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Wie spricht unsere Branche? Das kommt, wie kann es anders sein, natürlich immer drauf an. Modern, cool, klassisch oder catchy? Deutsch, Englisch oder das berühmte Denglisch? Unser Sprach-Optimist Murtaza Akbar (Foto) ist ja auch leidenschaftlicher Hochschuldozent und kennt die unterschiedlichen Wortschätze der Generationen. Aber er wollte es dennoch ganz genau wissen und hat sich dafür mal Zeit genommen für ein intensives Gespräch mit dem Nachwuchs unserer Branche. Wir wissen nicht, was Sie alles verstehen werden, aber Sie werden garantiert den einen oder anderen Satz wiedererkennen – oder vielleicht sogar noch viel mehr. Oh, das wäre dann …, aber lesen Sie besser selbst.

Von Murtaza Akbar, Neu-Isenburg

Wir arbeiten in einer super fancy Kommunikationsbranche. Mega, oder? Ja, das hat jemand vor kurzem zu mir gesagt. Und um alle Klischees zu erfüllen, ich kann wirklich nichts dafür, es war eine junge Frau so um die 20 Jahre alt oder eher jung, die bald mit einem Kommunikationsstudiengang startet. Okay, habe ich mir gesagt, dann höre ich alter Hase mir mal genauer an, wie sie und ihre Freundin unsere Branche wirklich sehen. Ich lerne ja gerne dazu, ach was, das ist sogar richtig inspiring for me. Ich versuche, das Gespräch mal zu rekonstruieren, und wenn Sie denken, dass das übertrieben sei, dann melden Sie sich bei mir. Ich stelle Ihnen die junge Dame gerne mal vor. Die ist nämlich sehr nice.

Unser Daily Business sei schon crazy, meinte sie. Schließlich müssen wir schon mal catchy Slogans entwickeln nach einem truly difficult Brainstorming. Da kann ich nur antworten: I guess so. Immerhin erinnern mich manche Briefings für Slogans (oder sind es Claims?) oft an die berühmte eierlegende Wollmilchsau. So ein Slogan soll alle erreichen, berühren, verkaufen und dann noch nach innen für einen Teamspirit sorgen. Und natürlich richtig gut sounden. Nur das Kreieren von Werbemitteln, sorry Give-aways natürlich, ist schwieriger. Günstig sollen sie meist sein, mit Imagewirkung, großem Nutzwert, lange haltbar und am besten auf dem Schreibtisch oder sogar in der Hosentasche Platz finden. Das ist total weird, so ein Anspruch! Oh, ich schweife ab, zumal wir als Agentur das gar nicht machen. Wir sind eher die Content-Experten. Aber ist das jetzt eigentlich schon Denglisch oder eher Englisch mit deutschen Ergänzungen? Sie merken, ich bin überfordert. Schlichtweg.

Das Gespräch mit den jungen Damen war eine große Challenge für mich. Ich war auch ein wenig am Struggeln, aber da muss ich als Sprach-Optimist durch. Ich solle dafür keinen blamen, sagten beide zu mir. Sie sprechen halt nun mal so und schauen auf Netflix natürlich auch alle US-Filme und -Serien im Originalton. Das tun doch irgendwie alle, oder? Für mich ist das absolut safe. Jedenfalls behaupten das alle. Ich gebe zu, als ich die amazing Doku von Michael Jordan in Deutsch angefangen habe und das „You know?“ von ihm am Ende jedes dritten Satzes mit „Wissen Sie?“ synchronisiert wurde, das fand ich nicht so fine. Ich will aber keinen dafür blamen, wirklich nicht! Übrigens, die Doku „The last dance“ mit diesem Jahrhundert-Basketballer ist gorgeous. Love it!

Wo wir beim Sport sind. Ist ja gerade Euro 2020, obwohl wir 2021 haben. Wie finden Sie die Outfits von Jogi Löw? Stylisch oder eher nicht ganz so pretty? Letztens hat einer gemutmaßt (was für ein Wort, gibt es da nicht was Cooleres in Englisch?), dass er und sein Co-Trainer Marcus Sorg immer die gleichen Outfit-Boxen von Outfittery bekommen. Sehr guter Ansatz. Praktisch ein perfect Match für beide Trainer. Na ja. Hatte mal was, sich wie Zwillinge anzuziehen, damals mit Klinsmann am Anfang. Ich find’s inzwischen albern, fast ein No go. Wobei, ich kenne natürlich nicht das große „Why?“ von Löw dafür, dass sein Co-Trainer sich genauso kleiden muss wie er.  

Wenn Sie meine neue Kolumne bis hierher gelesen oder auch überstanden haben, dann zunächst Danke dafür und die ehrliche Frage: Wie schlimm finden Sie dieses Denglisch? Denn ich kenne keinen und keine, der oder die Denglisch nur im Ansatz gut findet. „Denglisch“ ist ja auch schon Framing von mir. Nur Gendern wird noch hitziger diskutiert. Aber anderes Thema. Auf mich können Sie sich jedenfalls verlassen. Wenn es um das Thema Sprache geht, I keep you informed, ich gebe Ihnen mit meiner Kolumne immer gerne ein wichtiges Update. Ja, seriously. Übrigens, ich bin bei Anglizismen und Denglisch (meistens, natürlich nicht immer) echt entspannt. Nur eines kann ich nicht so haben: I feel you. Da feel ich nicht so viel. Und Sie?

Über den Autor: Murtaza Akbar ist Geschäftsführer von Wortwahl – Agentur für Unternehmens- und Onlinekommunikation in Neu-Isenburg. Der gebürtige Frankfurter mit pakistanischen Wurzeln ist zudem Dozent an der Hochschule Darmstadt im Studiengang Onlinekommunikation sowie Speaker, Trainer und Coach zum Thema Sprache und (Kunden-)Kommunikation – hier geht’s zu seiner Speaker-Broschüre. Zu erreichen ist Murtaza Akbar per E-Mail beziehungsweise via TwitterInstagram und Facebook.


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