Nils Zeizinger, Michelle Huppertz, Isabella Grünberger, Loredana Schelper, Sarah Bungert und Hanning Kempe (v.l.n.r.)

Bieten Berufseinsteiger einen Mehrwert für eine Agentur? Und wenn ja – wie hoch kann dieser sein? Zwei Fragen, die aktuell in der PR-Branche für Aufruhr sorgen. Besonders Studierende fühlen sich stark kritisiert. Sie haben das Gefühl von Agenturen zu wenig Wertschätzung zu erhalten. Zudem sei der Berufseinstieg noch nicht ausreichend optimiert. Wie Agenturen dies wahrnehmen, dazu befragten wir FleishmanHillard-Geschäftsführer Hanning Kempe sowie die Mitarbeiter Sarah Bungert, Nils Zeizinger und Berufseinsteigerin Loredana Schelper.

Kommoguntia: Damit wir uns ein grobes Bild machen können: Wer ist FleishmanHillard?
Kempe: FleishmanHillard ist eine der weltweit größten Kommunikationsagenturen mit einem umfassenden Angebot für PR, Brand Marketing, Corporate Communications und Public Affairs. Zudem ist FleishmanHillard Teil der Diversified Agency Services, einer Sparte der Omnicom Group Inc., und mit mehr als 80 Niederlassungen in 29 Ländern sowie Partnern in 42 weiteren Ländern vertreten. In Deutschland haben wir Standorte in Frankfurt, Berlin, München und Düsseldorf.

Kommoguntia: Wie viele Mitarbeiter beschäftigt FleishmanHillard momentan?
Zeizinger (Account Supervisor im Corporate Communications Team): International 2.880, in Deutschland hingegen sind es 100. Davon sind acht Trainees.

Kommoguntia: Unter uns, wie investiert FleishmanHillard in die Entwicklung seiner Mitarbeiter?
Kempe: Für ihre Entwicklung brauchen unsere Mitarbeiter entsprechende Möglichkeiten und ausreichend Zeit. Anders geht es nicht. Neben dem Angebot am Standort bieten wir Workshops sowie Seminare im Ausland an. Diese stehen nicht nur den Trainees, sondern allen Mitarbeitern offen.

Kommoguntia: Wie sieht das Traineeship in Ihrer Agentur aus?
Zeizinger: Wir integrieren unsere Trainees vom ersten Tag an in Projekte. Ihre Aufgaben sollen sie nicht nur beschäftigen, sondern weiterbringen. Eingeschränkt sind sie hierbei nicht – von der Themenrecherche über Journalisten-Anrufe bis hin zur Event-Planung kann alles dabei sein. Mit der Zeit werden ihre Aufgaben dann anspruchsvoller. So wächst ihr Selbstvertrauen sowie ihr Können.

Kommoguntia: Was halten Sie von einer Verkürzung des Traineeships, wenn man z.B. bereits durch Praktika Erfahrung gesammelt hat?
Kempe: Wenn Berufseinsteiger zu uns kommen, haben sie viel theoretisches Wissen. Aber manche Dinge lernt man eben nicht im Studium, sondern erst, wenn man länger im Beruf steht.
Schelper: Die Verantwortung ist auch größer als im Praktikum. Von einem Trainee wird mehr abverlangt. Sich hierauf einzustellen braucht Zeit.
Bungert (Account Supervisor, Consumer Brands): Das Gefühl ‚Ich bin fertig mit dem Studium und will richtig durchstarten‘ kenne ich gut. Unser Trainee steht dabei nicht im Weg. Durchstarten kann man trotzdem, nur eben mit Hilfestellung.

Kommoguntia: Wie stehen Sie zu Christiane Schulz’ Aussage, dass Berufseinsteiger „nicht mehr so selbstständig arbeiten“?
Schelper: Meine Kollegen haben mir nie ein solches Gefühl gegeben. Ich würde so eine Einstellung auch nicht motivierend finden. Am Anfang seiner Karriere muss jeder von erfahrenen Menschen begleitet werden. Mit richtigen Vorbildern lernt man schneller. Der ‚Welpenschutz‘ nimmt Unsicherheit und man bekommt Mut für zukünftige Projekte.
Zeizinger: Das ist auch höchst individuell. Jeder startet von einem anderen Level. Dieses Level zu erkennen und dann passende Hilfestellung zu leisten, ist Aufgabe der Agentur. Das sollte eigentlich überall selbstverständlich sein.

Kommoguntia: Welchen Mehrwert haben Berufseinsteiger für Sie?
Kempe: Natürlich gibt es manchmal Menschen, bei denen man feststellt, dass sie nicht für die Arbeit in einer Agentur geeignet sind. Diese bieten uns dann auch keinen Mehrwert. Aber sehr oft treffen wir junge Menschen, von denen wir selbst lernen können. Wir würden sie nicht einstellen, wenn sie keinen Mehrwert hätten. Ihnen fehlen noch manche Fähigkeiten, aber genau deshalb sind sie ja Trainee und nicht sofort Berater.
Bungert: Einsteiger haben meist richtig Lust auf den Job und wollen sich weiterentwickeln. Außerdem bringen sie von außen eine ganz neue Perspektive ein und sind oft näher an der Zielgruppe. Folglich haben sie innovative Ideen, die man in Projekten gut umsetzen kann.

Kommoguntia: Auch das Einstiegsgehalt bleibt weiterhin ein umstrittenes Thema. Wie ist Ihre Position zum Gehalt von Berufseinsteigern?
Kempe: Unsere Agentur funktioniert nicht ohne die Wertschätzung unserer Trainees. Eine Form dieser Wertschätzung ist eben auch das Gehalt. Damit wird man nicht reich, das stimmt. Wir Agenturen stehen im Vergleich zu anderen Branchen in Sachen Vergütung schlechter da. Die besseren Aufstiegsmöglichkeiten bieten jedoch wir. Und gerade Berufseinsteiger sollten darauf achten, dass sie anfangs Fähigkeiten erwerben, die sie später weiterbringen. Genau da sehe ich den Vorteil bei den Agenturen.

Kommoguntia: Welche Tipps können Sie uns Studierenden zum Schluss noch zum Berufseinstieg mit auf den Weg geben?
Bungert: Überlegt euch, wo ihr am meisten lernen könnt. Keiner ist eine Maschine – jeder ist anders. Das ist ok – denn man ist gerade dann gut, wenn man so ist wie man ist. Daher solltet ihr darauf achten, euch selbst und eure Stärken zu fördern. Nur so könnt ihr die Person im Berufsleben werden, die ihr sein möchtet.
Kempe: Versucht, lockerer an die Sache ranzugehen. Ihr macht euch viel zu viele Gedanken darüber, ob ihr wirklich qualifiziert und “durchoptimiert” seid. Dabei sind konstruktives Selbstbewusstsein und Lernbereitschaft der Grundbaustein für alles Weitere.

Sponsored Content: Für die Arbeit der Gesellschaft PR-Agenturen (GPRA) sind Nachwuchsförderung und die gezielte Verbesserung des Images von Kommunikationsagenturen gegenüber Studierenden wichtige Ziele. Daher stellt sich in Kooperation mit dem „PR-Journal“ auch im Jahr 2018 jeden Monat ein Agenturchef der GPRA den Fragen von Studierenden. Die Interviews werden von Studentinnen und Studenten aus dem Fachbereich der Kommunikation und Public Relations geführt. Die Redaktion stellt die Plattform für den Austausch der PR-Nachwuchsinitiativen Public Relations Studierende Hannover e.V. (PRSH), Leipziger Public Relations Studenten e.V. (LPRS), kommoguntia e.V. in Mainz, campus relations e.V. in Münster, Public Relations Initiative Hohenheim e.V. (PRIHO), KommunikOS in Lingen und weiteren Studierenden mit der GPRA. Die genannten PR-Initiativen werden vom „PR-Journal“ gefördert.

In der 34. Folge führten Michelle Huppertz und Isabella Grünberger, beide Studentinnen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Mitglieder der studentischen PR-Initiative Kommoguntia, das Interview. Michelle Huppertz studiert im 4. Bachelorsemester Wirtschaftswissenschaften. Isabella Grünberger studiert derzeit im 5. Mastersemester Unternehmenskommunikation/PR und schreibt ihre Masterarbeit.


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