Edelman Germany CEO Christiane Schulz weist darauf hin, dass Deutschland in Sachen Innovationsmanagement kein gutes Bild abgibt. (Foto: Edelman)

Edelman Trust Barometer 2024: Umgang mit Innovationen wird politisch

Das Thema Innovation ist in Deutschland zu einer gesellschaftlichen Bruchlinie geworden. Das ergeben die diesjährigen Zahlen des Edelman Trust Barometers für Deutschland, die am 24. Januar in Berlin vorgestellt worden sind. Demnach schätzen mehr als dreimal so viele in Deutschland befragte Personen Innovationen als schlecht (49 %) anstatt gut gemanagt ein (14 %). Dieser Trend zeigt sich in Deutschland und international unabhängig von Altersgruppe, Einkommensschicht und Geschlecht.

Für die 24. Ausgabe des Reports wurden mehr als 32.000 Menschen aus 28 Ländern zum Thema Vertrauen in die Institutionen Regierung, Wirtschaft, NGOs und Medien befragt.

Innovation ist politisch

Laut dem Report wird die wissenschaftliche Unabhängigkeit in Frage gestellt: So hat der diesjährige Report ergeben, dass mehr als die Hälfte der befragten Personen in Deutschland darüber besorgt ist, dass die Wissenschaft sich politisiert hat (55 %). In den USA sind es sogar mehr als zwei Drittel (67 %).

Edelman TB 2024 SchriftzugDarüber hinaus zeigt der Report Korrelationen zwischen der politischen Ausrichtung von Menschen und ihrer Haltung gegenüber Innovation: Das gilt besonders für westliche Demokratien, in denen Personen, die sich rechts im politischen Spektrum einordnen, Innovation viel wahrscheinlicher ablehnen als Personen, die sich politisch links einsortieren. Die Differenz liegt in Deutschland bei 20 Prozentpunkten.

Vertrauen in Wirtschaftsstandort Deutschland schwindet

Vertrauen in die Regierung, Innovation zu verwalten, ist laut dem Report in Deutschland rar. So sind 60 Prozent der befragten Personen in Deutschland der Ansicht, dass der Regierung das adäquate Verständnis für entstehende Technologien fehlt, um sie effektiv regulieren zu können (Durchschnitt aller Länder: 59 %).

Dies hat das Potenzial, den Wirtschaftsstandort Deutschland zu belasten. So haben lediglich 62 Prozent der befragten Personen aus 21 anderen Ländern Vertrauen in Unternehmen mit einem Hauptsitz in Deutschland (-9 Punkte zu 2014). Das gilt über die Kontinente hinweg: In Südostasien waren es 66 Prozent (-8 Punkte zu 2014), in Asien 64 Prozent (-10 Punkte zu 2014), in Nord- und Südamerika 59 Prozent (-11 Punkte zu 2014) und im Rest von Europa 60 Prozent (-8 Punkte zu 2014). Trotz diesem Abfall von 9 Prozentpunkten bekommt Deutschland international immer noch am zweitmeisten Vertrauen, hinter Kanada mit 64 Prozent. Die USA haben 53 Prozent (-9 Punkte zu 2014). Das geringste Vertrauen haben die für den Report befragten Menschen in Indien (32 %) und China (30 %).

Wirtschaft kann den Trend drehen

Der Wirtschaft wird jedoch auch am meisten zugetraut, diesen Trend zu drehen. 49 Prozent der Befragten aus Deutschland vertrauen darauf, dass Wirtschaftsunternehmen das Richtige tun, um zu gewährleisten, dass die Einführung von Innovationen in die Gesellschaft gut gehandhabt wird. Das bedeutet, dass sie sicher, nützlich, verfügbar und verständlich sind. Der Regierung trauen dies nur 41 Prozent zu, NGOs 40 Prozent und den Medien lediglich 38 Prozent.

„Innovation nimmt immer weiter Fahrt auf. Sie ist ein zentraler Treiber für das Wirtschaftswachstum und damit für den Wohlstand der Gesellschaft. Aber damit dieses Potenzial ausgeschöpft werden kann, muss sie sich auch wirklich entfalten können“, sagt Christiane Schulz, CEO von Edelman Deutschland. „Es ist essenziell, dem Vertrauen der Menschen in die Einführung und das Management von Innovation ebenso viel Aufmerksamkeit zu schenken, wie der eigentlichen Forschung und Entwicklung. Und die Zahlen zeigen, dass es da auch in Deutschland noch einiges zu tun gibt. Wenn einer von zwei Menschen der Meinung ist, dass Innovationen hierzulande schlecht gemanagt werden, liegt noch ein Weg vor uns.“

Regierung gibt Wirtschaft Vertrauensbonus

Das heißt aber nicht, dass es allein an der Wirtschaft ist, das entsprechende Verständnis für Innovation sicherzustellen. 55 Prozent der in Deutschland für den Report befragten Menschen sagen, dass sie Wirtschaftsunternehmen noch mehr Vertrauen entgegenbringen würden, technologische Innovation voranzubringen, wenn sie in Partnerschaft mit der Regierung arbeiten würden. Das ist ein Plus von 15 Punkten seit 2015.

Mehr als die Hälfte erwarten, dass CEOs nicht nur die Veränderungen in ihren Organisationen managen, sondern auch die in der Gesellschaft (59 %). 75 Prozent der deutschen Angestellten wollen, dass CEOs öffentlich über die beruflichen Skill-Sets der Zukunft sprechen, 66 Prozent, dass sie die aus Automation entstehenden Änderungen auf dem Job-Markt thematisieren und 63 Prozent, dass sie sich zum ethisch korrekten Nutzen von Technologie äußern.

„Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Vertrauen aktuell in allen von uns befragten Ländern enorm unter Druck steht. Das ist auch vor dem Hintergrund besorgniserregend, dass wir vor dem größten globalen Wahljahr in der Geschichte stehen, in dem mehr als 60 Wahlen stattfinden – darunter die Präsidentschaftswahl in den USA und die Europawahl. In Deutschland stehen mit Sachsen, Thüringen und Brandenburg drei Landtagswahlen sowie zahlreiche Kommunalwahlen an, in denen das mangelnde Vertrauen in die Behörden bei der Bewältigung des Wandels eine Rolle spielen wird“, sagt Christiane Schulz, CEO von Edelman Deutschland. „Das Misstrauen in unser wirtschaftliches und politisches System ist groß. Die Institutionen müssen zusammenarbeiten, um dem entgegenzuwirken und den Weg für zukünftigen Fortschritt freizumachen.“

Über das Edelman Trust Barometer 2024

Die Studie wurde vom Edelman Trust Institute zu den Themen Vertrauen und Glaubwürdigkeit erstellt. Sie bestand aus 30-minütigen Online-Interviews, die zwischen dem 3. und 22. November 2023 durchgeführt wurden. An der Online-Umfrage nahmen 32.000 Menschen aus 28 Ländern teil.

Der vollständige Report steht auf der Edelman-Website zum Download zur Verfügung.


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