Kathrin Behrens appelliert an KMU, die eigene Kommunikation solide auszustatten und nicht nur auf Einzelkämpfer zu setzen. (Foto: Beate Wätzel)

Seit über eineinhalb Jahrzehnten bin ich als Trainerin aktiv, oft kopfschüttelnd: In jedem Workshop habe ich Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die auf einsamen Posten die gesamte Kommunikation ihres kleinen mittelständischen Unternehmens (KMU) managen. Nur zu oft sehe ich ihnen an, wie alleingelassen sie sich mit ihren Aufgaben fühlen, wie erschöpft sie zudem sind.

Sie organisieren Messeauftritte, lancieren Fachberichte, beantworten Journalistenanfragen, erstellen Verteiler, verschicken Pressemitteilungen, kümmern sich um das digitale Mediacenter plus Social-Media-Kanäle, wuppen zudem die interne Kommunikation und wer weiß, was noch.

Meist sind es Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die intern auf diese Posten verschoben werden, oft ehemalige Assistentinnen und Assistenten der Geschäftsführung. „Glückwunsch Frau / Herr Mustermann, Sie werden befördert. Sie managen ab jetzt unsere gesamte Kommunikation“, höre ich die Geschäftsleitung kundtun. Und dann wird jemand auf diese zentrale Position verfrachtet, der keine der oben genannten Aufgaben jemals zuvor gemacht hat. Der berühmte Stoß ins kalte Wasser, schwimm!

Ich bin fassungslos, wenn ich höre, was den Kolleginnen und Kollegen zugemutet wird. Noch fassungsloser bin ich darüber, wie wenig Wert und Anerkennung der Abteilung Kommunikation in mittelständischen Unternehmen beigemessen wird – als ginge es um nichts. Warum macht man Marketing und PR? Weil sich mit einer effizienten Strategie der Umsatz drastisch steigern lässt. Für diesen Return on Investment jedoch, muss man natürlich auch ein paar Euro parat halten. Zudem sind Kommunikationsabteilungen die Fenster zur Öffentlichkeit und Schaltstelle zu sämtlichen wichtigen Stakeholdern. Wie kann es sein, dass eine Unternehmensleitung diese zentrale Rolle so verkennt? Kein Friseur würde seinem Gesellen die Schere in die Hand drücken und sagen: „Leg mal los, wird schon klappen.“

Liebe Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer mit nur einer quereingestiegenen Kommunikationskraft: Eine kompetent gesteuerte Kommunikation kann euch und eure Produkte bekannter machen, die Berichterstattung in den Medien massiv ankurbeln, die Identifikation mit Unternehmen und Produkten stärken, Krisen abfedern, zentrale Kennzahlen verbessern, eine wertvolle Vertrauensbasis schaffen, euch im besten Fall zum Talk of the Town machen … und somit massiv zu euren Geschäftserfolgen beitragen. Lasst eure Kämpferinnen und Kämpfer auf diesen Posten nicht so einsam rudern. Stärkt sie, baut die Abteilung aus oder setzt dieser Person einen Coach an die Seite, der sie unterstützt. Wacht auf. Eine erfolgreiche Kommunikation kann euch einen ordentlichen Push geben. Go for it!

Über die Autorin: Kathrin Behrens ist Partnerin bei elfvorzwölf, einer Boutique-Beratung für Transformation und Kommunikation für den Mittelstand. Sie unterstützt Unternehmen im Wandel dabei, eine wirkungsvolle Change-Strategie und -Story zu entwickeln. Als Trainerin vermittelt sie Kernkompetenzen der Kommunikation und Strategien für Profis.


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