Worauf muss die PR-Branche sich 2024 einstellen? Britta Tronke (r.), Eva Sophie Vogelgesang und Klaus Weise geben Antworten. (Foto: Serviceplan)

Das Autorentrio arbeitet seit Jahren in der Geschäftsführung der Agentur Serviceplan PR & Content eng zusammen. Mit unterschiedlichen Schwerpunkten gelten sie als profunde Kennerinnen und Kenner des PR- und Kommunikationsmarktes. Gemeinsam wagen Sie einen Blick auf die zu erwartenden Trends und Entwicklungen im Jahr 2024. Nachfolgend ihre Erwartungen zu LinkedIn, KI und Corporate Influencern.

Welcome LinkedIn, Ciao Ex-Twitter!

And the winner is: LinkedIn. Ursprünglich als Plattform zum einfachen Business-Networking gestartet, wird LinkedIn 2024 vom „nice to have“ zum absoluten „must have“. Was früher ein schicker Firmenwagen, der reservierte Parkplatz in der Tiefgarage direkt am Lift und ein von mehreren Assistentinnen und Assistenten abgeschirmtes Eckbüro im obersten Stock waren – Insignien des Erfolgs und der Macht – wird mehr und mehr abgelöst von einer neuen digitalen Währung: der Aufmerksamkeit im Social Web.

Für die CxOs dieser Welt bedeutet das: „Thought Leadership“ ist gefragter, denn je und LinkedIn ist dafür definitiv der “place to be”. Denn keine Plattform ist aktuell zur intellektuellen Profilierung geeigneter. Dort tummeln sich inzwischen über 900 Millionen Mitglieder, weit überdurchschnittlich viele davon haben einen hohen beruflichen Status. LinkedIn prägt Meinungen und verkauft: Knapp die Hälfte der Marketingexpertinnen und -experten bewerten LinkedIn sogar als den besten Kanal für hochwertige Leads überhaupt. Der rasante und den immer neuen Tiraden Elon Musks geschuldete, unausweichliche Abstieg von Twitter (beziehungsweise inzwischen „X“), befeuert die Positionierung von LinkedIn als dem Kanal zum relevanten Meinungsaustausch zusätzlich.

Prognose: Hochwertige meinungsstarke Contentpieces, die für eine intensive Interaktion sorgen, werden im Jahr 2024 das gefragteste Produkt in den deutschen Chefetagen sein und den Kommunikatorinnen und Kommunikatoren des Landes viel Kopfzerbrechen und einige Nachtschichten bescheren.

Wenn die KI wüsste, was die KI weiß

Was denkt eigentlich die KI über KI als PR-Trend?

Wir haben gepromptet. Here we go: KI hat bereits negative Auswirkungen auf die Medienlandschaft gehabt, aber leider wird sie im Jahr 2024 nicht verschwinden. Als PR-Profi müssen Sie diese disruptive Technologie ethisch und verantwortungsbewusst nutzen. KI-gestützte Tools können Ihnen helfen, Ihre Prozesse zu optimieren: von der Korrektur von Texten und der Überwachung der Medien bis hin zur Erstellung von Inhalten und der Recherche. Alles, was Sie von KI erhalten, muss vor der Weitergabe auf Fakten überprüft und stark bearbeitet werden. KI-Programme sind Roboter – sie haben nicht die Nischenexpertise, Branchenkenntnisse, Erzählkompetenz und emotionale Intelligenz, die Sie haben. Dieser PR-Trend im Jahr 2024 wird Sie als PR-Profi niemals ersetzen, aber Sie können KI als Werkzeug nutzen, um Ihre Agentur und Ihre Fähigkeiten zu verbessern.

Prognose: Die KI unterschätzt ihre Bedeutung für die PR-Branche. Oder sollte das überraschenderweise der intelligente Ausdruck einer künstlichen Höflichkeit sein? Jedenfalls gilt: Wer in der PR-Branche arbeitet und im Jahr 2024 auf den Einsatz von KI-Tools verzichtet, verpasst die Zukunft. Überflüssig wird die KI PR-Profis allerdings nicht machen, da hat die KI definitiv Recht. Aber sie wird 2024 vielen Kommunikatorinnen und Kommunikatoren eine erfreuliche Zeitersparnis bescheren. Diese kann dann für neue kreative Ideen, geniale Strategien, fundierte Beratung oder auch mal einen etwas früheren Feierabend reinvestiert werden.

(Corporate) Influencer: Gekommen, um zu bleiben

Eigentlich sind Influencerinnen und Influencer oder auch Corporate Influencer nicht wirklich neu: Wahrscheinlich gab es sie schon vor 200.000 Jahren, als die Neandertaler sich in Europa ausbreiteten. Auch damals prägten einflussreiche Einzelpersonen, die in ihrer Community ein hohes Ansehen genossen haben, durch Mund-zu-Mund-Propaganda erfolgreich Meinungen. Nichts anderes machen (Corporate) Influencer heute. Die damals beliebten Höhlenzeichnungen wurden mittlerweile zwar durch Posts in sozialen Medien abgelöst, geblieben ist allerdings der Hang zur Übertreibung. Aber im Ernst: In Zeiten multipler Krisen ist der Wunsch nach Vorbildern, die als Content-Leuchttürme Orientierung geben, größer denn je. Deshalb wird die Nachfrage nach Corporate (Influencer)-Projekten durch die Decke gehen.

Prognose: Die Suche nach passenden Influencern und die Entwicklung glaubwürdiger Stories ist komplizierter und komplexer als gemeinhin vermutet. Reichweite allein ist kein Indikator für Qualität, Interaktion und ein nachhaltiges Match. Gescheiterte oder vor sich hin dümpelnde Influencer-Projekte werden im Jahr 2024 en masse zu beobachten sein. Diese Projekte elegant abzumoderieren, wird dann zu einer herausfordernden Aufgabe vieler Kommunikatoren.

Über das Autorentrio von Serviceplan PR & Content: Eva Sophie Vogelgesang und Britta Tronke als General Managerinnen und Klaus Weise als Managing Partner führen die Geschäfte der Agentur. Vogelgesang und Tronke gelten als bestens vernetzte Content-Expertinnen mit Expertise in digitaler Kommunikation. Der Kommunikationswissenschaftler Weise hat seit Jahren seine Schwerpunkte in den Bereichen Corporate PR und Krisenkommunikation.


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