Die CEOs der DAX-Konzerne beziehen klar Stellung, unter anderen (v.l.) Martin Brudermüller (© BASF), Tim Höttges (© Dt. Telekom) und Roland Busch (© Siemens).

Dem Protest der Zivilgesellschaft auf deutschen Straßen und Plätzen folgt nun auch die Wirtschaft. Nach Forderungen, auch CEOs und Wirtschaftsbosse müssten ihre Stimme gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit sowie Hass und Hetze erheben und sich für kulturelle Vielfalt, Offenheit, Toleranz und Respekt aussprechen, wurde der Ruf erhört. Nachfolgend hat die Redaktion beispielhaft elf Stimmen von DAX-CEOs gegen Rechtsextremismus zusammengetragen, die sich bei LinkedIn zu Wort gemeldet haben.

Die Zitate folgen in alphabetischer Reihenfolge der Unternehmensnamen.

Martin Brudermüller, Vorstandsvorsitzender BASF:

„Unsere Haltung ist klar: Bei BASF gibt es keinen Platz für Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz. Wir sind ein global agierendes Unternehmen, bei uns arbeiten Menschen unterschiedlichster Herkunft und verschiedener Kulturen in einem großen Team zusammen. Offenheit ist einer unserer zentralen Unternehmenswerte – Vielfalt ist das, was uns bei BASF und unsere Gesellschaft ausmacht und ist auch Teil unserer wirtschaftlichen Stärke.
Wir sind besorgt über die gesellschaftliche Polarisierung und das Erstarken von rechtsextremem Gedankengut in Deutschland. Wir verurteilen jegliche Überlegungen zu einer Vertreibung von Menschen, die nicht in das Weltbild rechtsradikaler Gruppierungen passen, auf das Schärfste.“

Vincent Warnery, CEO Beiersdorf:

„Ich bin zutiefst besorgt über die Zunahme des Extremismus in der Welt. Und ich glaube, dass wir die Verantwortung haben, unsere Stimme zu erheben, um uns gegen Hass und Diskriminierung auszusprechen.
Wir bei Beiersdorf stehen für unsere Werte ein und setzen uns für eine gerechte und gleichberechtigte Gesellschaft für kulturelle Akzeptanz und Toleranz ein.
Eine kulturell vielfältige und internationale Gesellschaft bringt eine Fülle von Perspektiven und Erfahrungen mit sich. Wir verpflichten uns, eine integrative Denkweise innerhalb unserer Organisation und darüber hinaus zu fördern. Rechtsextremismus hat bei Beiersdorf keinen Platz.“

Manfred Knof, CEO Commerzbank AG:

„Bei der Commerzbank arbeiten Menschen aus mehr als 120 Nationen, zusammen sind wir die Bank an der Seite unserer Kundinnen und Kunden und begleiten den deutschen Mittelstand in die Welt.
Auch deshalb stehen wir als Commerzbank aus Überzeugung für eine Kultur der Weltoffenheit, der Toleranz und des gegenseitigen Respekts. Und auch deshalb treten wir entschieden ein gegen Antisemitismus und jede andere Form der Diskriminierung von Menschen.
Ich bin fassungslos und entsetzt darüber, dass wir uns in Deutschland in einer Situation wiederfinden, in der wir uns öffentlich zu den Grundwerten unseres Zusammenlebens bekennen müssen. Zu Werten, die für mich bislang immer zum Selbstverständnis unserer Demokratie gezählt haben.
‚Die Würde des Menschen ist unantastbar‘, das gilt uneingeschränkt für Jede und Jeden in Deutschland. Gedankenspiele über eine erzwungene ‚Remigration‘ sind unerträglich und damit nicht vereinbar. Hass, Abschottung und Ausgrenzung dürfen bei uns in Deutschland keinen Platz haben! Nicht heute, nicht morgen, nie.“

Markus Steilemann, CEO Covestro:

„Extremistische Parteien stellen eine ernsthafte Gefahr für die Grundpfeiler unserer Gesellschaft dar – Demokratie, Freiheit und faktenbasiertes Denken und Handeln. Sie bedrohen unseren Fortschritt, unsere Wirtschaft und unsere nachhaltige Zukunft.
Vielfalt und Offenheit sind wesentliche Katalysatoren für Innovationen. In einer nachhaltigen Zukunft gibt es keinen Platz für Rassismus, Hass und Menschenfeindlichkeit. Neben dem klaren Bekenntnis der Gesellschaft und Wirtschaft müssen jetzt auch die etablierten Parteien tätig werden und ein Angebot schaffen, dass demokratiefeindlichen und extremistischen Parteien keinen Nährboden gibt.“

Christian Sewing, CEO Deutsche Bank:

„Der Aufstieg der extremen Rechten stellt eine ernste Gefahr für unsere demokratischen Freiheiten und den Wirtschaftsstandort Deutschland dar. Rassismus und Intoleranz sollten in einem freien Land mit einer global ausgerichteten Wirtschaft keinen Platz haben. Investoren, die sich auch wegen unserer starken demokratischen Werte für Deutschland interessieren, sehen diese Entwicklungen und zögern, Kapital einzusetzen.
Als Gesellschaft müssen wir uns gegen Extremisten zusammenschließen und für eine Debattenkultur eintreten, die auf Fakten, Vernunft und Respekt basiert. Gleichzeitig müssen Politiker und Wirtschaftsführer den Menschen zeigen können, dass ihre Probleme und Sorgen ernst genommen werden und die Antworten darauf nicht von rechtsextrem kommen.“

Tim Höttges, CEO Deutsche Telekom:

„Innovation hat mit Vielfalt zu tun. Denn nur, wenn wir die verschiedenen Sichtweisen zusammenbringen, finden wir die besten Lösungen. Für mich hat Vielfalt darum immer auch eine unternehmerische Dimension. Sie ist nicht nur ein Wert, den ich teile. Sondern sie bringt auch bessere Leistung. Vielfalt muss dabei immer enthalten: Die Regeln des demokratischen Rechtsstaats akzeptieren und danach handeln. Das gilt für alle.
Bei der Deutschen Telekom haben Hass, Hetze, Antisemitismus und Rassismus keinen Platz. Wir sind froh, dass bei der Telekom die unterschiedlichsten Menschen zusammenkommen und da sind für unsere Kundinnen und Kunden. Damit wächst nicht nur unser Unternehmen. Sondern jeder einzelne wächst über sich selbst hinaus.
Bei der Telekom arbeiten viele Menschen mit Migrationshintergrund. Sie tun viel für unser Unternehmen. Und sie tun viel für unser Land. Sie gehören zu uns.“

Michael Sen, CEO Fresenius:

„Es ist ermutigend, dass am Wochenende Hunderttausende Menschen in vielen Städten in Deutschland gegen Ausgrenzung und für eine freiheitliche Gesellschaft auf die Straßen gegangen sind. Mit diesen friedlichen Demonstrationen hat unsere Gesellschaft ein wichtiges Zeichen für ‚#NieWiederIstJetzt‘ gesetzt.
Dieselbe Botschaft geht von unserem Unternehmen aus: Hass, Hetze und Ausgrenzung haben keinen Platz bei uns! Sie bedrohen unsere Demokratie, unsere Lebensweise und unseren Wohlstand. #TeamFresenius, das sind 190.000 Kolleginnen und Kollegen, so vielfältig wie unsere Gesellschaft. Wir sind als Weltunternehmen in rund 80 Ländern aktiv. Diversität ist unsere Stärke: Sie trägt dazu bei, dass wir die besten Ideen entwickeln und bestmögliche Entscheidungen für die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten treffen. Fresenius steht für eine offene, vielfältige und plurale Gesellschaft!“

Carsten Knobel, CEO Henkel:

„Am vergangenen Wochenende haben Hunderttausende in vielen deutschen Städten ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass gesetzt. Das hat mich sehr beeindruckt. Denn eins ist klar: Wir brauchen jetzt klare Haltung und Geschlossenheit!
Bei Henkel arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus über 120 Nationen. Vielfalt, Toleranz und Respekt sind die Grundlage für unser Zusammenleben und unseren Erfolg. Das gilt für unser Unternehmen ebenso wie für das Miteinander in unserem Land. Dafür stehen wir, und dafür stehe ich.
Zu Beginn des Jahres habe ich hier auf LinkedIn geschrieben, dass 2024 ein Jahr der Demokratie werden sollte. Nach den Entwicklungen der letzten Tage ist dieser Wunsch wichtiger und aktueller denn je. Wir alle haben eine Stimme für unsere Zukunft und wir alle haben die Wahl – gegen Extremismus und Nationalismus. Für Vielfalt, Toleranz, Demokratie und ein friedliches Miteinander.“

Lars Wagner, CEO MTU Aero Engines:

„In Deutschland geboren, in der Welt zuhause: Als starker Partner in der internationalen Luftfahrt ist die MTU Aero Engines ein wahrer Global Player. Mit unserem weltumspannenden Netz aus Kooperationspartnern, Kunden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiternleben wir Weltoffenheit, Vielfalt und Respekt – aus tiefer Überzeugung, gemeinsam und jeden Tag.
Unsere offene, wertebasierte Unternehmenskultur schafft ein Umfeld, in dem Innovationen und Erfolg gedeihen. Wir sind an 18 Standorten in neun Ländern aktiv. Wir stehen ein für Toleranz und Zusammenhalt. In unseren Teams arbeiten Menschen aus über 60 Nationen an den Herausforderungen von morgen. Der grenzübergreifende Gedankenaustausch vereint Kompetenzen und bringt uns der Vision einer emissionsfreien Luftfahrt jeden Tag ein Stückchen näher.
Wenn die weltweiten Verbindungen abreißen, verlieren wir alle. Wir bei der MTU setzen uns gemeinsam dafür ein, den globalen Fortschritt voranzutreiben. Für Ausgrenzung, Abschottung und Rassismus ist dabei kein Platz.“

Roland Busch, CEO Siemens AG

„Ich war tief bewegt, wie viele Menschen in den letzten Tagen in Deutschland auf die Straße gegangen sind, um für unsere Grundwerte zu demonstrieren. Und ich weiß, dass viele Siemens-Kollegen an den Märschen teilgenommen haben. Es ist gut und richtig, dass wir uns für eine freie und offene Gesellschaft einsetzen und uns gegen Rechtsextremismus aussprechen. Ich finde das Gerede über die Ausweisung von Menschen aus Deutschland sehr besorgniserregend. Das ist zynisch und unmenschlich. Ich lehne Extremismus, Rassismus und Diskriminierung entschieden ab – wir bei Siemens lehnen es ab.
Wir bei Siemens – mehr als 320.000 Menschen aus fast allen Ländern der Erde – stehen für Toleranz, Offenheit und Respekt sowie Vielfalt und Inklusion – humanitäre Grundwerte, die im Grundgesetz verankert sind. Die Überzeugungen der Rechtspopulisten widersprechen diesen Werten.
Rechtsextremismus schadet Deutschland und bedroht seinen Wohlstand. Dieser Wohlstand basiert auf Fortschritt und Innovation, auf Offenheit und Austausch, auf Vielfalt und Beständigkeit – und vor allem auf kreativen und engagierten Menschen. Menschen, die hierher kommen und einen Beitrag zur Gesellschaft leisten wollen. Das ist der Schlüssel zu unserem Erfolg. Deshalb ist Deutschland die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.
Unser Gesellschaftsvertrag basiert auf Freiheit, Frieden und Solidarität. Das ist es, was Deutschland in den letzten Jahrzehnten stark und widerstandsfähig gemacht hat, was uns Wohlstand gebracht und unser Ansehen in der Welt gehoben hat. Es ist gut und richtig, dass wir als Gesellschaft jetzt zusammenstehen und entschlossen für unsere Werte eintreten.“

Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender von Vonovia:

„Nur ein Gedanke zur Debatte um die sog. ‚Remigration‘ zeigt, wie absurd diese ist: Wenn alle Menschen mit Migrationshintergrund das Ruhrgebiet verlassen müssten, wäre es plötzlich sehr einsam und leer hier bei uns.
Bei Vonovia bieten wir Menschen unabhängig von ihrer Herkunft ein Zuhause. Dies ist nur mit einem internationalen, vielfältigen und offenen Team wie unserem möglich!
Derzeit gehen in ganz Deutschland Tausende Menschen auf die Straßen, um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen.
Das sind wichtige Signale für unsere Demokratie. Wir müssen uns gemeinsam für demokratisches und friedliches Zusammenleben einsetzen!“

Dank: Dieser Beitrag ist mit Unterstützung von Daniel Silberhorn, Senior Advisor ESG & Sustainability Transformation bei der SLR Consulting Limited, deutsche Niederlassung in Frankfurt am Main, erstellt worden.


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