhabergeführte Unternehmen mit weiteren Standorten in Zürich, Kapstadt und Dubai betreut Marken wie UBS, Ferrari, Zwilling, Tamedia und Commerzbank.
Wenn Kommunikationsleitungen in Großunternehmen von Führungskräften ohne klassischen Kommunikationshintergrund übernommen werden, ist das vielleicht ein Hinweis auf ein sich verschiebendes Rollenverständnis: von Kommunikation als Fachdisziplin hin zu Kommunikation als betriebswirtschaftlich gerahmter Steuerungsfunktion. Im Gespräch mit Thomas Lüdeke vom PRCC geht es um Ursachen, blinde Flecken und um die Frage, was Kommunikator:innen heute leisten müssen, um ihre Relevanz nicht nur zu behaupten, sondern auch zu belegen.
Die 17. Runde der Cannes Corporate Media & TV Awards hat begonnen. Bis zum 18. Juni 2026 können Filmschaffende, Agenturen, Unternehmen, Institutionen und Studierende ihre Beiträge einreichen. Höhepunkt des Festivals bleibt die Verleihung der Delphin-Trophäen im September in Cannes.
Prompten, produzieren, publizieren. Effizienz gilt als Fortschritt, Geschwindigkeit als Qualitätsmerkmal. Aber ist das wirklich sinnvoll? Im Gespräch mit Susanne Czernick, Akademieleiterin der AFK Akademie Führung & Kommunikation, geht es um die Grenzen von Prompt-Technik, textliche Sicherheit in KI-gestützten Prozessen und die Frage, ob Schreiben vielleicht doch mehr ist als das geschickte Bedienen einer Maschine.
Reputation entsteht zunehmend durch das, was KI-Systeme über Unternehmen „wissen“ und erzählen. KI-basierte Suchsysteme wie ChatGPT, Perplexity oder Google AI sammeln nicht einfach Informationen, sondern verdichten Meinungen, gewichten Inhalte und beeinflussen so aktiv den öffentlichen Diskurs. Für Kommunikationsverantwortliche heißt das: Die Sichtbarkeit in KI-Modellen zu messen reicht nicht. Entscheidend ist, wie ein Unternehmen in KI-Antworten erscheint – in welchem Ton, mit welcher Glaubwürdigkeit und welchen Assoziationen.
Noch ein Buch zur Veränderungskommunikation? Wer so denkt, liegt bei Andrea Montua nur halb richtig. Die Beraterin für interne Kommunikation zielt mit ihrem „Springer Essential“ weniger auf klassische Change-Prozesse als auf echte Transformation – also den tiefgreifenden Wandel von Kultur, Identität und gelebten Werten eines Unternehmens.
Der Schreibtisch ist noch voll. Voll von Aufgaben, Ideen und losen Fäden. Daneben ein paar Kekskrümel, die leise rufen:
Die Kommunikationsberatung Gartner Communications bietet einen englischsprachigen Online -Kurs zur Krisenkommunikation an. „Crisis Communication 360°“ richtet sich an alle Kommunikatorinnen und Kommunikatoren in Unternehmen und sonstigen Organisationen, die ihr Know-How für einen Krisenfall aufbessern wollen.
Das Edelman Trust Barometer 2026 zeigt eine angespannte Vertrauenslage und hohe Erwartungen an Kommunikation. Weltweit steigt das Vertrauen leicht, doch viele Menschen ziehen sich in abgeschottete weltanschauliche, "insulare" Gruppen zurück. Sieben von zehn Befragten misstrauen Personen mit anderen Wertvorstellungen. Die Polarisierung nimmt weiter zu, auch in etablierten Demokratien.