Kommunikation als Lebenskunst Poerksen CoverKommunikationspsychologie – kein anderer deutscher Gelehrter steht mit seinem Namen so für diese Disziplin wie Friedemann Schulz von Thun. Im Gespräch mit Bernhard Pörksen zieht er die Summe seines wissenschaftlichen Lebenswerks. Ein faszinierendes Buch, weil der Meister selbst noch einmal seine Grundaxiome knapp und verständlich erklärt. Ein faszinierendes Buch aber auch, weil der Medienwissenschaftler Pörksen ebenfalls ein interdisziplinärer Könner ist.

Bedarf es wirklich noch eines weiteren Buches über die Grundlagen der Kommunikationspsychologie von Friedemann Schulz von Thun? Seine Trilogie "Miteinander reden" ist ein Weltbestseller, der noch dazu im preisgünstigen Taschenbuchformat in jeder guten Buchhandlung ständig griffbereit ist. Seit langen Jahren werden die meisten Schüler-Kohorten über seine Grundmodelle unterrichtet. Das geht an den Hochschulen weiter. Trifft man auf spätere Semester und will dort noch einmal eines seiner Axiome im Grundsatz vorstellen, winken die Studierenden dankend ab, kennt man doch schon.

Und jetzt noch ein Interview-Buch über sein Werk? Der Hamburger Gelehrte war offenbar selbst skeptisch, als sein Tübinger Kollege Bernhard Pörksen das Projekt anfragte. Hatte er nicht alles schon sehr verständlich dargelegt und nicht zuletzt in einer Form des Selbst-Interviews unterlegt und in anderen späteren Veröffentlichungen erklärt (Miteinander reden, Bd. 3)?

Diese Grundskepsis teilte der Rezensent durchaus, als er das Buch erstmals in die Hand nahm. Schließlich lag die Lektüre des Arbeitsbuches Friedemann Schulz von Thun et. al., Miteinander reden. Kommunikationspsychologie für Führungskräfte ja erst kurz zurück. Alle Skepsis verflog im Nu!

Was macht die Faszination dieses Buches aus? Natürlich die Kunst des Meisters selbst, der es hier schafft, seine Grundaxiome sehr knapp aber verständlich zu erklären und mit eindrucksvollen, kompakten Fallbeispielen lebendig zu machen. So wird die Lektüre zu einer wirksamen, unterhaltsamen Erinnerung an das Kommunikationsquadrat, die Verständlichkeits-Regeln, an den „Teufelskreis“, an Schulz von Thuns ganz eigenes Konzept von Authentizität, das "innere Team", das Werte- und Entwicklungsquadrat.

Das ist der eine Erfolgsfaktor. Der zweite Erfolgsfaktor ist der Interviewer. Professor Dr. Bernhard Pörksen ist ja kein Journalist, sondern selbst ein hoch Gelehrter, prominenter Medienwissenschaftler an der Tübinger Universität, hoch dekorierter akademischer Lehrer ("Professor des Jahres" 2008). Pörksens Fragen merkt man nicht nur die tiefe Kenntnis des Werks von Schulz von Thun an, sondern auch das Studieren von dessen Wurzeln, Quellen und interdisziplinären Bezügen.

Pörksen ist ebenfalls ein interdisziplinärer Könner. Er konfrontiert den Hamburger Psychologen nicht nur mit dem Werk dessen akademischer Lehrer und Vorbilder (Reinhard Tausch, Carl Rogers, Ruth Cohn). Darüber hinaus wirft er Fragen von philosophischen, pädagogischen, soziologischen und psychologischen Klassikern ins Gespräch. Im Dialog der beiden Wissenschaftler werden die Kategorien von u.a. Kant, Frankl, Hofstede, Maslow, Piaget, Popper und Watzlawick auf faszinierende Weise lebendig und greifbar. Es ist geradezu eine Kunst, wie Pörksen schwierige Gedankengänge in ebenso griffige wie heraus fordernde Fragen an seinen Gesprächspartner kleidet. Somit wird die Lektüre – trotz ihres akademischen Gehalts – niemals ermüdend. Und das wiederum liegt an der klugen, abwägenden, rückfragenden Form der Antworten.

Im ersten Hauptkapitel erarbeiten die beiden Gesprächspartner noch einmal die Grundlagen der Kommunikationspsychologie, gehen eindrucksvoll auf ihre gedankliche Entstehung und Weiterentwicklung ein. Im zweiten Kapitel werden diese Grundlagen in möglichen Anwendungen für Führungskräfte (beispielsweiswe in der Wirtschaft), für Pädagogen und in der interkulturellen Kommunikation reflektiert. Das dritte Kapitel widmet sich den letzten Dingen und Fragen. In wohltuend leisen Tönen thematisiert es die Zusammenhänge von Kommunikation, Glück, Tod und sinnhaftem Leben.

Fazit: für das Verständnis von gelingender Kommunikation sind diese 217 Seiten eine herausfordernde, spannende und sehr bereichernde Lektüre. Bereichernd für das private wie für das professionelle Leben.

Titel: Kommunikation als Lebenskunst. Philosophie und Praxis des Miteinander-Redens; Autor: Bernhard Pörksen im Gespräch mit Friedemann Schulz von Thun; Verlag: Carl-Auer-Verlag, Heidelberg; 2. Auflage 2016; Preis: 21,95 Euro; ISBN 978-3-8407-0173-3

Kiefer Markus Prof FOM kleinÜber den Autor der Rezension: Markus Kiefer (59, Foto) ist Professor an der FOM - Hochschule für Oekonomie und Management. Dort lehrt er BWL, mit dem Schwerpunkt der Unternehmens- und Wirtschaftskommunikation. Darüber hinaus arbeitet er in Seminaren, Vortragsveranstaltungen und Workshops für Weiterbildungs-Akademien der Wirtschaft. Er berät Unternehmen in Fragen der Kommunikationsstrategie, der PR, Mitarbeiterkommunikation, Social Media und Krisenkommunikation.

Im Recito Verlag, Essen, ist im Sommer 2018 sein neues Buch „Unternehmenskommunikation - Erfolgreiche Kommunikationskonzepte aus Wissenschaft und Praxis“ erschienen. Markus Kiefer richtet sich darin an Praktiker, die über den Tellerrand hinaus denken. Ein Buch für Kommunikatoren der Zukunft.


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