Thomas Mickeleit nimmt Stellung zur Verabschiedung der KI-Richtlinie des DRPR. (Foto: privat)

Die „Arbeitsgemeinschaft CommTech“ (AG CommTech) wird gemeinsam getragen vom Institut für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) und von Thomas Mickeleit. Die AG erarbeitet Lösungen für die digitale Kommunikation und stellt diese der interessierten Fachöffentlichkeit vor. Im Vorgriff auf den nächsten „CommTech Newsletter“, der am 6. Dezember erscheint, veröffentlicht das PR-JOURNAL einen Blogbeitrag von Thomas Mickeleit zur finalen Version der KI-Richtlinie, die im November vom Deutschen Rat für Public Relations (DRPR) verabschiedet wurde.

Von Thomas Mickeleit, Berlin

CommTech AG IMWF LogoEs ist ein ehrenwertes Anliegen des DRPR, PR-Schaffenden verbindliche Regeln für den Umgang mit KI mitzugeben. Er steht damit auch nicht allein. In vielen nationalen Regierungen, der EU und internationalen Organisationen wird darüber gebrütet oder bereits konkret geregelt, wie Künstliche Intelligenz an die Leine gelegt werden soll. Unterschieden wird dabei zwischen Verpflichtungen, die dem Plattformanbieter (wie z.B. OpenAI) obliegen, und Regeln, die die Anwender – also uns -betreffen. Der DRPR tut also, was in seiner Möglichkeit liegt, und sagt uns verkürzt, dass was sonst gilt, gilt auch im Umgang mit Künstlicher Intelligenz: Sei transparent und wahrhaftig.

Die Transparenz wird durch ein Kennzeichnungsgebot hergestellt, soweit der von KI erstellte Inhalt ungeprüft veröffentlicht wird. Damit ist der Unsinn vom Tisch, jeden mit Hilfe von KI erstellten Inhalt zu kennzeichnen. Diese Forderung wird gelegentlich erhoben und weist in die falsche Richtung. Mit gleichem Recht könnte verlangt werden, jede Nutzung von Quellen und Hilfsmitteln kennzeichnungspflichtig zu machen, etwa so: „Dieser Beitrag wurde mit Hilfe von Wikipedia und Microsoft Word Autokorrektur erstellt.“ Offensichtlich absurd. Deshalb ist es gut, dass der DRPR an dieser Stelle Klarheit schafft.

Der Wahrhaftigkeit ist geschuldet, keine KI basierte Fake-News zu verbreiten und auch keine Relevanz, etwa durch den Einsatz von Bots, vorzutäuschen. So weit so gut.

Dem DRPR ist natürlich bewusst, dass der Anwender nicht das leisten kann, wozu auch die Plattformbetreiber nicht verpflichtet oder vielleicht auch gar nicht in der Lage sind. Künstliche Intelligenz werkelt in einer Black-Box. Auch Entwickler können nicht nachvollziehen, wie KI zu einem bestimmten Ergebnis kommt, welche Quellen sie dabei benutzt und wie diese verarbeitet werden. Der DRPR beruft sich auf ein Stoßgebet des Deutschen Ethikrats, in dem er kundtut, dass Plattformbetreiber die für die Einhaltung ethischer Standards Verantwortung übernehmen müssen sowie die Funktionsweise und Datenbasis transparent erklären sollen. Auf dieser Basis hätten Kommunikationsverantwortliche die „menschliche Letztentscheidung“. Vertrackt ist nur, dass es sich dabei eben nur um einen Wunschzettel des Ethikrats handelt, die eben keineswegs die Realität abbildet. Wir können also aus Anwenderperspektive 100 Prozent transparent und wahrhaftig handeln und verhalten uns ggf. doch unethisch oder rechtswidrig. Das Dilemma besteht und es ist fraglich, ob es je gelöst wird.

Ist das ein Appell, auf den Einsatz von KI in der Kommunikation zu verzichten? Ein klares Nein. Die KI ist da und geht auch nicht mehr weg. Sie zu ignorieren wäre der falsche Ausweg aus dem Dilemma. Der DRPR hat weise festgehalten, die Richtlinie in Ansehung der Dynamik im Bereich der KI-Anwendungen und der Regulierungsdebatten fortzuschreiben. Das wird nötig sein, schon, um einen Flickenteppich von unterschiedlichsten Regelungen in Ländern und Anwendungsbereichen zu vermeiden. Bis dahin halten wir uns an die guten Grundsätze von Transparenz und Wahrhaftigkeit und wenn das alle tun, ist die Welt schon ein Stück besser geworden.

Die Richtlinie des DRPR kann hier heruntergeladen werden.

Der Beitrag von Thomas Mickeleit sowie weitere Artikel zu den Themen KI und Daten in der PR erscheinen am 6. Dezember im neuen „CommTech Newsletter“. Der Newsletter richtet sich an die inzwischen mehr als 400 Mitglieder der AG CommTech und alle an der Digitalisierung von Kommunikation interessierten Personen. Weitere Informationen über die AG CommTech, deren Medienpartner das „PR-Journal“ ist, sowie ein Bestellformular für den Newsletter finden sich hier auf der Website der AG CommTech.


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