Ausgewählte Social-Media-Posts teilnehmender Agenturen

Seit nunmehr einem Monat läuft die Dach-Kampagne #kommindieagentur. Zwei ihrer in Summe sechs Stationen haben die insgesamt 67 Agentursurfer nun bereits absolviert und dabei sicher reichlich Eindrücke, Erfahrungen und Kontakte gesammelt. Man sollte meinen, dass die teilnehmenden Agenturen die Aktion kommunikativ voll für sich nutzen. Mit Zielsetzung, Strategie und Storytelling. Zumindest als Fingerübung für die Surfer. Aber: Fehlanzeige.

Beachten Sie hierzu bitte den Leserbrief von Oliver Schrott vom 25. August am Ende dieser Veröffentlichung.

Nachtrag vom 30. August: Annika Schach hat auf den Leserbrief von Oliver Schrott geantwortet. Ihre Entgegnung finden Sie darunter.

Mit gutem Willen könnte man unterstellen, dass die Studierenden bereits derart ins Tages- und Projektgeschäft eingebunden sind, dass kaum Zeit bleibt für Lageberichte. Oder müssen wir härter urteilen? Verschenken die Agenturen wertvollen Content und die Chance zu Positionierung und Profilierung? Wir haben uns die gängigen Owned-Media-Kanäle der Agenturen einmal näher angesehen und neben Websites und Blogs auch Twitter, Instagram, Facebook und YouTube durchforstet.

Soviel vorweg: Unter den meist genutzten Hashtags #kommindieagentur und #agentursurfing passiert bislang schon einiges – betrachtet man die Einzelaktivitäten aber genauer, ist leider kaum Stringenz oder Strategie zu erkennen. Agentureigene Blogs und YouTube fallen nahezu unter „ferner liefen“: Weber Shandwick hat in Sachen Video-Content mit zwei Mitarbeiter-Interviews bereits die Nase vorn, andere interviewen "ihre" Surfer im eigenen Newsroom oder Blog, wie bspw. Impact, Edelman.ergo oder Profilwerkstatt. Die meisten Agenturen beschränken sich auf nur einen Social-Channel und nutzen die Inhalte kaum integriert. Warum eigentlich? Das Thema eignet sich durchaus, denn ein Post auf Instagram ließe sich problemlos und schnell auch für Facebook oder Twitter adaptieren.

Starke Launch-Kommunikation nur Strohfeuer?

Zum Start der Kampagne Mitte Mai herrschte noch reges Rauschen auf allen Kanälen (wir berichteten). Doch von den insgesamt etwa 70 Agenturen, die für die Kampagne trommelten, waren auf Twitter und Facebook je ca. 50 und auf Instagram gut 40 Agenturen ausschließlich(!) zum Launch aktiv. D.h., sie wiesen einmalig darauf hin, posteten Fotos der amüsanten Sprühkreide-Guerilla-Aktion, verlinkten auf die Website und riefen zur Bewerbung auf. Seit Arbeitsbeginn der Surfer Mitte Juli finden pro Channel jedoch nur noch ca. 20 Agenturen statt – Großteils über die Corporate-Accounts, zu einem kleineren Anteil berichten auch die Surfer selbst aus ihrem Alltag (am häufigsten geschieht dies übrigens auf Instagram, hier liegt das Verhältnis Corporate- zu Surfer-Content bei 2:1).

Inhaltlich dreht es sich hauptsächlich um die Studierenden selbst – am Arbeitsplatz, im Konfi, mit Agenturhund und gar nicht so selten auf einem Surf- oder Skateboard. Zumeist jedoch nur Momentaufnahmen ohne erklärenden Hintergrund, ohne Story. Auf Twitter wird vor allem über die Aktion berichtet – von Medien, Verbänden oder Unis. Am aktivsten zwitschert auch hier noch Weber Shandwick, die mit CEO Christiane Schulz eine fleißige Multiplikatorin haben (sicher auch im Interesse ihrer Funktion als GPRA-Präsidiumsmitglied). Bei Instagram stechen Edelman.ergo und Komm.passion hervor: Sie begleiten ihre Agentursurfer in vielen Alltagssituationen und zeichnen ein lebendiges Bild vom Agenturalltag. Auf Facebook versucht v.a. A&B One zu vermitteln, welche verschiedenen Aufgabenbereiche die Praktikanten bei ihnen durchlaufen und was sie dabei lernen. Und Surferin Nina Rheinheimer gab täglich Einblick in ihren Agenturalltag bei smartin Advertising.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Da geht noch mehr. Was zeichnet das Arbeiten in Agenturen denn nun aus? Was setzen die Agentursurfer um? Welche Vorurteile können sie widerlegen – welche bestätigen? Wollen sie auch zukünftig in Agenturen arbeiten? Vielleicht planen ja diverse Agenturen nach Ablauf der Aktion ein größeres Fazit in Video- oder Blogform. Bislang aber lässt sich scheinbar das Motto der Kampagne eins zu eins als Appell in Sachen Eigen-PR weitergeben: Macht was draus!

Leserbrief von Oliver Schrott

Sehr geehrte Frau Slomian,

Sie haben Recht: sehr viel haben die beteiligten Agenturen noch nicht aus #kommindieAgentur gemacht. Das kann man kritisch betrachten, wie Sie es getan haben. Man könnte es aber auch als positives Zeichen dafür werten, dass die beteiligten Agenturen die Durchführung der Praktika wirklich ernst nehmen und die Kampagne nicht nur als Vehikel für vorschnelle Eigen-PR benutzen.

Man könnte Ihre Frage durchaus auch an die Fachmedien – wie das „PR-Journal“ – zurückreichen: Warum haben Sie noch nichts daraus gemacht? Warum berichten Sie nicht über die Erfahrungen der ersten 67 Agentursurfer, über deren Alltag, ihre Aufgaben, die positiven und negativen Erlebnisse, die Learnings und Wünsche für die noch bevorstehenden Stationen?

Würde ein solcher Überblick, eine unabhängige Betrachtung, eine vergleichende Analyse, den Lesern nicht einen viel größerem Erkenntnisgewinn bringen als Einzeldarstellungen der beteiligten Agenturen, die - natürlich – alle positiv ausfallen werden.

Ich freue mich auf Ihre Berichterstattung.

Mit freundlichen Grüßen,

Oliver Schrott
Geschäftsführer // Managing Director
Oliver Schrott Kommunikation GmbH

Leserbrief von Annika Schach

Sehr geehrter Herr Schrott,

ich nehme Bezug auf Ihren Leserbrief an Paula Slomian. Warum freuen Sie sich nicht, dass das PR Journal eine Analyse der bisherigen flankierenden Kommunikationsaktivitäten liefert und gleichermaßen Ansätze für eine Verbesserung? Sie sagen, dass man sich freuen solle, dass die Agenturen sich auf die Umsetzung konzentrieren und nicht auf vorschnelle PR. Dann muss ich sagen, habe ich die Kampagne nicht verstanden. Ging es nicht darum, das Bild der Arbeitgebers "Agentur" authentisch und auch positiv zu kommunizieren?

Einer professionellen Agentur kann man sicherlich zutrauen, gleichzeitig Kommunikation in eigener Sache zu betreiben und eine Praktikanten/einen Praktikanten zu betreuen.

Ich sehe das PR Journal als Fachmedium zudem überhaupt nicht in der Pflicht, Sprachrohr einer Kampagne zu sein und freue mich über Beiträge, die auch mal kritisch analysieren und hinterfragen. Das kann doch auch ein Ansatz für einen Dialog und eine gewinnbringende Entwicklung sein.

Viele Grüße

Annika Schach
Professorin für Angewandte Public Relations an der Hochschule Hannover


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