Die Top 10 im German Diversity Index 2022 von BeyondGenderAgenda. (Quelle: German Diversity Index)

Bereits zum zweiten Mal veröffentlicht das in Düsseldorf ansässige Netzwerk BeyondGenderAgenda, die Initiative zur Verankerung von Diversity, Equity & Inclusion (DE&I) in der deutschen Wirtschaft, den German Diversity Index. Er steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Susanne Schmidt, Professorin am Lehrstuhl für Internationales Management an der Otto-von-Guericke-Universität, und bewertet die Diversität in den DAX 40-Vorständen. Der Diversity Index beurteilt das, durch Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte dokumentierte, Diversitätsengagement der DAX 40-Unternehmen. Allianz, SAP und Deutsche Telekom führen als Top 3 platzierte Unternehmen den diesjährigen Index an.

Zusätzlich zur Auswertung der verfügbaren Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte für 2021 konnten alle 40 Konzerne weitere Informationen und Nachweise einreichen. 16 Unternehmen der insgesamt 40 angeschriebenen DAX-Konzerne haben von diesem Angebot Gebrauch gemacht. Ab dem kommenden Jahr werden ausschließlich die Informationen gewertet, die in Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichten für 2022 dokumentiert sind.

Die Kriterien des German Diversity Index beruhen auf dem jeweils aktuellen German Diversity Monitor und werden somit jährlich angepasst, um dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu entsprechen. Die aktuelle Fassung des German Diversity Monitors ist unter diesem Link zu finden.

Vier Hauptkategorien

Der diesjährige Index wird auf Basis von vier Hauptkategorien berechnet: (1) Diversitätskennzahlen, (2) Diversität ist Chefinnen- beziehungsweise Chef-Sache, (3) Ressourcen für Diversitätsmanagement und (4) Inklusives Arbeitsumfeld.

Wagner Victoria CEO BeyondGenderAgenda klein„Mit dem German Diversity Index wird das Diversitätsengagement der DAX 40-Unternehmen bewertet und durch einheitlich angewendete Kriterien vergleichbar gemacht. Noch fehlen verbindliche Standards für die Dokumentation des Engagements für Vielfalt in Geschäfts- sowie Nachhaltigkeitsberichten. Das möchten wir in Zukunft ändern, um so die Transparenz für Stakeholderinnen und Stakeholder und Öffentlichkeit zu erhöhen und die Unternehmen im deutschen Aktienleitindex zu motivieren, ihr Diversitätsengagement nachhaltig zu intensivieren“, erläutert Victoria Wagner (Foto), Gründerin und CEO von BeyondGenderAgenda das Ziel des Index.

Das Ranking im Detail

Der German Diversity Index 2022 wird von Allianz mit 63,3 von 100 erreichbaren Punkten angeführt. Auf Platz zwei folgt der letztjährige Spitzenreiter SAP mit 58,7 Punkten. Die Deutsche Telekom vervollständigt die Top 3 mit 57,4 Punkten und verbessert sich damit um sieben Rangplätze im Vergleich zum Vorjahr.

Puma (55,2 Punkte), Zalando (52,0 Punkte) und Bayer (51,3 Punkte) gehören gemeinsam mit den drei Topplatzierten zu den lediglich sechs Unternehmen, die mehr als die Hälfte der möglichen 100 Punkte erreicht haben.

Der Gesamtdurchschnitt liegt bei 33,7 Punkten und zeigt, dass das dokumentierte Diversitätsengagement noch ausbaufähig ist. Drei Unternehmen haben sogar weniger als 10 Prozent der möglichen Punktzahl erreicht.

HelloFresh, Linde und Qiagen wurden nicht bewertet, da die Geschäftsberichte oder nichtfinanziellen Erklärungen von 2021 zum Stichtag 31.03.2022 noch nicht vorlagen. Siemens Healthineers wurde nicht bewertet, da das Unternehmen von der Abgabe der nichtfinanziellen Erklärung befreit ist und auf die zusammengefasste nichtfinanzielle Konzernerklärung verweist.

„Ob Maßnahmen die gewünschte Wirkung erzielen, bleibt offen“

Schmidt Susanne Prof OVGU Magdeburg klein„Die Ergebnisse der einzelnen Kategorien zeigen, dass in der Kategorie ‚inklusives Arbeitsumfeld‛ im Schnitt knapp zwei Drittel der möglichen Punktzahl erreicht wurden. Maßnahmen für ein inklusives Arbeitsumfeld werden also bereits häufig und umfassend in den Berichten genannt. Aus den Berichten ist allerdings nicht ersichtlich, ob diese Maßnahmen auch die gewünschte Wirkung erzielen. Die Kategorie ‚Diversität ist Chef:innensache‛ erreicht mit einem Mittelwert von 35 Punkten den zweithöchsten Punktedurchschnitt. Erfreulich ist, dass in 19 Unternehmen ein Vorstandsmitglied persönlich für Diversität verantwortlich ist. Eine Kopplung der Diversitätsziele an Boni ist hingegen noch selten dokumentiert. Die Kategorie ‚Ressourcen‛ schafft es mit einer Durchschnittspunktzahl von 31 auf Platz drei. Allerdings haben lediglich sechs Unternehmen ein spezifisches Diversitätsbudget benannt. Das Schlusslicht bildet in diesem Jahr erneut die Kategorie ‚Kennzahlen‛. Hier wurde im Durchschnitt nur gut ein Viertel der möglichen Punktzahl erreicht. Vor allem die Messung der Auswirkung von Diversität auf den Unternehmenserfolg fehlt bei fast allen Unternehmen“, erläutert Professorin Susanne Schmidt (Foto) die Ergebnisse.

„Den größten Entwicklungsbedarf für die kommenden Jahre sehe ich bei den Kennzahlen. Hier wünsche ich mir, dass Unternehmen sich freiwillig verbindliche Diversitätsziele setzen, diese dokumentieren und nachhalten. Große Hebel für eine schnellere Entwicklung der Vielfalt im Unternehmen sind die Vergütungsrelevanz dezidierter Diversitätsziele sowie die Messung der Auswirkung von Diversität auf den Unternehmenserfolg. Beide KPIs sollten von Unternehmen etabliert und genutzt werden“, kommentiert Victoria Wagner die Ergebnisse.


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