v.li.: Daniel Neuen (PR Report), Christian Maertin (Bayer), Philip Müller (PRCC), Anke Schmidt (BASF) und Andreas Grafemeyer (Bertelsmann)

Das Tagesprogramm der „PR Report“ Awards 2016 bestand aus einem Finalistenfestival, auf dem hauptsächlich Agenturvertreter nominierte Cases vorstellten. Obwohl die Branche regelmäßig nach Preisverleihungen klagt, man bekäme von den Projekten auf der Shortlist kaum etwas mit und alles ginge immer so schnell, war bei der Premiere 2016 in Berlin wenig los. Konsequenz: Mit einem Camp gab es dieses Jahr einen aufgepimpten Relaunch.

Kosmos Berlin 1Der veranstaltende Medienfachverlag „Oberauer“ hat das Konzept komplett umgekrempelt und das Event zu einem Meet & Learn für vorrangig jüngere Vertreter der PR-Branche und Studenten entwickelt. Fast 1.000 Anmeldungen habe es im Vorfeld gegeben, hieß es. Selbst nach Abzug der üblichen No-Show-Rate präsentierte sich das Kosmos als gut gefüllt. Hierbei handelt es sich um ein ehemaliges Kino im Bezirk Friedrichshain – gleichsam Ort der Award-Show am Abend.

25 Teams konnten erneut ausgewählte Cases vorstellen. Neu: Die Camp-Teilnehmer stimmten über das ihrer Meinung nach spannendste Projekt ab. Belohnung: der frisch ins Leben gerufene Publikumspreis. Auch fand im PR-Camp das Finale des Wettbewerbs #30u30 statt, dessen Sieger sich „Young Professionals des Jahres“ nennen dürfen. Darüber hinaus gab es ein Karriereforum. Die Teilnehmer konnten mit hochrangigen Kommunikatoren aus der Agentur-, Verbands- und Unternehmenswelt bei „Donut“ und „Limo“ diskutieren und weitere PR-Profis an Ständen treffen. Ein Influencer Camp mit vier Workshops vermittelte Wissen zu Instagram, Blogs & Co. Wer cleveres Zeitmanagement betrieb, erfuhr also einiges über die besten PR-Projekte des Jahres, über Online-Strategien und darüber, welche potenziellen Karriereoptionen sich eröffnen könnten.

Der Nachwuchs als Zielgruppe

Warum die programmatische Neuorientierung? „Mit dem PR Report Camp wollen wir die seit 15 Jahren bestehenden ‚PR Report‘ Awards um ein attraktives Tagesprogramm erweitern“, erklärt Sebastian Vesper, als Leiter des Berliner Büros von „Oberauer“ für Camp und Preisverleihung verantwortlich. „Mit dem Camp sprechen wir vor allem junge Leute an, die sich zu Themen rund um ihre Karriere inspirieren lassen wollen.“ Das Tagesprogramm solle auch für diejenigen interessant sein, die abends nicht dabei sein können, sagt Vesper. Award-Luft schnuppern für alle sozusagen.

PR Report Camp 2017Der liebe Nachwuchs – der „War for Talents“ macht sich in der Kommunikationsbranche nicht erst seit heute bemerkbar. Es herrscht intensiver Wettbewerb um die besten Köpfe. Employer Branding ist ein großes Thema.

Frage an Christian Maertin, Leiter Corporate Communications and Media Relations beim Weltkonzern Bayer: Welche Eigenschaften müsse ein Bewerber mitbringen? „Wir suchen Kandidaten, die für den Job als Kommunikator brennen“, erklärt er. „Hohe digitale Affinität und Begeisterung für den Wandel in der Kommunikation sind uns besonders wichtig.“ Selbst ein Unternehmen wie Bayer müsse um gute Kandidaten insbesondere für Volontariate kämpfen. Ulrich Schuhmann, Geschäftsführer der Schuhmann Personalberatung, sieht vor allem branchenspezifische Engpässe: „Alle, die etwas von Healthcare verstehen, werden enorm gesucht. Auch Kandidaten mit Change- und Digitalisierungskompetenz sind für Agenturen und Unternehmen schwer zu finden.“ Berater mit derartigen Kompetenzen gebe es nicht wie Sand am Meer.

PR-Nachwuchs redet gerne übers Geld

Das Gehalt spielt durchaus eine entscheidende Rolle für die Karriereplanung. Darauf lassen zumindest die Fragen und Diskussionsbeiträge der meist jüngeren Teilnehmer schließen. Beispiel: „Was verdient man bei Ihnen am Anfang als Trainee?“, fragte beispielsweise ein Teilnehmer Rüdiger Maeßen, Geschäftsführer von Hill+Knowlton Strategies, in dessen Donut-Runde. Antwort: „2.000 Euro.“ Rückfrage: „Netto?“. „Nein. Brutto.“ Dialoge dieser Art gab es mehrere.

Von einer Fokussierung allein auf das Gehalt rät Christian Lawrence, Partner der Strategieberatung Brunswick Group, allerdings ab: „Ich empfehle, nicht zu stark auf das Anfangsgehalt zu schauen, sondern sich eher zu verinnerlichen, in welchem Bereich man sich nach drei oder vier Jahren für ein Unternehmen unentbehrlich oder für andere interessant machen kann.“ Dann lasse sich in Agenturen durchaus gut verdienen, so Lawrence in einer Podiumsdiskussion. Hervorragende Karriereoptionen würden sich auch für Auszubildende in Agenturen ergeben, ergänzte Sabine Castenow, Geschäftsführerin von Castenow Communications, bekannt vor allem aufgrund des Bundeswehrformats „Die Rekruten“. Diese Erkenntnis dürfte doch verwundert haben.

Und was machten die #30u30-Kandidaten? Sie hatten eine Bühne für sich und mussten ihre vorher entwickelten Konzepte für Unternehmen vorstellen. Wie es sich für eine ordentliche PR-Präsentation gehört, durfte das eine oder andere Buzzword nicht fehlen: „We have to get social.“ Es mangelte nicht an kreativen Ideen. Erfahrung mit Publikum und die rhetorischen Fähigkeiten der Finalteilnehmer schienen ebenfalls sehr ausgeprägt. Das fand offenbar auch Christiane Schulz, GPRA-Präsidentin und CEO von Weber Shandwick in Deutschland: „Liebe #30u30-Talente, alle präsentieren souverän – toll! Nicht gesehen habe ich bis jetzt: messbarere Ziele und mixed Teams?“, twitterte sie. Merken für das nächste Mal!

Fotos: ©Jens Jeske, Berlin (Titelbild, Bild Publikum), ©Kosmos AG (Foto Kosmos)


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