Es ist doch wirklich immer das Gleiche. Diese Floskeln kriegt man einfach nicht mehr aus dem Ohr oder gar aus dem Kopf. Vor allem die völlig unerwünschten. Und dann verwendet man sie auch noch selbst. Das passiert sogar unserem Sprach-Optimisten Murtaza Akbar (Foto). Er hat so viele Leser-Mails bekommen, das hat ihn umgehauen – und natürlich auch gefreut. Warum er sich dabei an einen blauen Elefanten erinnert fühlt? Vorsicht, das Lesen der Kolumne kann zu einem Syndrom führen. 

Von Murtaza Akbar, Neu-Isenburg

Denken Sie jetzt bloß nicht an einen blauen Elefanten. Ja, Sie kennen das. Genau diesen blauen Elefanten sehen Sie jetzt vor sich. So ist das. Ich muss zugeben, die vielen E-Mails von Ihnen mit Vorschlägen aus der Welt der Sprache gefallen mir. Ein großer Dank dafür. Und schreiben Sie mir gerne weiter. Aber. Und jetzt kommt das große Aber, das nicht Sie betrifft, sondern mich. Denn nach manchen E-Mails von Ihnen bekomme ich das Blaue-Elefant-Syndrom. Echt hart für einen Sprach-Optimisten, wie ich es gerne bin. Eine Leserin schrieb mir nämlich, dass sie das inflationäre „Keine Ahnung“ nicht mehr hören kann. Und in einer anderen Mail hieß es, dass das Wort „Genau“ doch viel zu oft verwendet wird. Wissen Sie was? Jetzt ertappe ich mich dabei, dass ich manchmal „Keine Ahnung“ sage und viel zu oft „Genau“. Krass!

Das erinnert mich an meinen Tennislehrer aus der Jugend. Sie sollten wissen, dass ich ein leidenschaftlicher Sportmensch bin. Allerdings immer nur mit Ball. Dieses Joggen, Radfahren oder Schwimmen ist gar nichts für mich. Muss an den Genen liegen. Ich schweife ab. Also, mein Tennislehrer war ein echter Crack (hat nichts mit Drogen zu tun). Er meinte, seitdem er Tennislehrer sei, spiele er seinen Gegnern eher den Ball zu als sie aus. Das Blaue-Elefant-Syndrom. Sobald Sie mir eine Ihrer schönen E-Mails mit Vorschlägen schreiben, habe ich noch mehr Wörter in meinen Kopf, auf die ich ganz pingelig achte. Aber machen Sie gerne weiter, denn die Festplatte in meinen Kopf hat noch ordentlich Platz. Ich liebe einfach das Spektrum der Wortwahl.

Selbst wenn ich dabei ein wenig Politikverdrossenheit in Ihren Mails spüre. Nach der jüngsten Kabinettsumbildung, bei der die neue EU-Chefin Frau von der Leyen ihren Posten als Bundesverteidigungsministerin an Frau Kramp-Karrenbauer (soviel Zeit zum Ausschreiben muss jetzt doch mal sein) übergeben hat, kam das wohl wieder etwas stärker heraus. Einige denken nämlich: „Das ist ja schon wohl genug erstmal jetzt“ (Füllwörter-Satz aus einer Leser-E-Mail). Und „Wer wird wieder seinen Hut in den Ring werfen?“. Eine Leserin schrieb mir diesen Wortlaut und meinte, dass heute doch gar keiner mehr Hüte trage. Wie dann überhaupt in den Ring werfen?

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird sich bestimmt auch demnächst wieder was tun im Bundeskabinett. Ist so ein Gefühl. Das schreibt man, wenn man wichtig klingen und sich dennoch nicht ganz festlegen will. Wie damals Niko Kovac, dass er „Stand jetzt“ Trainer von Eintracht Frankfurt sei, bevor er doch die Lederhosen der Bayern angezogen hat. Recht erfolgreich. Auf der anderen Seite würden die Frankfurter nun nicht so einen offensiven Fußball zelebrieren. Sie merken, der Ball hat es mir angetan. Den finde ich „voll“ gut. „Sehr“ sagt ja keiner mehr. „Vielleicht“ sind Sie auch anderer Ansicht, „teilweise“ zumindest. Danke auch an Sie für diese Vorschläge. Sagen Sie jetzt ruhig „gern geschehen“, das gefällt mir genauso gut wie einer Leserin. „Keine Ursache“ oder „nicht der Rede wert“ würden doch die eigene Leistung eher abwerten, schreibt sie.

Das bringt mich zum „Sorry“ der Engländer. In England, aktuell ja noch Mitglied (oder?) unserer geschätzten Europäischen Union, können Sie schon mal jemandem auf den Fuß treten und dann wird er sich bei Ihnen entschuldigen, mit einem betroffenen „Sorry“. Ein „gern geschehen“ würde ich mir dann dennoch lieber sparen. Nein, das würde nicht passen. Sie merken, das Glas wird gerade halbleer. Deshalb verabschiede ich mich jetzt von Ihnen ganz optimistisch. Dafür verwende ich einen Dankessatz, den eine Leserin mir schrieb und ihn voll und nicht nur teilweise zweideutig findet: Danke für Ihr Gehör! 

Über den Autor: Murtaza Akbar ist Geschäftsführer von Wortwahl – Agentur für Unternehmens- und Onlinekommunikation in Neu-Isenburg. Der gebürtige Frankfurter mit pakistanischen Wurzeln ist zudem Dozent an der Hochschule Darmstadt im Studiengang Onlinekommunikation sowie Speaker, Trainer und Coach zum Thema Sprache und (Kunden-)Kommunikation. Falls Sie Vorschläge zu Lieblingswörtern, Unwörtern, Floskeln, PR- und Social-Media-Sprech, Auffälligkeiten oder Besonderheiten der deutschen Sprache haben, schreiben Sie gerne Murtaza Akbar per E-Mail beziehungsweise via Twitter, Instagram und Facebook.


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