Eck-Klaus copyright-raimund-verspohl-portraits-comWie komme ich mit Bloggern ins Gespräch? Ist es sinnvoll, Warenmuster oder Gutscheine zu versenden in der Hoffnung, dass deren Empfänger über diese Produkte schreiben werden? Wie könnten Win-Win-Modelle in der Zusammenarbeit von Unternehmen mit Bloggern aussehen? Dazu hat das „PR-Journal“ vier Blogger befragt: Madeleine Alizadeh, Fashion-Bloggerin aus Wien, Klaus Eck (Foto, © raimund-verspohl-portraits.com), PR-Blogger aus München, Nicole Y. Männl, Auto-Bloggerin aus Hannover, und Sascha Pallenberg, Tech-Blogger aus Taipei. Ihr gemeinsamer Anspruch: Transparenz muss sein, sonst macht man sich unglaubwürdig. Beachten Sie dazu auch den Kommentar zum Thema. Hier kommen die Antworten der Blogger.

PR-Journal: Wie stark fühlen Sie sich verpflichtet, über etwas zu schreiben, wenn Sie Geschenke oder Warenmuster bekommen?

  • Alizadeh-Madeleine BloggerinMadeleine Alizadeh (Foto): Gar nicht. Jedoch schicke ich Produkte, die ich nicht bewerben möchte, auch gern wieder zurück. Viele Firmen wollen immer noch gerne mit Produkten bezahlen, was ich aber nicht akzeptiere.
  • Klaus Eck: Wer einem Blogger ein Geschenk zukommen lässt, sollte niemals eine direkte Gegenleistung erwarten. Das kann sogar zu einem Krisen-Issue werden, wenn es quasi verlangt wird. Mit Influencer Relations haben solche „Geschenke“ wenig zu tun. Oft sind sie ein dreister Versuch, sich Earned Media zu erkaufen, wo es nicht angebracht ist.
  • Nicole Y. Männl: Wenn ich gefragt werde, ob mir etwas zugesendet werden soll, würde ich mein Einverständnis nur geben, wenn mich das Produkt stark interessiert und würde dann darüber bloggen. Den Artikel kennzeichne ich entsprechend. Bei unverlangten Produkten würde ich mich nicht verpflichtet fühlen.
  • Sascha Pallenberg: Ich fühle mich vor allen Dingen verpflichtet zu veröffentlichen, dass mir eine Firma ein Geschenk gemacht hat. Im Rahmen der Transparenz ist dies bei uns ein wichtiger Standard. Warenmuster werden bei uns für Testberichte genutzt, denn diese sind fundamentaler Teil unserer Berichterstattung.

PR-Journal: Welche Modelle der Zusammenarbeit mit Unternehmen wären aus Ihrer Sicht eine Win-Win Situation?

  • Madeleine Alizadeh: Arbeit sollte meiner Meinung nach mit Bezahlung entlohnt werden. Bei Produkten, die großen persönlichen Mehrwert mit sich bringen, akzeptiere ich manchmal eine 50:50 Regelung, das heißt, ich akzeptiere 50 Prozent Bezahlung und 50 Prozent Ware. Das kommt aber sehr selten vor.
  • Klaus Eck: Es spricht nichts gegen eine geschäftliche Kooperation mit Bloggern, in der Leistung und Gegenleistung etwa im Rahmen eines Sponsorings vereinbart werden. Aus Glaubwürdigkeitsgründen habe ich als Unternehmensberater im PR-Blogger in den vergangenen zehn Jahren lieber auf Anzeigen oder bezahlte Beiträge im Sinne des Native Advertisings verzichtet.
  • Maennl-Nicole-Y BloggerinNicole Y. Männl (Foto): Es wäre eine Win­Win­Situation, wenn ich eine Aufwandsentschädigung für meine Zeit bekäme, in der ich mich mit dem Produkt beschäftige und darüber mit nicht-werblicher und ungekaufter Meinung schreibe. Davon profitieren auch die Unternehmen, dann steht das Produkt ganz anders da, als wenn es sich um Lobeshymnen oder reines SEO handelt. Die Mentalität „Blogger arbeiten grundsätzlich kostenlos" (weil beim Budget gespart werden soll) kann ich nicht leiden.
  • Sascha Pallenberg: Beide Seiten wissen was sie wollen. Der einfache Zugang zu neuen Produkten und Informationen ist für uns das A und O. Je schneller und simpler, umso besser für uns und letztendlich auch für die daraus resultierenden News- und Test-Artikel.

PR-Journal: Wie sollten Unternehmen an Sie herantreten, um mit Ihnen in ein konstruktives Gespräch zu kommen? Gib es in dieser Hinsicht Unterschiede zwischen Bloggern und Journalisten?

  • Madeleine Alizadeh: Ich verkaufe eine Leistung, das heißt, ich erwarte mir, dass Unternehmen diese auch bezahlen. Ich kann bei meinem Vermieter meine Miete ja auch nicht in Lippenstiften begleichen. Natürlich unterscheiden wir uns von Journalisten, da sich Journalisten nicht um die Anzeigenschaltung in ihrem Medium kümmern - dafür gibt es in Verlagen eigene Abteilungen. Beim Blog kümmert sich ein Blogger ja um alle Bereiche des Blogs: Beiträge, Advertorials, Banner, Fotostrecken etc.
  • Klaus Eck: Bloggende Influencer haben zwar andere Interessen als Journalisten. Letztlich kann ich jedem dennoch nur empfehlen, auf das klassische Networking on- und offline zu setzen und darüber langsam eine Beziehung aufzubauen. Das ist vergleichbar mit den Press Relations. Schnelle Erfolge bleiben flüchtig. Gute Kontakte brauchen Zeit und Vertrauen.
  • Nicole Y. Männl: Ein Journalist bekommt ein Honorar für seinen Artikel. Wenn ich über etwas schreibe, dann ist das meine Freizeit, die ich dafür hergebe. Dafür pinsele ich keine Pressemeldungen ab, sondern schaffe Inhalte, die einzigartig sind. Für Kooperationen (Gastbloggerin) bin ich aufgeschlossen, allerdings immer transparent.
  • Pallenberg-Sascha BloggerSascha Pallenberg (Foto): Ein offenes und ehrliches Gespräch auf Augenhöhe. Direkt sagen, worum es geht und ich schaue dann, ob es für uns interessant ist oder nicht. Ich mache den Job nun schon seit fast 15 Jahren und von daher bevorzuge ich eine direkte Ansprache. Da dürfte es zwischen Bloggern und Journalisten keine Unterschiede geben.

Die Blogger

  • Madeleine Alizadeh, lebt in Wien, Fashion and Lifestyle Fotografin, Herausgeberin des Fashion Blogs DARIADARIA, Gewinnerin des Fashion Jury Awards im Rahmen der Zalando Blogger Awards 2014.
  • Klaus Eck, Geschäftsführer der Eck Consulting Group GmbH & Co. KG, München; Fachbuchautor „Der Content-Revolution im Unternehmen“, Gründer des Social Media Clubs München, Herausgeber des PR-Blogger.
  • Nicole Y. Männl, Freiberuflerin NY Beratung, Hannover; Herausgeberin von Auto-­Diva und Nicole @ 0511web, Gastbloggerin auf verschiedenen Corporate Blogs.
  • Sascha Pallenberg betreibt von Taiwan aus die Blog-Plattform Mobilegeeks.de sowie den englischsprachigen Ableger Mobilegeeks.com. In den Jahren 2010 bis 2013 gewann er den „Top 20 Smart Mobile Device Pundit“-Award.

Die Interviews führte Helge Weinberg: Weinberg ist Berater, Blogger und Journalist aus Hamburg. Seine Agentur Strategie & Kommunikation ist spezialisiert auf Strategische Kommunikation und Arbeitgeberkommunikation / Personalkommunikation. Über diese Themen schreibt er in seinem Blog sowie als Korrespondent Hamburg / Norddeutschland des „PR-Journals“ und in anderen Medien.


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