Große Themenvielfalt beim 44. Marketing-Tag

Der 44. Marketing-Tag in der Main-Metropole Frankfurt am Main war ein Event der Superlative. Die von Claudio Montanini, Geschäftsführer des gastgebenden Marketing Clubs in Frankfurt, mutig angepeilten 1.500 Gäste wurden sogar knapp übertroffen. Für ihn war es „der größte Marketing-Tag aller Zeiten“. Auch das Line-up trat in diesem Jahr in eine ganz neue Dimension von Qualität und Anspruch.

Vor genau zwölf Jahren kamen die Marketing-Branche das erste Mal im Rahmen eines Marketing-Tages nach Frankfurt. Damals noch klassisch-konventionell mit Krawatte und PowerPoint Präsentationen. Im Jahr 2017 sprach man dagegen ohne Schlips und mit Turnschuhen über Deep Dive, Round Table und Breakout Sessions. Neben den Preisverleihungen waren das die großen Highlights im Europa Kap in der Main-Metropole. Fachleute aus Marketing und Kommunikation konnten sich am 22. und 23. November vor Veranstaltungsangeboten kaum retten. Manchen fiel die Auswahl der parallellaufenden Sessions sehr schwer, denn alle hatten spannende Themen und Top-Referenten.

Purpose stärkt eine Marke nachhaltig

Unter dem Motto #_next_level_marketing wurden innovative Tools und praktische Erfahrungen aus den unterschiedlichsten Perspektiven betrachtet. So zum Beispiel zum Thema Influencer Marketing, Data Mining, Dynamic Pricing und Recruiting. Auch stellte man sich die Frage, ob etwa ein „Purpose“ eine Marke stärken kann. Die einhellige Meinung der zahlreichen Präsentierenden: Ja, ein Purpose stärkt eine Marke nachhaltig. Dies bestätigte auch Ernst Primosch, Chairman von Hill + Knowlton, die schon lange und sehr erfolgreich mit diesem Ansatz arbeiten.

Das Thema „Digital“ kann man mit dem Satz zusammenfassen: Digital wird normal und trotzdem gab es Neuigkeiten, wie etwa, dass das Influencer Marketing der schnellst wachsende Online-Marketingkanal ist. Unter allen Teilnehmer der Roundtable-Diskussion war man sich einig: Influencer Marketing fängt gerade erst an, wird weiter wachsen und wird sich als spannender und wichtiger Marketingkanal etablieren.

Nicht ganz neu, aber auch bearbeitet wurde das Thema Content Marketing, bei dem es ja gerade bei den Werbern leidenschaftliche Streitereien gibt. Bei Content gilt, was für jeden Mitteleinsatz im Marketing gilt: Der Wurm muss dem Fisch nicht nur schmecken, sondern ihn auch erreichen. Es reicht daher nicht aus, nur guten Content zu erstellen, dieser muss auch an eine konkrete Zielgruppe gerichtet sein und diese auch richtig ansprechen, damit er wirksam ist.

Neue Fragestellung für Facebook

Von Facebook hörte man, dass sich in der schnell verändernden digitalen Welt auch digitale Riesen anpassen müssen. So hat sich das Verhalten der Facebook-Nutzer in den letzten Jahren stark verändert: Sie erstellen viel weniger eigenen Content und das Engagement ist stark zurückgegangen, was für Facebook selbst bedeutet, sich Gedanken machen zu müssen, wie man den Service besser an das neue Verhalten der Nutzer anpassen kann.

Neben den insgesamt elf sehr gut besuchten Breakout Sessions gab es in diesem Jahr die Möglichkeit, einmal „Höhle der Löwen“ Luft zu schnuppern beim Live-Pitch von fünf Startups, die ihre jeweiligen Konzepte im Umfeld von Marketing-Automatisierung, Ad-Technologies oder Big Data/Analytics vor Publikum und Jury verteidigen mussten. Gewonnen hat den Startup Pitch die Firma Reachbird, die eine intelligente Influencer Marketing All-in-One Lösung für Marketing Professionals entwickelt hat.

Influencer Marketing All-in-One Lösung

Basierend auf künstlicher Intelligenz bietet das Unternehmen Tools, um Influencer zu identifizieren, das Kampagnenmanagement darauf abzustimmen, und um die gelaufenen Kampagnen zu kontrollieren. Als Sieger erhält Reachbird Medialeistungen im Wert von 20.000 Euro durch Anzeigen in der „absatzwirtschaft“. Darüber freute sich Julian Freese, CMO von Reachbird, sehr, der das Unternehmen zusammen mit Philipp Martin, Benedikt Ess und Stefan Debortoli bereits während seines Entrepreneuship Masters gegründet hat. Damit setzte sich Reachbird gegen 1plusX, Keyword Hero, Sensape und CrossEngage durch.

Auf Nachfrage bei den Teilnehmern des Marketing-Tages, warum es sie nach Frankfurt geführt hat, hörte man oft die Antwort: „Unsere Branche befindet sich im Umbruch“, so zum Beispiel von Ralf Strauß, Präsident des Bundesverbandes der Marketingschaffenden. Insbesondere über die Relevanz der Dinge müsse gesprochen werden, dann manch einer fühle sich wie von der Flut der Möglichkeiten überfordert. Auf dem 44. Marketing-Tag wurden den Teilnehmern daher konkrete, anwendbare Lösungen gezeigt, die von Referenten mit einschlägiger Praxiserfahrung stimmungsvoll präsentiert wurden.

Weg vom Durchschnitt, hin zum Macher

Für die Marketing-Branche ist das Chance und Herausforderung zugleich, denn erfahrene Chefs mit solidem Bildungshintergrund werden in Zukunft noch stärker gefragt sein. „Was wir jetzt brauchen, sind Leute mit Anwendungserfahrung“und, so Ralf Strauß.

Commodity-Fallen, USP, Angebotserweiterung waren nur einige der häufig fallenden Schlagworte. Back to the roots? Nein, absolut nicht, denn Kreativität, Synergieschaffung und ein kleines bisschen Revoluzzergehabe war überall zu hören und zu spüren. Weg vom Durchschnitt, hin zum Macher. In Gruppen konnte sich die Branche mit Marketing- und Unternehmenschefs von IBM, Shell, Telekom, Facebook, Warsteiner, E.ON, Targobank, Mastercard, Rotkäppchen-Mumm, dm Drogeriemarkt, Philips, Swarowski, Puma, B. Braun Melsungen, Bilou, Fraport, BSH Hausgeräte und Aral austauschen.

Deutscher Marketing Preis 2017 für Themomix

Deut Marketing Tag 2017 SiegerehrungNach viel Input am Tag feierten die Kreativen bis spät in die Nacht bei der Verleihung des Deutschen Marketing Preises mit anschließender After-Show-Party. Der seit 1973 vergebene Preis wurde in diesem Jahr an Thermomix von Vorwerk vergeben. Die 30köpfige Jury aus Wirtschaft, Agenturen, Wissenschaft und Medien hatte aus 104 nominierten Unternehmen und fünf Finalisten entschieden. Die Marketingleistung von Thermomix über offline, digital, Kommunikation, Vertrieb und Produkt über alle Kundeninteraktionskanäle hinweg begründe den Erfolg der Marke und passe somit perfekt zu den Anforderungen des Preises. So konnte sich Thermomix gegen die anderen vier Finalisten Rügenwalder Mühle, Check 24, Edeka und Hornbach durchsetzen.

Den deutschen Wissenschaftspreis erhielt Daniel M. Ringel für seine Dissertation „Creating Insignes in large Marktes“ mit der er für seine innovativen Ansätze zur Wettbewerbsanalyse vom Deutschen Marketing-Verband ausgezeichnet wurde.

Mit dem Preis für das beste regionale Marketingkonzept, den die Marke Dermansence gewann, gab es in diesem Jahr übrigens einen Preis mehr als in den Vorjahren. Die medizinische Hautpflegeserie wurde für ihre zielgruppenspezifischen, innovativen Kommunikationsprojekte ausgezeichnet.

Professioneller Branchentreff

Summa summarum war der Marketingtag 2017 ein interessanter und professionell veranstalteter Branchentreff, der schöne Erfolgsgeschichten brachte und vor allem auch zeigte, wie sich erfolgreiche Unternehmen in einer fragmentierten Kommunikationswelt zurechtfinden. Dabei war deutlich zu sehen, dass sich jedes Unternehmen sein eignes Kommunikations- und Marketingportfolio zusammenstellen muss. Ein Patentrezept gibt es in einer digital und analog fragmentierten Welt nicht mehr. „Blurred Audiences“ nennen das die Amerikaner, was heißt, dass die Zielgruppen verschwimmen. Eines aber wurde klar: Erfolgreiches Marketing braucht mehr denn je Mut und Entschlossenheit, Kreativität in der Inszenierung und Professionalität in der Umsetzung, um erfolgreich zu sein. Und das wollten ausnahmslos wohl alle Teilnehmer am 44. Marketingtag.

Übrigens, der 45. Marketingtag findet 2018 am 4. und 5. Dezember in Hannover statt.


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