Silvie Rundel leitet das Kommunikations- und Veranstaltungsteam im Zeitverlag. (© Ina Mortsiefer / Die Zeit)

„Die Zeit“ steht für erfolgreichen Journalismus und gehört zu den Leitmedien im deutschsprachigen Raum. Bereits seit 1946 erscheint das Blatt. In der Rückschau stößt man auf Namen von renommierten Chefredakteurinnen und -redakteuren wie Marion Gräfin Dönhoff (1968–1972), Theo Sommer (1973 – 1992) oder aktuell Giovanni di Lorenzo. Beim Blick auf „Die Zeit“ gerät leicht in Vergessenheit, dass hinter dem Flaggschiff ein Verlag mit mehr als 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht, der Hamburger Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG. Seit 1969 gibt er „Die Zeit“ heraus – mit steigender Auflage von zuletzt über 620.000 Exemplaren. Zum Verlag gehört auch ein rund 20-köpfiges Kommunikations- und Veranstaltungsteam. An dessen Spitze steht seit 16 Jahre Silvie Rundel. Im „PR-Journal“-Podcast-Interview des Monats, das am 28. November online geht, gibt sie Einblicke in ihre Arbeit und erklärt, warum es eine spannende Aufgabe ist, für ein erfolgreiches Verlagshaus die Unternehmenskommunikation zu leiten. Nachfolgend veröffentlichen wir erste Auszüge aus dem Gespräch.

PR-Journal: Frau Rundel, seit 16 Jahren sind Sie für den Zeitverlag tätig und leiten die Unternehmenskommunikation. Zuvor waren Sie beim Springer Verlag. Führte der Wechsel nicht zu einem Kulturschock bei Ihnen?
Silvie Rundel: Der größte Unterschied war damals, dass ich von einem großen Konzern in ein mittelständisches Unternehmen gewechselt bin, was für mich viele Vorteile hatte. Als ich bei der „Zeit“ 2006 begann, waren wir hier 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es gab eigentlich nur den Standort Hamburg, und natürlich war auch die Produktpalette noch sehr begrenzt. Gleichzeitig hat mir das die Möglichkeit gegeben, ganz viel auch mitzugestalten. Und das genieße ich nach wie vor sehr. Denn wir können viele Ideen umsetzen und ihnen die Zeit geben, sich zu entwickeln. So bringen wir viele Projekte auf die Straße und müssen dabei nicht zwingend in strengen Abteilungsgrenzen denken.

PR-Journal: In der Selbstdarstellung des Verlages geht es zunächst einmal um Ihr journalistisches Flaggschiff „Die Zeit“. So weit, so gut, so nachvollziehbar. Aber es geht ja in Ihrem Verlagshaus auch um weitere Print- und Online-Produkte. Nehmen Sie uns doch mal bitte mit, was das alles umfasst.
Rundel: Wir sind in der Unternehmenskommunikation für alle Bereiche des Hauses ansprechbar und das umfasst inzwischen eine riesige Palette an Medien und Geschäftsfeldern. Jeder, der Zeit Verlagsgruppe hört, denkt natürlich zuerst an „Die Zeit“ und an „Zeit online“. Da liegt sicher auch der Fokus unserer Arbeit. Hier übernehmen wir ganz klassische Aufgaben, wie die Vorabmeldungen zur „Zeit“, Pressemitteilungen zu neuen Produkten oder Interviews mit unserem Geschäftsführer Rainer Esser. Wir beantworten Medienanfragen unterschiedlichster Art und leisten hier klassisches PR-Handwerk. Aber nicht alles läuft über unseren Tisch. So kümmert sich unser Chefredakteur Giovanni di Lorenzo mit seinem Büro um viele Anfragen selbst.

Eine Palette an Aufgaben, die ständig wächst

PR-Journal: Das ist aber sicher noch längst nicht alles, was Sie leisten müssen?
Rundel: Zur Verlagsgruppe gehört eine ganz große Magazinpalette mit „Zeit Geschichte“. „Zeit Wissen“, „Zeit Campus“, „Weltkunst“, unser Kindermagazin „Zeit Leo“, fast 30 Podcasts und und und... Wir haben in München zusätzlich noch den Spotlight Verlag, der vor ein paar Jahren zu uns gekommen ist. Es gehört unsere Zeit-Akademie mit unserem Weiterbildungsangebot und unsere Content-Marketing-Agentur Studio ZX dazu, die selbst auch Veranstaltungen umsetzt oder academics, der Stellenmarkt und Karrierebegleiter. Also es ist eine Palette, die ständig wächst. Da gilt es zuallererst, den Überblick zu behalten und zu entscheiden, was wir seitens der Unternehmenskommunikation an Unterstützung leisten können. Was sind die Geschichten, die wir erzählen möchten, und über welche Kanäle tun wir das?

PR-Journal: Und um Veranstaltungen kümmern Sie sich auch. Laut Ihrer Aufgabenbeschreibung sind Sie neben der Unternehmenskommunikation auch für die interne Kommunikation und die Veranstaltungen zuständig.
Rundel: Der Bereich umfasst insgesamt knapp 20 Kolleginnen und Kollegen, viele in Teilzeit. In der externen Kommunikation sind es tatsächlich nur zwei Kolleginnen. Das erklärt auch, warum wir auswählen müssen und immer jeden Tag neu entscheiden müssen, worauf wir uns konzentrieren und was wir tun. Die interne Kommunikation wird von einer Kollegin betreut. Und der Rest arbeitet im Veranstaltungsbereich.

Format „Zeit spricht“ fördert die Streitkultur

PR-Journal: Obwohl Sie nur eine Kollegin für die Interne Kommunikation haben, ist Ihre Arbeit auf diesem Feld preiswürdig. Bei den Inkometa-Days im September den Preis „Best of Class“ für das Format „Zeit spricht“ gewonnen. Was hat es damit auf sich und warum war es erfolgreich?
Rundel: Bei „Zeit spricht“ haben wir das erfolgreiche Format „Deutschland spricht“, das von „Zeit Online“ erfunden wurde, auf unsere Interne Kommunikation übertragen. Die Idee ist, Menschen mit möglichst unterschiedlichen Meinungen zu verschiedenen unternehmensinternen Themen in Einzelgesprächen zusammenzubringen. Und das ist uns gelungen. Viele haben mitgemacht und das hat im Haus zu hunderten Gesprächen geführt. Am Ende haben wir gemerkt, dass streiten auch etwas Gutes ist und uns trotz dieser diversen Meinungen vieles zusammenhält und wir eine gemeinsame Basis finden können. Das hat, glaube ich, viel mit uns gemacht. Bei einer Abschlussveranstaltung mit der Unternehmensleitung und der Chefredaktion haben wir über unsere Erfahrungen gesprochen und zu einzelnen Themen offen diskutiert. Das hat der Streitkultur in unserem Haus gutgetan. Preiswürdig war das Format offenkundig, weil es uns gelungen ist, Mechanismen und Formate zu finden, die einen kontroversen Meinungsaustausch fördern.

PR-Journal: Die Interne Kommunikation hat also einen deutlich höheren Stellenwert im Zeitverlag bekommen. Kann man das so sagen?
Rundel: In vielen Kommunikationsabteilungen ist die Interne Kommunikation erst in den letzten Jahren so richtig zum Leben erweckt worden, auch bei uns. Corona war dabei ein absoluter Booster. Aber da gibt es auch viel, was wir noch vor der Brust haben, was eben auch noch nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen und was wir noch verändern möchten.

Bundesweiter Vorlesetag mit 790.000 Teilnehmenden

PR-Journal: In der Unternehmenskommunikation des Zeitverlags sind die Veranstaltungen nach der Zahl der Mitarbeitenden das größte Bereich. Welche Veranstaltungen sind die wichtigsten?
Rundel: Wir kümmern uns um große B2C-Veranstaltungen wie den „Marion-Dönhoff-Preis“ oder „Die Lange Nacht der Zeit“. Das sind Formate, die wir machen, um die Themen der „Zeit“ unseren Leserinnen und Lesern näher zu bringen und auch, um mit den Leserinnen und Lesern ins Gespräch zu kommen. Dabei sticht eine Veranstaltung heraus, die jetzt am 18. November stattgefunden hat, der bundesweite Vorlesetag. Fast 790.000 Teilnehmende haben gemeinsames ein Zeichen für das Vorlesen gesetzt. Bereits zum 19. Mal haben wir, also „Die Zeit“, die Stiftung Lesen und die Deutsche Bahn Stiftung, zum größten Vorlesefestival in Deutschland eingeladen und dazu aufgerufen, Kindern vorzulesen. Aufgrund der Wichtigkeit und natürlich auch der Reichweite, die wir mit dieser Veranstaltung erzeugen, liegt sie mir ganz besonders am Herzen. Dieses Jahr haben wir außerdem noch eine neue Auszeichnung ins Leben gerufen: Den Helmut-Schmidt-Zukunftspreis, der nun jährlich für innovative Leistungen in den Bereichen Demokratie, Gesellschaft und Technologie verliehen wird.

PR-Journal: Ein weiteres Event mit großer Außenwirkung für die „Zeit“ dürfte auch der Marion-Dönhoff-Preis für internationale Versöhnung und Verständigung sein. In diesem Jahr wird er am 4. Dezember im Deutschen Schauspielhaus Hamburg an Irina Scherbakowa verliehen. Sie ist Mitgründerin der russischen Menschenrechtsorganisationen Memorial, der in diesem Jahr der Friedensnobelpreis zuerkannt worden ist. Bei Ihrer Veranstaltung wird Bundeskanzler Olaf Scholz die Laudatio für Irina Scherbakowa halten.
Rundel: Ja, darüber freuen wir uns sehr, weil dieser Preis natürlich eine große Außenwirkung für uns hat und auch inhaltlich gerade in dieser Zeit wichtiger ist denn je. Wir organisieren den Marion-Dönhoff-Preis bei uns seit vielen Jahren, und immer wieder ist es für uns eine ganz besondere Veranstaltung.

"Unsere dynamische Entwicklung hat die Kultur des Hauses geprägt"

PR-Journal: Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit in der Unternehmenskommunikation für den Zeitverlag von der Arbeit Ihrer Kolleginnen und Kollegen, die in klassischen Unternehmen arbeiten und kein solches publizistisches Flaggschiff haben wie Sie es mit der „Zeit“ haben?
Rundel: Ich denke, unsere Arbeit unterscheidet sich schon deshalb, weil wir natürlich sehr viele hervorragende Kommunikatorinnen und Kommunikatoren im Haus haben und unsere Arbeit ja insgesamt auch vom ganzen Haus gemacht wird. Alle kommunizieren, unsere Journalistinnen und Journalisten twittern und treten auf. Das ist so sicher sehr speziell. Und: Wir sind sehr schnell gewachsen, es gibt viele kleine Unternehmungen in einem großen Unternehmen. Unsere dynamische Entwicklung hat sicher auch die Kultur des Hauses geprägt.

PR-Journal: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Rundel

Soweit die Auszüge aus dem Gespräch mit Silvie Rundel an dieser Stelle. Das vollständige Podcast-Interview ist ab dem 28. November online. Einen ersten Auszug gibt es hier. Darin erfahren die Hörerinnen und Hörer weitere Details über das große Feld der Internen Kommunikation und das Miteinander zwischen der Unternehmenskommunikation und den verschiedenen Redaktionen aus dem Zeitverlag.


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