Von links: Petra Sammer, Alexander Brincker, Thorsten Sperlich und Markus Czeslik verlassen Ketchum Pleon.

Quo vadis Ketchum Pleon? Diese Frage stellt unweigerlich, wer sich anschaut, welchen Aderlass die einst führende deutsche PR-Agentur zu verkraften hat. Nach der Ankündigung von CEO Victoria Wagner vom 23. Februar 2017, sich von 18 der damals 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu trennen, folgt aktuell die Nachricht, dass darüber hinaus vier weitere – teils langjährige – Mitarbeiter die Agentur verlassen. Petra Sammer, seit 1992 bei Ketchum, geht ebenso wie Alexander Brincker, Thorsten Sperlich und Markus Czeslik.

Alle vier hatten wichtige Funktionen. Nach verschiedenen Stationen von 1992 an war Sammer zuletzt als Chief Creative Officer für Ketchum Pleon tätig. Brincker leitete die Berliner Niederlassung. Sperlich, erst vor zwei Jahren von Coca Cola gekommen, war Managing Director und stellvertretender Leiter der Düsseldorfer Niederlassung. Und Markus Czeslik leitete als Senior Constultant das Change-Team.

CEO Victoria Wagner sieht die Agentur durch die Abgänge nicht geschwächt. Vielmehr erwarte sie sowohl durch die kreative Neuausrichtung, als auch durch die Verankerung von ehemaligen Spezialdisziplinen in die responsive Organisationsstruktur, eine positive Gesamtentwicklung.

Wie bereits Anfang September 2017 veröffentlicht, übernimmt Lutz Reuter als Head of Creative Development die Verantwortung für die operative Kreativleistung der Agentur. Damit tritt er an die Stelle von Petra Sammer. Wagner erklärte weiter: „Thorsten Sperlich wird in seiner Funktion als stellvertretender Standortleiter durch Britta Gaffrey, vormals Business Director, ersetzt, die ebenfalls in sehr enger Abstimmung mit der Düsseldorfer Standortleiterin Stephanie Altemoeller arbeiten wird. Die Aufgaben von Markus Czeslik haben die Changeberater auf den jeweiligen Kundenaccounts übernommen, die der responsiven Organisationsstruktur folgend, nicht mehr als Spezialistenteam organisiert, sondern den Kunden direkt zugeordnet sind. Die Standortleitung von Alexander Brincker übernehme ich selbst.“

Wagner zeigte sie sich gegenüber dem „PR-Journal“ von den Kündigungen wenig überrascht: „Diese Abgänge sind alle individuell und unterschiedlich motiviert und sie gehören nicht zu den erwähnten 18 Mitarbeitern. Da ich in ständigem Dialog mit unseren Führungskräften stehe, kann man allerdings nicht von einer Überraschung sprechen. Die jeweiligen Austritte wurden vielmehr frühzeitig und konstruktiv besprochen, so dass die entsprechenden Nachfolgeregelungen entspannt in Kraft treten konnten. Zeitlich erstrecken sich die Abgänge über einen Zeitraum von mehr als einem dreiviertel Jahr.“

Dank an Petra Sammer

Ausdrücklich bedankte sie Wagner bei Petra Sammer für deren langjährigen Einsatz: „Wir danken Petra Sammer sehr herzlich für alles, was sie für unsere Agentur getan hat, vor allem für ihr herausragendes Engagement und die wertvollen Impulse. Sie hat in den vergangenen Jahren entscheidend mitgeprägt, was Kreativität für unsere Arbeit bedeutet und wie unsere Kunden davon profitieren.“ Weiter sagte sie: „In ihr nächstes Wirkungsfeld, wo sie ihre persönliche Erfolgsgeschichte bestimmt fortschreiben wird, begleiten sie unsere besten Wünsche. Für uns bleibt Kreativität auch weiterhin unverzichtbare Grundlage unserer Strategie und ist – als Haltung wie als Prozess – integraler Bestandteil unseres Leistungsspektrums über alle Disziplinen hinweg.“

Prominente Abgänge im Laufe des Jahres

Den aktuellen vier Abgängen gingen im Laufe des Jahres vier weitere Abschiede von wichtigen Ketchum Pleon-Mitarbeitern voraus. Den Anfang machte im Januar dieses Jahres kein Geringerer als Joachim Klewes (63). Er kündigte seine Mitarbeit bei Ketchum Pleon auf, der Agentur, die er 1988 gemeinsam mit seinem damaligen Partner Paul Kohtes unter dem Namen „Kohtes & Klewes“ gegründet hatte. Nach der Ankündigung Wagners im Februar, sich von 18 Mitarbeitern trennen zu wollen, folgten dann im Frühjahr und Sommer drei weitere Abgänge.

Rüdiger Maeßen, ehemaliger Managing Partner und Leiter des Düsseldorfer Headquarters der Agentur, verkündete im Mai seinen Wechsel als neuer CEO zu Hill + Knowlton. Der Ex-Executive Creative Director Deutschland, Christof Biggeleben, wechselte im Juni zur Multichannelagentur ressourcenmangel. Und Peter Strieder, der seit 2004 als Senior Partner für Ketchum Pleon zahlreiche Mandante im Public-Affairs-Bereich betreut hat, verfolgt seit Juli eigene Projekte.

Wagner setzt auf die kreative Neuausrichtung

Betrachtet man diese Entwicklung in Summe, bleibt abzuwarten, ob der unerschütterliche Optimismus, den CEO Wagner an den Tag legt, berechtigt ist. Immer wieder betont sie wie wichtig die kreative Neuausrichtung und die Veränderung hin zu einer responsiven Organisationsstruktur für Ketchum Pleon ist. Ob diese Struktur und die frisch eingesetzten Nachfolger der nun verabschiedeten langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die von Wagner prognostizierte positive Gesamtentwicklung bringen wird, werden die nächsten Monate zeigen.


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