Die Umbenennung war nicht mehr als ein „Antäuschtrick“. (© Citroën Kommunkation / Screenshot Website)

Citroën ist ein französischer Automobilhersteller. Anlässlich ihres 100sten Geburtstags versucht die Marke, sich einen Vitalisierungsschub zu verpassen. In Deutschland solle Citroën künftig Zitrön heißen, so die Idee einer Kampagne. Die Webseite wurde umbenannt. Einen viereinhalbminutigen Kurzfilm zur vermeintlichen Namensänderung gibt es online. Das Ganze als Werbegag zu entlarven, ist nicht schwer – die URL „zitrön.de“ ein Hinweis. Das Unternehmen hat die Scherzabsicht der Aktion inzwischen bestätigt.
Ein Blick auf die Kommentare auf Twitter und Facebook reicht: Geglaubt haben die Umbenennung offenbar viele.

Eigentlich ist der 1. April der Tag, an dem Medien und Unternehmen versuchen, mit semi-lustigen Aprilscherzen naive Gemüter reinzulegen. Der 1. April: PR und Werbung haben ihn geklont. Sie haben den „Antäuschtrick“ für sich entdeckt: Unternehmen und Agenturen streuen ein Gerücht, das theoretisch wahr sein könnte. Die Online-Gemeinde rätselt, ob das Gerücht wahr sein kann. Medien springen auf. Freuen sich über eine einfache Story. Am Ende stehen im besten Fall ein „Buzz“ – manchmal eine Imagedelle.

Was als humorvolle Aktion daherkommt, ist in Wirklichkeit der PR gewordene Enkeltrick. Der Öffentlichkeit wird etwas vorgespielt. Kampagnen wie die von Citroën basieren auf einer Unwahrheit. Sie sind Fake News. Leser und User werden in die Irre geführt. In Zeiten von massenhaft politisch instrumentalisierter Falschnachrichten kann das nicht der Weg professioneller Kommunikation sein, die glaubwürdig sein will.

Wahr oder nicht?

Die Überschriften reichweitenstarker Medien zeigen, wie bei Citroën die Wahrheit – also die Tatsache, dass es sich um einen PR-Gag handelt – verloren geht. „Warum der Autohersteller Citroën jetzt Zitrön heißt“, schreibt „welt.de“. „Aus Citroën wird Zitrön – un coup génial?“, heißt es bei „Horizont“. „Citroën benennt sich für Deutsche in Zitrön um“, lautet eine Überschrift bei „Focus Online“. Welchen anderen Schluss sollen Leser und Follower ziehen, als dass es sich um eine tatsächliche Namensänderung handelt? Dass die Aktion ein PR-Gag ist, steht bei „welt.de“ im sechsten Absatz. Bei anderen fehlt ein solcher Hinweis komplett.

Die Citroën-Kampagne ist nicht der erste Fall, in dem der „Antäuschtrick“ zum Einsatz kommt. Die norwegische Innovationsbehörde „Innovation Norway“ hat vor kurzem eine Falschnachricht verbreitet. Auf einer norwegischen Insel werde die Zeit abgeschafft, hieß es. Alles Quatsch! Es folgten Entschuldigung und Zurückrudern.

Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) rügte kürzlich das Unternehmen Mattel und die betreuende Agentur Dojo für die Verbreitung einer Falschmeldung. In einer Pressemitteilung hieß es „Scrabble heißt jetzt Buchstaben-Yolo“. Das stimmte nicht. Mit Vorsatz irreführende Informationen zu Werbezwecken zu verbreiten, verstößt gegen den Deutschen Kommunikationskodex. Deshalb die Rüge. Der Citroën-Fall wäre ebenfalls eine DRPR-Überprüfung wert.

Der Mechanismus solcher Aktionen ist stets der gleiche: mit Fake Aufmerksamkeit erhaschen. Das ist verführerisch und denkbar einfach in Zeiten von Leichtgläubigkeit und Clickbaiting. Kreativ ist es nicht. Für derartige Ideen benötigt eine Agentur auch keine Konzeptioner. Gag-Schreiber wären angebrachter: „Palim, palim.“ „Das kleine Ottilie.“ Irre komisch.


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