Lufthansa und BMW sind nach Ansicht von Wirtschaftsjournalisten Spitzenreiter der Dax-Gesellschaften bei der Professionalität der Pressearbeit. Dies ist der jährlichen Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts Dr. Doeblin unter Wirtschaftsjournalisten zu entnehmen. Wenig erfreulich: Diverse Dax-Konzerne pflegen weiterhin bekannte Unarten von Pressestellen, allen voran die fehlende Bereitschaft, sich zügig um die Anliegen von Journalisten zu kümmern. 

Das Institut bittet Wirtschaftsjournalisten aller Mediengattungen, die Pressearbeit der 30 Dax-Gesellschaften nach fünf Indikatoren einzustufen: Professionalität der Pressearbeit, Kompetenz der Gesprächspartner, Nützlichkeit des Internet-Angebotes, Seriosität der inhaltlichen Angebote und Proaktive Pressearbeit.

Die BMW-Pressearbeit wird gelobt für „gute Erreichbarkeit, sorgfältige Antworten und schnelle Vermittlung von Experten“. Dem Unternehmen wird zudem ein „cleveres Handling im Dieselskandal“ bestätigt. Für die Lufthansa-Pressearbeit sprechen „die Erreichbarkeit 24/24, die schnellen Rückmeldungen und die guten Zitate“. Die „gute PR-Steuerung in einer sich dramatisch wandelnden Branche“ wird gelobt, ebenso wie die „unglaublich schnelle Reaktion auf Twitter“ sowie die insgesamt „aufwändige Internetpräsenz“.

An der Krise wachsen? VW und Deutsche Bank verbessern Kommunikation

Nach den beiden Spitzenreitern können sich beim wichtigsten Indikator „Professionalität der Pressearbeit“ adidas – mit klarer Verbesserung gegenüber 2017 –, Daimler, Siemens und SAP positionieren. Auffallend ist, dass mit VW und der Deutschen Bank zwei Unternehmen, die im öffentlichen Auftritt über Jahre mit Krisensymptomen kämpfen, in der Bewertung ihrer Kommunikation zunehmend besser eingestuft werden: VW nach Rang 14 in 2016 über Rang 10 in 2017 auf Rang 8 in 2018; die Deutsche Bank nach Rang 20 in 2016 über Rang 17 in 2017 auf Rang 13 in 2018.

Nachholbedarf bei proaktiver Pressearbeit

Im Quervergleich aller Indikatoren fällt auf, dass die Dax-Gesellschaften von Ausnahmen abgesehen keine guten Noten für „Proaktive Pressearbeit“ erhalten. Studienleiter Jürgen Doeblin: „In Zeiten verschärften Wettbewerbs in der Medienlandschaft sind Journalisten für die vorbereitende Einbindung in Themen sehr dankbar.“

Die Dauerbrenner: keine Antworten auf Rückfragen, Rückrufe Fehlanzeige

Auch in anderen Feldern bietet sich noch Aufholpotential für die Qualität der Pressearbeit. Das Institut hatte die Teilnehmer der Umfrage auch nach Beispielen für „Ärger mit Pressestellen in den letzten sieben Tagen“ gebeten. Ganz weit vorne rangieren Klagen über fehlende Kooperation: „Rückruf wurde versprochen, aber nicht geleistet…Anfrage gleich morgens gestellt, auch nach mehrfacher Rückfrage keine Antwort, obwohl Dringlichkeit bekannt war.“

„Freundliche“ Berichterstattung wird erwartet

Übel vermerken die Journalisten offensichtliches Hinauszögern von Stellungnahmen: „Es wird auf Zeit gespielt, auch die einfachsten Fragen werden als wahnsinnig komplizierte Anfrage beurteilt, die "mindestens acht Tage Bearbeitung" in Anspruch nimmt.“ Manche Pressestellen vermitteln die Hoffnung auf positive Berichterstattung fast schon handgreiflich: „Erwartung freundlicher Berichterstattung, repressives Vorgehen gegen kritische Recherchen.“ Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung darf man die Aussage eines Journalisten schon als herausragendes Lob verbuchen: „Vermitteln zumindest den Eindruck, Journalisten keinen Bären aufbinden zu wollen oder zu sollen“.

210 Wirtschaftsjournalisten hatten an der Online-Befragung teilgenommen. Zeitraum der Befragung: 18. bis 29. Juni 2018


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