Cornelia Kunze

Cornelia Kunze über Aufstiegschancen von Frauen in Kommunikationsberufen

Die PR ist eine Frauenbranche. Etwa 70 Prozent betrage der Anteil von Frauen beim Berufseinstieg, schätzt Cornelia Kunze, ehemalige Deutschland-Chefin und Asia Vice Chair von Edelman. In Führungspositionen sind Frauen deutlich unterrepräsentiert. Lediglich fünf der 35 GPRA-Agenturen werden von weiblichen CEOs geleitet. Zwölf weitere haben weibliche Mitglieder in der Geschäftsführung oder im Vorstand. Bei Großunternehmen müssen gerne Siemens, Allianz und BASF als Musterbeispiele für Chancen von Frauen herhalten. „Irgendwo in den ersten zehn Berufsjahren verlieren wir die Frauen“, erklärt Kunze im „PR-Journal“-Interview.

Gemeinsam mit 13 an Erfahrung reichen Repräsentantinnen der Kommunikationsbranche hat Kunze die deutsche Sektion von „Global Women in PR“ (GWPR) gegründet. Das Ziel: Frauen ab fünf Jahren Berufserfahrung ein Netzwerk und Mentoring zu bieten, um die Karriere zu fördern. Seit ihrem Edelman-Ausstieg berät Cornelia Kunze unter dem Namen I-sekai selbstständig Markenkunden.

Kontakte sind gerade in der PR entscheidend

PR-Journal: Frau Kunze, in der PR mangelt es nicht an Netzwerken. Warum bedarf es eines Netzwerks speziell für Frauen?
Cornelia Kunze: Seit meiner Zeit bei Edelman hatte ich Kontakt zu ‚Global Women in PR‘. Als ich Bekannten und Kolleginnen aus PR und Kommunikation vorgeschlagen habe, ein derartiges Netzwerk auch in Deutschland aufzubauen, erhielt ich eine überwältigende Resonanz. ‚Endlich‘ lautete der Tenor.
Frauen neigen dazu, sich in ihrem Arbeitsalltag allein auf ihre beruflichen Aufgaben zu fokussieren. Sie vernachlässigen dabei leider den Aufbau eines Netzwerks. Dabei sind Kontakte gerade in der PR entscheidend. Sie können heute nicht mehr davon ausgehen, wie ich 19 Jahre in einem Unternehmen wie Edelman zu arbeiten. Jobwechsel fördern die Karriere. Und jeder muss sich auch darauf vorbereiten, mal einen Job zu verlieren. Viele Stellen in der Kommunikationsbranche werden über Beziehungen und Networking vergeben. Frauen haben da Nachholbedarf.

PR-Journal: Wie genau wollen Sie den Networking-Gedanken umsetzen? Welchen Beitrag leisten der GWPR-Vorstand und die 14 Gründungsmitglieder?
Kunze: Wir befinden uns als gemeinnütziger Verein noch in der Gründungsphase und erstellen gerade ein Programm. Jede der vierzehn Gründerinnen hat sich verpflichtet, mindestens eine eigene Veranstaltung im Jahr zu organisieren. Das werden beispielsweise Events zu digitalem Recruiting, Influencer Relations, Newsrooms oder Start-ups sein. Es geht um die Themen, die die Zukunft unseres Berufsfeldes betreffen. Eine weitere Komponente ist das Mentoring. Frauen, die in der Kommunikation Karriere gemacht haben, unterstützen diejenigen, die beruflich weiterkommen wollen. Auch da sind Netzwerk-Treffen geplant.

Karriere ist trotz Teilzeit möglich

PR-Journal: Für eine Vollmitgliedschaft in Ihrem Verein müssen Frauen mindestens zehn Jahre Berufserfahrung vorweisen; als assoziiertes Mitglied immerhin fünf Jahre. Warum schließen Sie jüngere weibliche Talente aus?
Kunze: Ich würde nicht von ausschließen sprechen. Wir können am Anfang einfach nicht alles machen und abdecken.
Bei allen Nachwuchssorgen der PR – beim Berufseinstieg sind Frauen mit einem Anteil von geschätzten 70 Prozent deutlich in der Überzahl. Wie in anderen Branchen kommen an der Spitze leider nur wenige an. Wir stellen uns die Frage: Was passiert mit den Frauen zwischen ihrem Berufseinstieg und der möglichen Übernahme von Führungspositionen? Bei Frauen mit einer Berufserfahrung von fünf bis zehn Jahren setzt vom Alter her meist die Familienplanung ein. Auch diese Frauen wollen wir mit unserer Erfahrung unterstützen und aufzeigen, wie trotz Teilzeit Karriere möglich ist.

PR-Journal: Sie waren selbst 19 Jahre für Edelman tätig – unter anderem als Deutschland-Chefin. Wie leicht ist es für Frauen in einer Agentur oder in der Unternehmenskommunikation Karriere zu machen?
Kunze: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nicht ganz so leicht, wie sie sich anhört. Frauen müssen bereit sein, einen Preis zu zahlen oder sich klar abgrenzen.
Überwiegend sind es die Mütter, die den Hauptteil der Elternzeit leisten. Das ist ein Karrierehindernis. Dann stellt sich die Frage nach Wiedereinstieg und Teilzeit. Kann jemand, der Teilzeit arbeitet, eine Führungsaufgabe übernehmen? Meiner Meinung nach geht das auch in einer 24/7-Branche wie der Kommunikation!
Kein Kunde erwartet von seinem Berater, persönlich immer erreichbar zu sein. Am Ende ist es einem Kunden egal, ob jemand verhindert ist, weil er bei einem anderen Kunden ist oder sich zuhause um ein Kind kümmert. Es fehlt an Vertrauen und Erfahrung mit dieser Art von Arbeitsmodell. Das weicht aber gerade auf. Neue Technologien und das Arbeiten in der Cloud eröffnen neue Möglichkeiten.

Unternehmen sind oft weiter als Agenturen

PR-Journal: Es fällt auf, dass mit Ketchum Pleon, Edelman.ergo, Weber Shandwick und Ogilvy PR Netzwerkagenturen von Frauen geleitet werden. Bieten angelsächsisch geprägte Netzwerke bessere Chancen als patriarchalisch anmutende inhabergeführte Agenturen?
Kunze: Bei Edelman hatten wir weltweit in Führungspositionen immer circa 40 Prozent Frauen. Das unterstützt Ihre These. Natürlich fördern Agenturgeschäftsführer ihre Mitarbeiterinnen. Anders lässt sich eine Agentur gar nicht führen, weil Frauen in der Mehrheit sind. Es geht auch darum, eine Kultur zu schaffen, die für alle passt. Plakativ gesagt: Wenn nur über Fußball geredet wird und abends Bier getrunken wird, ist das nur bedingt relevant für Frauen.
In Agenturen hat sich schon ein Wandel vollzogen, auch was das Arbeitspensum, Wiedereinstiegsmodelle nach Elternzeit oder Teilzeitregelungen angeht. Die Work-Life-Balance spielt für Männer inzwischen ja genauso eine Rolle. Großunternehmen und Konzerne sind da oft weiter. Sie bieten längst innovative und familienfreundliche Modelle mit Home-Office oder soziale Leistungen wie Kinderbetreuung an. Das ist für Frauen mit Kindern oft attraktiver als eine Agentur.

PR-Journal: Inwieweit haben Sie selbst Diskriminierung von Frauen erlebt? Dass Frauen beispielsweise Karrierechancen aufgrund ihres Geschlechts vorenthalten wurden?
Kunze: Auch wenn es in Bewerbungs- oder Beförderungsgesprächen lediglich um Leistung gehen soll, gibt es natürlich Sprüche wie ‚die hat doch gerade geheiratet und will jetzt bestimmt Kinder‘. Oder ‚ich habe bereits zehn Frauen im Team und kann nicht noch eine gebrauchen, die bald Kinder bekommt‘. Sowas ist pure Diskriminierung.

Klare Vorstellungen entwickeln

PR-Journal: Was würden Sie jüngeren Frauen raten, die in der PR und Kommunikation Karriere machen wollen?
Kunze: Frauen sollten sich genau überlegen, was sie in ihrem Leben und in ihrer Karriere erreichen wollen. Das sollten sie auch gegenüber ihrem Arbeitgeber kommunizieren. Hier geht es um beidseitige Transparenz. Frauen sollten klare Vorstellungen bezüglich Gehalt besitzen und eben auch nach Promotion fragen, wenn sie der Meinung sind, dass sie gerechtfertigt ist. Mit Schüchternheit kommt man auch in der PR nicht weiter! Es gilt, auch mal den Finger zu heben, wenn sich Chancen bieten und nicht zu warten, bis man gefragt wird.


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