Will möglicherweise ungesehen bleiben – Bundeskanzler Olaf Scholz. (Foto: Bundespresseamt, bearbeitet)

In Berlin reden sich unsere Politiker über das Haushaltsloch, die Schuldenbremse und Co. derzeit um Kopf und Kragen. Nur einen sieht und hört man nicht: Olaf Scholz. Es ist auffällig, immer dann, wenn die bundesdeutsche Hütte so richtig brennt, bleibt er fern, teleportiert sich stumm ins Nirgendwo. Als Kommunikationsberaterin macht mich das fassungslos: Kein Sprecher eines Unternehmens käme auf die Idee, sich ausgerechnet dann, wenn er besonders gefragt ist, zu verdrücken.

Unser Kanzler wohnt in Potsdam, wie ich. Das beflügelt gerne meine Fantasie, wenn ich mich mal wieder frage: Was macht eigentlich Olaf Scholz, wenn er medial abwesend ist? Seine Wohnung befindet sich in einem Neubau, direkt neben dem Museum Barberini, in dem gerade eine Edvard Munch Ausstellung zu sehen ist. Vor meinem inneren Auge sehe ich ihn mit zugehaltenen Ohren über die historischen Glienicker Brücke allem davon taumeln. Aber vielleicht verkenne ich ihn, und er lustwandelt in Lennéischer Feldflur? Am wahrscheinlichsten scheint mir jedoch, dass er sich seine Augenklappe aus der Schublade geholt hat, sogar gleich zwei, und hofft damit so ungesehen zu sein, wie ein Vierjähriger beim Versteckspiel im Neuen Garten.

Mit professionellem Blick ist seine Nichtpräsenz nicht zu verstehen: Selbst die internationalen Medien haben das Fernbleiben unseres Kanzlers in brisanten Situationen bereits entlarvt. Immer wieder lese ich in der Washington Post, dass Annalena B. mal wieder schneller mitten in einem internationalen Geschehen war als er – und das, obwohl man ihr den maroderen Flieger zugeschustert hat.

Wir wissen seit Paul Watzlawick, dass auch keine Kommunikation Kommunikation ist. Egal hinter welchem Baum man sich auch versteckt, man kann nicht nicht kommunizieren. Was Olaf Scholz uns sagt, wenn er nichts sagt, ist jedoch unserer Fantasie überlassen. Und die ist bunt oder wie bei mir aktuell ein einziges Fragezeichen. Ich kann in des Kanzlers Kopf noch immer nicht hineinschauen. Denn selbst wenn er mal um Worte ringt, kommen sie bei mir nicht an. Sein zartes monotones Stimmchen dringt nicht zu mir durch. Eher versetzt es mich in den Tiefschlaf.

Es stellt sich die Frage: Hatte der Kanzler schon an Beratern gespart, bevor der Haushalt ultimativ zusammenbrach? Wer versteckt ihn in der Besenkammer, während Wirtschaftsminister im schwarzen Anzug Haltung zeigt und sich mit einem Sujet, das eigentlich nicht seines ist, an die Nation wendet? Wer sagt dem Mann „Du Olaf, geh lieber im Park Sanssouci joggen“, während Frau Baerbock Kriegsschauplätze abklappert?

Auf Olaf Scholz Türschild an seiner Potsdamer Wohnung steht kein Name. Es ist einfach blank.

Irgendwie passt das.


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