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Kennen Sie Ohrwürmer? Bei bekannten Songs natürlich, aber auch bei Fernseh- oder Radiospots, deren Jingle Ihnen nicht mehr aus dem Kopf geht? Das kann zu echten Risiken und Nebenwirkungen führen. Bestes Beispiel dafür ist unser Sprach-Optimist Murtaza Akbar (Foto). Denn er hat sogar eine ganze Kolumne voller Jingles geschafft. Und Sie kennen garantiert viele davon. Aber wir raten hier zur besonderen Vorsicht, denn das Lesen dieser Kolumne kann zu größeren Auswirkungen führen – nicht nur für Sie, sondern auch für Ihre Mitmenschen, denn Sie werden diese Kolumne nicht lesen können, ohne zu singen, ob Sie wollen oder nicht …

Von Murtaza Akbar, Neu-Isenburg

Also, wenn Sie „Carglass repariert, Carglass tauscht aus“ sagen können, ohne es zu singen, dann beneide ich Sie. Dann werden Sie diese Kolumne hier locker runterlesen können. Die anderen warne ich schon mal – es werden Erinnerungen wach, manche davon hatten Sie sicher komplett verdrängt und bei anderen werden Sie sagen „Ach, nee, das gab’s ja auch mal“. Los geht’s. Denn jetzt kommen nur Sätze, die ich zumindest ansingen muss (und ich kann überhaupt nicht singen – wenn es Ihnen auch so geht, meine Empfehlung: Lesen Sie diese Kolumne bitte alleine in einem geschützten Bereich, das schont Sie – und andere).

Lassen Sie uns starten mit „Waschmaschinen leben länger mit Calgon“. Was ist aus dem Handwerker geworden, dem es nicht um saubere Wäsche, sondern um möglichst wenig Kalk ging? Cooler USP, oder? Beim Persil-Mann hätte der keine Chance gehabt. Apropos, ist Ihr Pullover neu? Nein, mit Perwoll gewaschen, oder? Okay, vielleicht wäre der Calgon-Handwerker besser hierher gegangen, zum „Musterhaus Küchen Fachgeschäft – wir richten Küchen mustergültig ein“. In der Küche hätte er auch sein Dosengemüse lagern können von „Bonduelle ist das famose Zartgemüse aus der Dose“. Besser als „Seitenbacher Müsli“, oder?

Und? Wie geht’s Ihnen jetzt? Erinnerungen? Vorausgesetzt, Sie kennen die 1990er Jahre, sonst denken Sie, ey, was ist denn mit dem Sprach-Optimisten los? Das lineare Fernsehen und Radio machten das einst mit einem (mir). Wobei, Netflix ist auch nicht besser. Wenn ich jetzt die Frankfurter Vorwahl 069 sehe, muss ich sie gleich mehrfach rappen wie bei der Serie Skylines. Dabei ist der Song von Kollegah. Uff, ein Deutsch-Rapper mit nicht ganz einwandfreiem Ruf. Und dann ist er auch noch aus Offenbach und ich bin gebürtiger Frankfurter. Harte Sache. Lassen Sie uns kurz zurück in die 1990er beamen, denn „Nichts geht über Bärenmarke, Bärenmarke zum Kaffee“. 

Der riesengroße Bär hätte die Milch mal besser in die Niederlande gebracht, weil „Frau Antje bringt Käse aus Holland“. Merken Sie es, das muss gesungen werden, sonst wirkt’s nicht. Und jetzt kommt ein ganz hartes Stück. Halten Sie sich fest, ist, glaube ich, sogar aus den 1980ern: „Baader kommt, Baader kommt, Baader kommt ganz groß in Mode!“ Um was ging es da? Ich war zu jung. Aber in die Frau, die immer den Bürgersteig entlanglief und sich in der Spiegelung der Gebäudefassade angestrahlt hat, ja, in die war ich schon ein bisschen verknallt: „Ich will so bleiben, wie ich bin, Du darfst!“ Ganz im Gegensatz zu diesem Duo: „Was? Du isst Schokolade? Nein, Yogurette!“ Und dann folgte natürlich das unwiderstehliche: „Ja, die schmeckt so himmlisch joghurtleicht.“

Joghurtleicht? Steht das Wort im Duden? Da esse ich doch lieber „Philadelphiaaaa“. Übrigens bin ich ja Dozent im wunderbaren Studiengang Onlinekommunikation an der Hochschule Darmstadt. Wir sprechen und kreieren natürlich auch Slogans. Und als ich im ersten Jahr die Studierenden nach bekannten Slogans fragte, meldete sich ein junger Student und sagte: „Ei, ei, ei Verpoorten.“ Ich dachte, der will mich, sagen wir, auf den Arm nehmen. Aber nee, der meinte das ernst. Bei dem Slogan war ich ja gerade mal geboren, ist wieder in dieser Retro-Slogan oder woher kennt der junge Mann den?

Dann will ich Sie noch mit zwei Klassikern verwöhnen: „Schönes Haar ist Dir gegeben, lass es leben – mit Gard!“ Und natürlich „Müllermilch, Müllermilch, Müllermilch, die schmeckt, die weckt, was in Dir steckt“. Ich sag ja: „Nichts ist unmöglich!“ Richtig: Toyota. Aber woran ich mich nicht mehr erinnere: Was passiert eigentlich „Morgens um halbzehn in Deutschland?“. Wenn Sie das wissen, schreiben Sie mir – und ich freue mich auch über alle weiteren gesungenen Slogans-Vorschläge von Ihnen. Wäre doch gelacht, wenn das alles gewesen sein soll?

Anmerkung der Redaktion: Wenn Sie sich nun eingeladen fühlen, uns mit einem eingesungenen Ohrwurm zu beglücken, tuen Sie sich keinen Zwang an. Mit ein bisschen Glück winkt die Aufnahme in unseren nächsten Podcast Ende November. Wenn Sie nicht singen wollen, kein Problem, dann reicht auch eine einfache E-Mail ohne Sprachdatei an redaktion@pr-journal.de.

Über den Autor: Murtaza Akbar ist Geschäftsführer von Wortwahl – Agentur für Unternehmens- und Onlinekommunikation in Neu-Isenburg. Der gebürtige Frankfurter mit pakistanischen Wurzeln ist zudem Dozent an der Hochschule Darmstadt im Studiengang Onlinekommunikation sowie Speaker, Trainer und Coach zum Thema Sprache und (Kunden-)Kommunikation. Zu erreichen ist Murtaza Akbar per E-Mail beziehungsweise via TwitterInstagram und Facebook.


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