Kathrin Behrens arbeitete in den 1990-er Jahren für Kohtes & Klewes und ruft den außergewöhnlichen Spirit in Erinnrung, den die Agentur damals hatte. (Foto: Beate Wätzel)

Dieser Tage rauschte eine Mega-News durch die Branche: Die Agenturen BCW und Hill & Knowlton fusionieren zu „Burson“. Die News klang wie ein Echo in meinen Ohren: Agenturen, die sich zu internationalen Mammuts vereinen, beobachten wir seit vielen Jahren. Einige verlieren auf ihrem Weg das, was sie einmal ausgemacht hat.

Woran mich der Case erinnert: Es war einmal eine Agentur mit einer außergewöhnlichen Strahlkraft, Kohtes & Klewes. Ich habe dort zu Beginn meiner Laufbahn selbst fünf Jahre gearbeitet, übrigens zusammen mit Thomas Dillmann, dem heutigen Chefredakteur des PR-JOURNALS. Über einen langen Zeitraum (in 1990er-Jahren bis in die 2000er Jahre) war Kohtes & Klewes die unangetastete Nummer Eins im deutschen PR-Markt. Es folgten Expansion, Internationalisierung, Umstrukturierungen und zahlreiche Namensänderungen (Kohtes Klewes, ECC Kohtes Klewes, Pleon, Ketchum Pleon, Ketchum), bis von dem schillernden Flaggschiff nur noch die Erinnerung blieb.

Das ist lange her, lohnt aber im aktuellen Kontext durchleuchtet zu werden. Mit dem Aufbau der Agentur 1988 haben die Gründer Paul J. Kohtes und Joachim Klewes einen Stein ins Wasser geworfen, der bis in die Gegenwart seine Kreise zieht. Die Agentur hat eine Generation an Top-Beratern geformt, die sich heute noch außerordentlich verbunden fühlen. Fragt man sie, kommen ähnliche Statements: „Es war eine besondere Zeit. Wir waren wie eine Familie. Eine tolle Mischung aus Professionalität und wertschätzender Unternehmenskultur, wirklich inspirierend.“

Was hatte die Agentur, deren Mitarbeitenden viele Jahr später noch ins Schwärmen geraten? Was ist auf dem Expansionsweg verloren gegangen? In Zeiten großen Wandels können wir daraus lernen:

Lebendiger Markenkern als Dreh- und Angelpunkt

Fast eine Plattitüde in der PR-Welt: Ein starker Markenkern ist wie eine Zentrifugalkraft, die Menschen zusammenhält. Kohtes & Klewes stand für Top-Level-Beratung, Kreativität und Inspiration. Über der Agentur schwebte ein besonderer Spirit - der Roof-Top-Zen-Garten in der Düsseldorfer Zentrale, den es schon in den 90er Jahren gab, stand hierfür stellvertretend. Die Identifikation der Mitarbeitenden mit der Marke „Kohtes & Klewes“ war groß, verlor sich aber im Laufe der Zeit sukzessive mit der Metamorphose der Agentur – fünf aufeinanderfolgende Namenswechsel verbunden mit überbordenden wirtschaftlichen Optimierungsoffensiven überforderten. Mit der Abwanderung von Gründern und Partnern diffundierten auch Spirit und Markenkern, bis auch die weitere Stamm-Mannschaft das Schiff verließ.

Exzellenz ohne Kompromisse

Bei Kohtes & Klewes stand alles unter der Prämisse der Exzellenz: Beratung, Mitarbeitende, Konzepte sogar Wortbeiträge in internen Meetings. Auch Lässigkeit war erlaubt, aber nur dann, wenn sie mit exzellenten Ideen einher ging. Heute geben sich viel zu viele Agenturen mit Mittelmaß zufrieden. Eine Entwicklung, deren Motivation sich mir nie erschlossen hat.

Positive Power-Work statt überbetontes Wellbeing

In meinen ersten Berufsjahren habe ich gelernt, dass Zusammenarbeit eine Dynamik entfachen kann, die fast unbeschreiblich ist. Dabei haben wir, wenn wir ehrlich zu uns sind, bei weitem zu viel gearbeitet, oft bis zur Erschöpfung. Warum haben wir das getan? Weil Engagement mit Lust und Fun verbunden war – eine Art Rausch, der sich im kollektiven Miteinander entfacht. Leider ist dieser etwas zu radikal aus der Mode geraten. Die Generation Y hat recht, wenn sie auf ihre Work-Life-Balance pocht, wird aber dafür auch dieses abgehobene Feeling nicht mehr kennenlernen.

Fortbildung-Push für mehr Personal Power

Wer sich Exzellenz auf die Fahne schreibt, darf nicht mit Fortbildung geizen. Eine McKinsey-Studie aus 2023 zeigt, dass Unternehmen, die in ihre Mitarbeitenden investieren, wirtschaftlich erfolgreicher sind. Bei Kohtes & Klewes hat man das schon früh erkannt. Für diejenigen, die sich ins Zeug legten, wurde ordentlich Geld ausgegeben. Im Fokus stand nicht nur die Fachkenntnisse möglichst schnell zu entwickeln, sondern auch die Persönlichkeit. Für mich war das nach dem Studium ein markanter Personality-Push, von dem ich bis heute profitiere.

Ultimative Connection: Das Lagerfeuergefühl

Ich arbeite selbst überaus produktiv im Homeoffice. Denke ich jedoch an Newcomer in Agenturen, schaudert‘s mich: Ich stelle mir vor, wie diese in urbanen Zimmerchen an ihren moebel.de-Küchentischen sitzen, lediglich per WLAN mit ihrer Agentur connected. Wir wissen alle, das funktioniert – irgendwie. Ich glaube aber nicht daran, dass dieser digitale Strang eine vergleichbar kraftvolle Agentur-Dynamik entwickeln kann, wie ich es bei meinem Agenturstart erleben durfte. Der wichtigste Bindungsfaktor für Mitarbeitende ist laut HR-Report 2023 das Betriebsklima. Immer wieder spricht man in diesem Kontext auf vom gewissen „Lagerfeuergefühl“, das sicher weder über WLAN noch Ozeane seine volle Wirkung entfacht.

Es gibt viel zu lernen. Burson und seinen Mitarbeitenden wünsche ich für ihre spannende Idee vom internationalen „Powerhouse“ einen super Start. Ich hoffe, dass die Agentur weise genug ist, den kostbaren Spirit ihrer Mitarbeitenden langfristig weiter zu befeuern.

Über die Autorin: Kathrin Behrens ist Partnerin bei elfvorzwölf, einer Boutique-Beratung für Transformation und Kommunikation für den Mittelstand. Sie unterstützt Unternehmen im Wandel dabei, eine wirkungsvolle Change-Strategie und -Story zu entwickeln. Als Trainerin vermittelt sie Kernkompetenzen der Kommunikation und Strategien für Profis.


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