GPRA-Präsidiumsmitglieder Christiane Schulz und Alexandra Groß.

Die Agenturszene in Deutschland kämpft dafür, dem Kommunikationsnachwuchs gute Bedingungen für den Berufseinstieg zu bieten. Die großen Agenturverbände werben im Rahmen ihrer Gemeinschaftskampagne „Komm in die Agentur“ für einen Berufsstart im Agenturumfeld und öffnen die Türen für Praktikanten. Und auch darüber hinaus hat sich in Agenturen viel getan, damit sie als attraktive Arbeitgeber gesehen werden. Die GPRA wollte es genau wissen und hat ihre Mitglieder befragt, was die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern so alles bieten.

Alexandra Groß, Vorstand bei der Wiesbadener Agentur Fink & Fuchs AG sowie stellvertretende Präsidenten der Gesellschaft der PR-und Kommunikationsagenturen (GPRA) sagte gegenüber dem „PR-Journal“: „Einmal mehr unterstreichen die Ergebnisse, dass Agenturen ein dynamisches Arbeitsumfeld bieten, welches den Wünschen und Ansprüchen der Arbeitnehmer entgegenkommt. Wir sind sehr stolz auf die hochwertige Personalarbeit unserer Mitglieder – vor allem auch darauf, welchen Stellenwert ein zeitgemäßes Arbeitgeberimage bei ihnen einnimmt.“

Die Ansprüche der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ihren Arbeitsplatz und ihren Arbeitgeber sind in den vergangenen Jahren gewachsen. Das ist auch an der Agenturwelt nicht vorüber gegangen. Die Befragung der Mitglieder brachte zu tage, dass sich in den Bereichen Ausbildung, Vergütung und Zusatzleistungen, Arbeitszeitregelungen und Flexibilisierung, Agenturzugehörigkeit sowie einer Lebensphasen-orientierten Personalarbeit einiges bewegt hat.

„Die Untersuchung zeigt, dass unsere Mitglieder vorbildliche Rahmenbedingungen für das Arbeiten in Agenturen geschaffen haben und sich damit als moderne und professionelle Arbeitgeber positionieren“, sagt Alexandra Groß.

Ausbildung

Was den Berufseinstieg für die Absolventen von Kommunikationsstudiengängen angeht, so bilden alle GPRA-Mitgliedsagenturen aus. Die Ausbildungsprogramme dauern im Schnitt knapp 16 Monate. Dabei verdienen die Berufsanfänger im Mittel 1.863,64 Euro brutto im Monat. Der Mindeststandard für GPRA-Agenturen liegt bei 1.600 Euro. Zudem punktet die Ausbildung in Agenturen mit einem vielseitigen Aufgabenportfolio, das den Einsteigern viel Selbständigkeit und eigenverantwortliches Arbeiten abverlangt. Die „PR-Journal“-Serie GPRA im Dialog gibt hier einige Einblicke.

Gehälter

Laut der Mitgliederbefragung, die Ende 2017 stattfand, verdienen Junior Berater in GPRA-Agenturen mit ein bis zwei Jahren Berufserfahrung 30.000 bis 35.000 Euro, bei Beratern mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung sind es 40.000 bis 45.000 Euro. Senior Berater ab sechs Jahren Erfahrung kommen auf 50.000 bis 60.000 Euro. Die höchste angegebene Gehaltsstufe mit 61.000 bis 70.000 Euro ist Beratern mit Managementfunktion vorbehalten. Hinzu kommen bei 70 Prozent der Agenturen noch leistungsabhängige Gehaltsbestandteile, die im Schnitt noch einmal zusätzlich 17,38 Prozent des Jahresgehalts ausmachen. Und wenn die Agentur erfolgreich ist, sollen das die Mitarbeiter direkt spüren: Fast vier Fünftel der GPRA-Agenturen zahlen Boni, die sich nach dem Gesamtjahresergebnis richten. Im Schnitt entsprechen diese 1,18 Monatsgehältern.

Im Vergleich zu den Vergütungen auf Unternehmensseite ist hier speziell für den Bereich der Berater und Senior Berater noch deutlich Luft nach oben. Laut der jüngsten Kienbaum-Vergütungsstudie verdienen Referenten in PR und Unternehmenskommunikation 62.000 Euro pro Jahr. Die Gehälter von PR-Führungskräften auf Unternehmensseite beginnen laut Kienbaum auf der unteren, operativen Führungsebene bei 83.000 Euro.

Doch ist die Gehaltshöhe nicht das allein entscheidende Kriterium für Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Laut der Accenture Strategy 2016 German University Graduates Study finden rund zwei Drittel der Befragten deutschen Absolventen ohnehin Inhalt und Atmosphäre wichtiger als das Gehalt.

Zusatzleistungen

Die GPRA-Agenturen wissen das und bieten bei den Zusatzleistungen, Arbeitszeitregelungen und Flexibilisierungen eine ganze Reihe von Maßnahmen an. Die Zusammensetzung der Pakete variiert. Am weitesten verbreitet sind freie Getränke (85 %) sowie als harte Faktoren Fahrtkostenzuschüsse (76 %), Bahncards für Vielfahrer (67 %) und – im Rahmen einer betrieblichen Altersvorsorge – Direktlebensversicherungen (61 %). Hinzu kommen Zuschüsse zu Umzugskosten, dem Fitnessstudio oder Betreuungsdiensten.

GPRA 2018 Zusatzleistungen Grafik

Zusatzleistungen in GPRA-Agenturen. Grafik: GPRA

Arbeitszeitregelungen

Eines der ältesten und weit verbreitetsten Klischees in Bezug auf die Arbeit in Agenturen ist der ausufernde Verfügbarkeitsanspruch, den Arbeitgeber hier gegenüber ihren Mitarbeitern pflegen. Dem treten Agenturen schon lange entgegen und bieten ganz konkret flexible Arbeitszeiten. Zitat aus der Untersuchung: „Natürlich fallen in Agenturen – wie vielen anderen Berufen – auch Spitzenzeiten an, in denen Projekte oder Pitches flexiblere Arbeitszeiten erfordern. Diese werden ausgeglichen: 79 Prozent der Agenturen bieten Ausgleichstage oder Gleitzeitregelungen an, um punktuelle Mehrarbeit zu kompensieren.“ Das ist ein klares Signal, mit dem man alte Zöpfe abschneiden will.

Und dann noch eine Selbstverständlichkeit – selbst für kleine Arbeitgeber: Fast alle Agenturen orientieren sich (32 von 33 der befragten Agenturen) an den Lebensphasen ihrer Mitarbeiter und bieten unterschiedliche Teilzeitregelungen an. Bei der Hälfte der Agenturen bewegen sich die Arbeitszeiten der Teilzeitkräfte zwischen 16 und 25 Wochenstunden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können dadurch je nach persönlicher Lebenssituation flexibel nach einer Elternzeit oder Pflegezeit wieder einsteigen.

Home Office

Auch sonst wird Flexibilität großgeschrieben: Home Office ist bei fast allen GPRA Agenturen Usus: Vier Fünftel verfügen über klare Regelungen zum Heimarbeitsplatz. Konkret: 96 Prozent bieten Home-Office an, vier Prozent nicht (siehe GPRA-Grafik).

GPRA 2018 Home Office Grafik

GPRA-Präsidentin Christiane Schulz: „Eigenverantwortung und Vertrauen stellen hohe Werte in den GPRA-Agenturen dar. Das beginnt bei Vertrauensarbeitszeit und reicht bis zur individuellen Ausgestaltung der Tätigkeiten und der schnellen Übernahme von Verantwortung im Job-Alltag.“

Gesundheitsmanagement

Im Sinne einer guten Arbeitsatmosphäre und möglicherweise nötiger Stressbewältigung legen manche Agenturen noch Maßnahmen drauf, die dem betrieblichen Gesundheitsmanagement zugordnet werden können: Die Rede ist von Stressbewältigungsprogrammen (23 %), Massagen (19 %) und Trainingsangeboten während der Mittagspause (38 %). (Siehe nachfolgende GPRA-Grafik.)

GPRA 2018 Gesundheitsmanagement Grafik

Stabile Beschäftigungsverhältnisse

Wenn die beschriebenen Untersuchungsergebnisse tatsächlich die Verhältnisse in den GPRA-Agenturen widerspiegeln, dann haben sie zu stabilen Beschäftigungsverhältnissen geführt, die sich auch in der Dauer der Betriebszugehörigkeit niederschlagen. Sie liegt – Trainees ausgenommen – bei 4,6 Jahren. Über ein Drittel bleibt rund drei Jahre, jeweils rund 18 Prozent der Mitarbeiter wechselt erst nach fünf beziehungsweise sechs Jahren den Arbeitgeber. Stabilen Beschäftigungsverhältnissen ist auch zuzurechnen, dass die Trainees ebenfalls gerne bleiben: Nach dem Abschluss ihrer Traineeprogramme oder Volontariate bleiben Sie im Schnitt noch 2,7 Jahre bei der Agentur, in der sie in die Branche eingestiegen sind.


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