Marc von Bandemer über die Positionierung in der PR-Branche und die Erwartungen an den Nachwuchs

Von Bandemer Jakobi Genius SauerlandStrahlender Sonnenschein bei eisigen Temperaturen – so empfängt uns die Hansestadt. Wir sind eingeladen bei einer wahren Hamburger Traditionsagentur: Public Relations v. Hoyningen-Huene. Die inhabergeführte PR-Agentur ist seit über vierzig Jahren in Hamburg verankert, mit zwölf Mitarbeitern werden hier schwerpunktmäßig mittelständische Unternehmen kommunikativ beraten. Wie schafft es eine kleine inhabergeführte Agentur, den ständigen Wandel in der PR-Branche erfolgreich zu begleiten? Dieser Frage gehen Jil Jakobi und Katalin Genius (Foto: 2. und 3. v.l.) im Gespräch mit Geschäftsführer Marc von Bandemer (l.) und PR-Managerin Angela Sauerland (r.) auf den Grund.

PRSH: Sie zählen zu den ältesten inhabergeführten Agenturen Deutschlands. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Marc von Bandemer: Wir gehören bei vielen Kunden schon zum Unternehmen dazu – aber immer mit der Perspektive von außen. Kommunikation und PR sind extrem wichtig, aber es funktioniert nur, wenn man seinen Job langfristig gut macht. Genau so sind unsere Kunden- und Mitarbeiterbeziehungen. Wir liefern eine gute Beratungsqualität, arbeiten eng mit den Kunden zusammen und haben ein starkes Vertrauensverhältnis. Unsere Kunden sind mittelständische, inhabergeführte Unternehmen und Familienunternehmen, die wir teilweise seit über fünfzehn Jahren betreuen.

PRSH: Warum ist Ihre Agentur Mitglied der Gesellschaft PR-Agenturen (GPRA)?
von Bandemer: Die GPRA steht heute für Netzwerken und Knowhow-Transfer. Der Markt ist mittlerweile so groß, dass die Besten sich noch stärker positionieren müssen, um sich von der Konkurrenz zu differenzieren. Wir sind bereits seit den 1970-er Jahren Mitglied.

Von Bandemer GeniusPRSH: Hamburg ist ein wichtiger PR-Standort mit großen inhabergeführten Agenturen. Wie heben Sie sich ab?
von Bandemer (r.): Wir sehen uns nicht im Wettbewerb mit großen Agenturen. Unsere Kunden sind häufig sehr spezialisiert und in Nischen erfolgreich, und gerade im B-to-B gibt es davon so viele spannende Unternehmen und Organisationen. Die denken ganz pragmatisch, . ganz nach dem Motto: Manchmal kommt man mit einem Schnellboot schneller ans Ziel als mit einem Flugzeugträger. Genau das ist unsere Positionierung im deutschen Markt.

PRSH: Wie hat sich für Sie die PR-Arbeit in den letzten zehn Jahren verändert?
von Bandemer: Früher war mehr „Öffentlichkeitsarbeit“. Das ist ja ein Begriff, der heute kaum noch stattfindet. Damals wollte der Kunde eine Presseinformation, ein Interview oder eine Pressereise. Heute wird man mit einem Thema konfrontiert und muss sich fragen: Was gibt das her? Wie muss ich das entwickeln? Und dieses Thema wird dann viel differenzierter ausgespielt. Aber auch die Medienlandschaft hat sich verändert. Die Kommunikation läuft nicht mehr nur über Massenmedien, sondern es reicht dann auch mal ein Influencer, der eben dann nur zwanzig Leute anspricht.

PRSH: Apropos Influencer, wie unterscheidet sich die Zusammenarbeit mit den Journalisten früher und den Influencern heute?
Angela Sauerland: Den Unterschied finde ich nicht so groß. Früher hatte ich den Journalisten im Fokus. Den musste ich individuell bedienen und auf seine Wünsche und Gepflogenheiten Rücksicht nehmen. So muss ich das heute auch beim Blogger machen. Aber die PR-Arbeit ist natürlich individualisierter geworden.

PRSH: Auf Ihrer Internetseite bieten Sie „Guru-PR“ an. Das sticht als Kompetenz doch etwas heraus. Was ist darunter zu verstehen?
von Bandemer: Ich bin zufällig auf den Begriff „Guru-PR“ gestoßen und fand das cool. Die Idee dahinter ist, dass Unternehmen im B-to-B-Bereich und im Mittelstand ein großes Wissen besitzen: das Wissen in den Köpfen der Angestellten, die das Aushängeschild des Unternehmens sind. Dieses Wissen muss nach außen getragen und zur Marke gemacht werden. Die Wissensträger, also der Kunde bzw. Angestellte des Kunden, müssen quasi zum Guru in ihrem Fach (gemacht) werden.

Von Bandemer Sauerland JakobiPRSH: Gute Fachkräfte werden natürlich nicht nur in Unternehmen sondern auch bei Agenturen gesucht – wie gewinnen Sie „Young Professionals“ für sich?
von Bandemer: Die Vorteile, die wir einem Mitarbeiter bieten, machen wir auch erlebbar: Ein Job in einem sehr guten Team, schnell Verantwortung übernehmen und sehr viel lernen. So binden wir unseren Nachwuchs.

PRSH: Und was erwarten Sie vom Nachwuchs?
von Bandemer: Neugierde und Lust auf neue Themen, Menschen und Aufgaben. Und die Bereitschaft, in einer Branche zu arbeiten, die sich ständig im Umbruch befindet. Eine gewisse Mentalität und ein spezieller Charakter sind vonnöten, um den Job gut zu machen. Das alles macht mehr aus als eine bestimmte Branchenerfahrung, eine Qualifikation oder ein Studium.

PRSH: Der Agenturwelt wird nach wie vor ein negatives Arbeitgeberimage zugeschrieben. Verraten Sie uns doch einmal in einem kurzen, knackigen Statement, warum der Nachwuchs sich für eine Agentur entscheiden sollte.
von Bandemer (l.): Weil man hier durch die unterschiedlichen Themen und Aufgaben unheimlich vielseitig arbeitet. Ich habe mein Glück in der eigenen Hand und sehe zeitnah Ergebnisse.
Sauerland (M.)
: In vielen Agenturen hat man die Chance, einen tiefen Einblick in diverse Branchen zu bekommen. Das macht den Alltag sehr abwechslungsreich. Zudem bin ich in der Agentur „Mittler zwischen den Welten“, also zwischen den Interessen des Unternehmens und den Wünschen der Zielgruppen. Diese Position finde ich unheimlich spannend.

Sponsored Content: Für die Arbeit der Gesellschaft PR-Agenturen (GPRA) sind Nachwuchsförderung und die gezielte Verbesserung des Images von Kommunikationsagenturen gegenüber Studierenden wichtige Ziele. Daher stellt sich in Kooperation mit dem „PR-Journal“ auch im Jahr 2017 jeden Monat ein Agenturchef der GPRA den Fragen von Studierenden. Die Interviews werden von Studentinnen und Studenten aus dem Fachbereich der Kommunikation und Public Relations geführt. Die Redaktion stellt die Plattform für den Austausch der vier PR-Nachwuchsinitiativen Public Relations Studierende Hannover e.V. (PRSH), Leipziger Public Relations Studenten e.V. (LPRS), kommoguntia e.V. in Mainz, und campus relations e.V. in Münster und weiteren Studierenden mit der GPRA. Die genannten PR-Initiativen werden vom „PR-Journal“ gefördert. In der 15. Folge stellten Katalin Genius und Jil Jakobi, PRSH, die Fragen. Beide studieren an der Hochschule Hannover.


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