RobindroUllah klein„PR versus HR: Wer hat die Lizenz zur Personalkommunikation?“ lautete der Titel eines Forums der Leipziger Public Relations Studenten (LPRS) am 17. Mai in Leipzig. Spielt Konkurrenz hier wirklich eine Rolle? Wie können HR und PR zusammenarbeiten? Interviews mit Experten geben Klärung. Unser Gesprächspartner war Robindro Ullah (Foto), Leiter Personalmarketing und Recruiting Süd der Deutschen Bahn AG.  Ab dem 01. Juli 2013 wird Ullah die Funktion Head of Employer Branding and HR Communication bei der Voith GmbH in Heidenheim übernehmen.
Das "PR-Journal" kooperiert in diesem Fall mit dem österreichischen Karriereportal "karriere.at" (http://www.karriere.at/), dessen karriere.blog (http://www.karriere.at/blog/) zu den bekanntesten Karriereblogs im deutschsprachigen Raum zählt. Zeitgleich veröffentlichen wir Auszüge der Gespräche  – aber mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

PR-Journal: „PR versus HR“ - ist das Thema wirklich so konfliktbeladen?
Robindro Ullah: Ja, ich glaube schon. Eigentlich müssten PR und HR Hand in Hand gehen. Vorne sitzen kann aber nur einer, auch wenn man etwas zusammen macht. Ich habe vielfach kennen gelernt, dass beide Parteien vorne sitzen wollen. Zwar kann HR sehr vom Know-how des PR-Bereichs profitieren. Ich glaube aber dennoch, dass in der Personalkommunikation HR vorne sitzen sollte. Das heißt nicht, dass man sich nicht trotzdem eng mit dem PR-Bereich abstimmt.

PR-Journal: Wo würde HR in der Kommunikation in Führung gehen?

Robindro Ullah: Aus meiner Sicht wäre es das Thema „Arbeitgeberkommunikation“ nach außen. Darunter kann man ganz viele Sachen fassen, vom Employer Branding über Personalmarketing bis hin zur Rekrutierung. Das sind alles Dinge, die mit Außendarstellung zu tun haben. Es geht um Kommunikation in Richtung Bewerber. Im Moment ist es ja recht populär in den Medien, über Jobs und Karriere zu schreiben. Wenn von dieser Seite angefragt wird, dann finde ich, dass HR die Fragen beantworten sollte. Dann gibt es noch das Thema „internes Employer Branding“, die Kommunikation der Arbeitgebermarke nach innen. Auch da sehe ich das Personal in der Führungsrolle. Ein weiterer Themenbereich ist zum Beispiel die Personalentwicklung.

Welche Rolle hätte denn die PR in der Personalkommunikation?

Robindro Ullah: Ich nehme mal ein praktisches Beispiel. Man hat ein Intranet. Da sehe ich die Unternehmenskommunikation im Lead was die Struktur oder grundsätzliche Bereitstellung der Plattform angeht. Und es gab ja immer wieder so Themen wie Tarife, die an die Mitarbeiter kommuniziert werden müssen oder Positionierung des Unternehmens, eine Menge anderer Dinge, wo durchaus PR im Lead ist beziehungsweise es sich um Mischthemen handelt. Ich habe oft das Gefühl, dass man Personalkommunikation im Sinne von „Kommunikation ans Personal“ definiert. Ich sehe das eher themenspezifisch.

Von HR müssten die Impulse in der Personalkommunikation kommen, lautet Ihre Forderung. Wo steht denn da HR zurzeit?

Robindro Ullah: Da bräuchte ich noch mehr Einblicke in weitere Unternehmen, um das wirklich objektiv beurteilen zu können. Aber gefühlt ist mir Personal einfach zu wenig präsent. Ich könnte mir vorstellen, dass Personal sich durchaus die Themen stärker greifen und stärkere Impulse setzen könnte, gerade im Internal Employer Branding. Es gibt immer häufiger Themen in den Medien, die personallastig sind. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass wir als HR da irgendwie den Ton angeben. Obwohl das ja unsere Themen sind.

Was muss da passieren?

Robindro Ullah: Was da passieren muss, das weiß ich nicht so genau. Ich habe ja keine Kommunikationsausbildung. Da erhoffe ich mir sehr die Unterstützung vom PR-Bereich. Die haben Ahnung vom Geschäft. Hier könnten wir als HR sicher von der PR sehr profitieren.

Wie könnte ein gemeinschaftliches Vorgehen von HR und PR aussehen?

Robindro Ullah: Ich fange am 01. Juli bei Voith an und habe dort auch die Verantwortung für die HR-Kommunikation. Sehr bemerkenswert fand ich, dass im Auswahlprozess für diese Funktion der Leiter Unternehmenskommunikation mit am Tisch saß. Das ist schon der erste Schritt. Mein Eindruck war, dass das Unternehmen will, dass HR und Corporate Communications zusammenrücken. Wie das operativ aussehen wird, kann ich noch nicht sagen. Aber ich habe ein sehr gutes Gefühl dabei, dass wir Hand in Hand vorgehen. Der HR-Bereich ist ja sehr nah am Mitarbeiter dran, an den Themen, die den Mitarbeiter interessieren. Hier werden wir stärker in die Führung gehen und von der PR-Seite kommt dann eher fachliches Know-how.

Was könnte die PR liefern?

Robindro Ullah: Der PR-Bereich hat meiner Meinung nach grundsätzlich den Überblick über die Themen, die das Unternehmen spielt, auch politischer Natur. Diesen Überblick habe ich nicht. Wenn ich jetzt ein Thema einbringen möchte, dann wäre beispielsweise eine wichtige Info aus dem PR Bereich, wann das Timing am besten ist. Weil ich glaube, dass sie dafür ein sehr gutes Gespür haben. Weitere Dinge sind zum Beispiel Kontakte zu klassischen Medien.

Das Interview führte Helge Weinberg (http://blog.helge-weinberg.de/). Er ist Korrespondent Hamburg / Norddeutschland des PR-Journals und spezialisiert auf Personalkommunikation.


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