Von links nach rechts: Susanne Krehl, Antje Neubauer, Tina Groll, Tijen Onaran und Maren Weber. (© Henrik Andree / meko factory)

BdP- und DJV-Diskussion in Berlin zu mehr Frauen in Führungspositionen in PR und Journalismus

PR und Medien zählen sich selbst gerne zu den fortschrittlichen und weltoffenen Branchen in diesem Land. Es ist eine Tatsache, dass mehr Frauen als Männer in PR und Journalismus einsteigen, aber in Führungspositionen weibliches Spitzenpersonal deutlich unterrepräsentiert ist. Mit Chancengleichheit ist es also nicht weit her. „Unten weiblich, oben männlich“, lautete deshalb der passende Titel einer Podiumsdiskussion des Bundesverbands deutscher Pressesprecher (BdP) – Landesgruppe Berlin-Brandenburg und des Deutschen Journalistenverbands (DJV) Berlin.

Einige der bekanntesten Vertreterinnen der deutschen Kommunikationsbranche diskutierten zum Thema Chancen von Frauen: Tijen Onaran, Gründerin von Global Digital Women (GDW) und selbstständige Digitalberaterin, Antje Neubauer, Leiterin Marketing & PR bei der Deutschen Bahn, Susanne Krehl, Managing Director für Österreich und die Schweiz bei Barzahlen, sowie Maren Weber, „RTL“- und „n-tv“-Journalistin und Vorstandsvorsitzende der Vereinigung ProQuote Medien. Diese setzt sich für mehr Frauen in Führungspositionen in Medien ein. Das Publikum: „Ein Saal voller Frauen“, wie Moderatorin Tina Groll von „Zeit Online“ einleitend im Berliner „TAZ“ Café meinte.

Der Status-quo

Wie viele Frauen in Redaktionen in Führungspositionen tätig sind, ist gut dokumentiert: Die Quote liegt je nach Medium zwischen etwa fünf und 40 Prozent; die Öffentlich-Rechtlichen liegen bei den Nachrichtenformaten beim Frauenanteil in der Spitzengruppe. In anderen Bereichen wie auf Ebene der Intendanten haben sie allerdings ebenso ein gewaltiges Defizit an Frauen in Führungspositionen. Mit Karola Wille beim „MDR“ und Patricia Schlesinger beim „RBB“ sind aktuell lediglich zwei Frauen an der Spitze eines Senders. Auf Chefredakteursebene bei Regionalzeitungen sind Frauen so gut wie gar nicht vertreten. In der PR und Unternehmenskommunikation wird von rund 70 Prozent Männern in Leitungsfunktionen ausgegangen. Von einem ausgeglichenen Verhältnis sind Medien und Kommunikationsbranche jedenfalls weit entfernt.

Warum dieses Missverhältnis?

Einige Antworten der Diskutantinnen im Schnelldurchlauf: „Journalismus ist ein Old Buddy Business“, sagte Maren Weber. „Frauen müssten besser netzwerken“ und „man braucht ein Netzwerk im eigenen Haus“, betonte Antje Neubauer. „Frauen in Deutschland müssten Personal Branding besser lernen und sich selbstbewusster präsentieren“, erklärte Tijen Onaran. In dieselbe Richtung argumentierte Susanne Krehl: „Frauen müssten sich besser verkaufen.“

Die Analyse, dass Frauen auch selbst schuld daran seien, wenn sie seltener als Männer Karriere machen, wollte die Journalistin Maren Weber so nicht gelten lassen: „Es läuft strukturell in Unternehmen und Politik etwas falsch, wenn selbst kinderlose Frauen nur selten in Führungspositionen gelangen.“ Häufig wird argumentiert, Kinder und die damit verbundene Auszeit aufgrund von Elternzeit sowie eine Stundenreduzierung nach Wiedereinstieg seien ein Karrierehemmnis. Ein Argument, das jedenfalls für Medien offenbar nicht ausreicht als Erklärung.

Die Lösung des Problems?

Hier waren die Ansätze der Teilnehmerinnen der Diskussionsrunde etwas dünn: Frauen müssten besser netzwerken, war die Hauptbotschaft.

Frauen sollten doch die digitalen Kanäle besser nutzen, um sich selbst zu präsentieren, meinte Tijen Onaran – und „sich Fürsprecher im Unternehmen suchen“. Antje Neubauer: „Wir brauchen die Quote, um Druck zu schaffen.“

Zur Erinnerung: Seit dem 1. Mai 2015 gibt es das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen (FüPoG). Dieses besagt, dass Aufsichtsratsposten in börsennotieren und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen zu 30 Prozent (Quote) weibliche Aufsichtsräte haben müssen. Auch müssen sich Unternehmen ab einer bestimmten Beschäftigtenzahl – circa 2.000 Mitarbeiter – eigene Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsrat, Vorstand und oberes Management geben.

Pro Quote Medien reicht 30 Prozent für Verlage und Medienunternehmen nicht aus und macht sich für 50 Prozent Frauen in journalistischen Führungspositionen stark.

Was noch so gesagt wurde

Mehrmals stieß Antje Neubauer auf Widerspruch bei den anderen Teilnehmerinnen der Runde. Ihre Ausführung „Karriere hat einen Preis – egal ob für Frauen und Männer“ wurde noch halbwegs geteilt. Bei Führungskräfte seien die „Extrameile gegangen“ und hätten irgendwann mal „Scheiße gefressen“, wurde die Luft schon dünner. Auf Unverständnis stieß sie mit ihrer Meinung, auf chauvinistische und sexistische Bemerkungen durch männliche Kollegen sollten Frauen mit einem „Gegenspruch“ antworten und Frauen müssten doch mit der Sprache der Männer umgehen lernen, so lange sie in Top-Positionen nicht in der Mehrheit seien. „Locker Room Talk“ als Corporate Language?

Wenig zukunftsgerichtet wirkte über den ganzen Abend das mehrfache Aufzeigen vermeintlicher Stärken und Schwächen beider Geschlechter. Beispiel: Frauen seien empathischer und sozial kompetenter. Männer würden Karrierechancen besser nutzen und hätten weniger Skrupel, wenn es darum gehe, sich nach Oben zu kämpfen.

Ein nach vorne schauendes Gesellschaftsmodell müsste sich von derartigen Stereotypen verabschieden und anerkennen, dass Frauen und Männer für alle Berufe, in denen nicht die körperliche Leistungsfähigkeit entscheidend ist, gleich gut geeignet sind.


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