Mehr Berlin-Mitte geht nicht: die beiden Agenturgründer Frank Stauss (links) und Mathias Richel (r.). (© Paul Seitz)

Interview mit Mathias Richel und Frank Stauss über ihre neue Agentur

Frank Stauss (53) und Mathias Richel (37) haben sich stilvoll eingerichtet – in bester Lage unweit von Torstraße und Rosenthaler Platz. Altbau-Style, Hinterhaus und kreatives Umfeld mit Sushi-Restaurant vor der Haustür. Mehr Berlin-Mitte geht nicht. „Richel, Stauss“ heißt die neue Agentur, mit der die beiden Kommunikationsprofis Strategie, Konzeption und Campaigning für politische Akteure, Verbände und Unternehmen anbieten.

Richel und Stauss wollen die „besten und engagiertesten Strategen und Campaigner“ um sich scharen. Als „Boutique-Agentur“ definieren sie ihr Angebot. Inklusive der beiden Gründer beschäftigt die Agentur aktuell sechs Mitarbeiter.

Die SPD-Nähe von beiden ist bekannt. Stauss hat in den vergangenen mehr als zwei Jahrzehnten als Mitinhaber der Kommunikationsagentur Butter viele erfolgreiche und einige weniger erfolgreiche Wahlkämpfe bestritten. Der für Hannelore Kraft in Nordrhein-Westfalen endete 2017 mit einer Niederlage. Für SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz begann die große Tristesse. Den Bundestagswahlkampf für die SPD hatte Stauss abgelehnt. Mathias Richel war zuletzt Geschäftsführer bei Jung von Matt/Spree und kümmerte sich dort hauptsächlich um digitale Kommunikation. Er war Gründungsvorsitzender des D64-Zentrums für digitalen Fortschritt.

PR-Journal: Herr Stauss, Herr Richel, Ihre neue Agentur soll „Strategie-Zentrum, Think-Tank und Zukunfts-Lab für relevante Kommunikation“ sein. Ihre Webseite vermittelt eher den Eindruck, Sie würden eine politische Initiative und keine Agentur gründen. Was genau ist Richel, Stauss?
Stauss: Wir gründen jetzt kein „La République en marche“. Wir sind eine Agentur. Nur erleben wir aktuell eine Zeit, in der alles politisch ist – Unternehmens- und Verbandskommunikation genauso wie Parteienkommunikation. Fast jede Debatte geht ins Politische – Diesel genauso wie Fußball. Man kann nicht mehr ohne Haltung durch die Welt gehen. Wir sind politische Köpfe und wollen jetzt das, was wir gelernt haben, in einer Agentur zusammenbringen.
Richel: Wir haben unser Handwerkszeug und bringen als Person gewisse Reichweiten mit. Was stimmt: Wir wollen uns in den Dienst der Sache stellen. Sicherlich werden wir politische Kommunikation machen, aber auch bei Unternehmen ist man schnell bei politisch geprägten Prozessen. Denken Sie an die digitale Transformation. Klar, wir sind politisch verortet. Wir haben eine Haltung. Diese tragen wir bewusst nach außen, so dass Kunden wissen, wofür wir stehen. Das müssen sie aushalten.

PR-Journal: Sie sind beide gut vernetzt. Welche Kunden haben Sie bereits? Welche wollen Sie gewinnen?
Stauss: Um eines vorweg zu sagen: Wir haben nicht für die SPD eine Agentur gegründet. Das wäre uns deutlich zu eng. Wir haben von Butter einige Kunden, die wir aktuell noch gemeinsam betreuen. Wir starten nicht bei null. Zum Beispiel machen wir mit Butter für die SPD den Wahlkampf in Hessen. Wir arbeiten für das Bundesarbeitsministerium und für Unternehmen. Wir treten an, um Unternehmen, Verbände und weitere Akteure dahingehend zu beraten, wie sie sich in dem veränderten politischen Kommunikationsumfeld zurechtfinden.

PR-Journal: Mit welchen kommunikativen Fragestellungen wollen Sie sich auseinandersetzen?
Richel: Wir sind die klassische Boutique-Agentur mit einem festen Stamm an Mitarbeitern, der alles abdeckt – von Strategie und Projektmanagement bis zur Konzeption. Wir haben ein Netzwerk von Leuten, die wir individuell für Projekte zusammenstellen können. Ob bei einem Projekt dann eine Social-Media-Kampagne rauskommt oder – überspitzt gesagt – ein klassisches Inhouse-Mitarbeitermagazin, hängt davon ab, wie sich die Strategie umsetzen lässt und Sichtbarkeit entsteht.
Stauss: Ich sehe generell ein großes Potenzial an Kunden, die wie wir gesellschaftliche Veränderungen als Chance begreifen. Auch für Mittelständler ergeben sich Fragen, wie sie sich neu aufstellen können. Das sind für uns interessante Branchen. Ich fühle mich deutlich freier in der Beratung. Es muss nicht mehr wie bei einer Werbeagentur am Ende immer Werbung dabei herauskommen.

PR-Journal: Sichtbarkeit heißt, Inhalte und Themen in die Medien zu bringen? Sie machen auch PR?
Richel: Genau. Aber es geht mehr darum, die eigenen Kanäle zu nutzen, um Botschaften zu verbreiten. Natürlich kann uns PR sehr helfen. Indem wir beispielsweise Earned Media nutzen, um die eigenen Kanäle zu pushen. Für klassische Pressearbeit würden wir uns Partner suchen.

Strategien entwickeln und umsetzen

PR-Journal: Muss man Sie sich als Super-Berater vorstellen, die einfliegen, beraten und wenn es an die Umsetzung geht, sind Sie wieder raus?
Stauss: Wenn der Kunde es wünscht, setzen wir Projekte natürlich auch um. Wir haben Partner, die die gesamte Bandbreite abdecken können. Wir sind in der Lage, alles mit einem überschaubareren Team als bei unseren vorherigen Arbeitgebern umzusetzen.
Wenn aber ein Kunde möchte, dass wir beispielsweise für ein halbes Jahr ein reines Strategieprojekt mit ihm realisieren, dann kann es schon mal sein, dass wir nach einem halben Jahr wieder raus sind. Wir sind generell nicht der Typ, der kommt, sagt, wo es langgeht, und dann lassen wir die Kunden hilflos sitzen. Wir haben die Agentur gegründet, um Ideen zu liefern, aber auch um Prozesse anzustoßen und umzusetzen. Wenn wir mit Kunden arbeiten, sind wir mit Herzblut dabei.
Richel: Wenn man mit Kreativen und Strategen spricht, bemängeln sie häufig, dass ihnen die Sichtbarkeit fehlt. Wir wollen die Früchte unserer Arbeit sehen und erleben.
Stauss: Ich hatte mich bei Butter schon länger mit dem Gedanken getragen auszusteigen. Nur wollte ich mich sicher nicht auf den Elefantenfriedhof von ehemaligen Agenturchefs begeben, die dann noch ein bisschen beraten. Aufgrund der Zusammenarbeit mit Mathias, der deutlich jünger ist, entsteht natürlich eine neue Energie. Ich glaube nicht daran, dass es sinnvoll ist, irgendwo reinzukommen, einen Impuls zu geben und das war es dann.

PR-Journal: Sie suchen aktuell Campaigner und Konzeptioner. Wie groß soll Ihre Agentur werden?
Richel: Unser erstes Ziel ist es nicht, wieder 50 Mitarbeiter einzustellen, sondern diejenigen, die es braucht, um Strategien zu entwickeln und umzusetzen.
Stauss:
Die Idee ist schon, freier zu sein. Wir wollen das machen, bei dem wir das Gefühl haben, unsere Kunden und wir passen zusammen. Dass wir das Gleiche wollen. Sich also nicht am Anfang des Jahres überlegen zu müssen, was wir alles machen müssen, damit wir eine gewisse Zahl von Mitarbeitern bezahlen können.
Richel:
Wir sind viel zu sehr Frontschwein, als dass wir nur managen wollen. Denken, machen, rangehen und arbeiten ist mir viel lieber als die zweite Unterschrift unter einen Arbeitsvertrag zu setzen.

PR-Journal: Inwieweit werden Wahlkämpfe im Fokus stehen?
Stauss: Wir werden Wahlkämpfen wohl nicht entkommen können. Bis zum 28. Oktober steht erst einmal Hessen an. Das machen wir gemeinsam mit Butter. Wir haben aber auch ein Netzwerk an Leuten, mit denen wir bei Wahlkämpfen schon zusammengearbeitet haben. Wahlkämpfe sind eine heftige und sehr arbeitsintensive Zeit. Dafür muss man brennen.

PR-Journal: Insbesondere für Wahlkämpfe muss eine Agentur eine gewisse Größe besitzen – und pitchen.
Richel: Pitches stellen immer ein gewisses Ausfallrisiko dar. Ich sehe jetzt nicht, dass wir als Agentur uns daran groß beteiligen.
Stauss: Bei Wahlkämpfen waren wir mit Butter öfter in Screenings vertreten, nicht in klassischen Pitches. Ich habe es bei Pitches von Unternehmen immer gehasst, über Wochen und Monate mit bis zu 100.000 Euro in Vorleistung zu gehen, um dann mitgeteilt zu bekommen, dass man guter Zweiter geworden sei.

Lesen Sie den zweiten Teil dieses Interviews zu Agenda Setting, Einfluss von Beratern und schlechter Stimmung in der kommenden Woche.


Wir haben die Kommentarfunktion wegen zu vieler Spam-Kommentare abgeschaltet. Sie können uns aber trotzdem Ihre Meinung zu diesem Artikel als Leserbrief direkt zusenden. Falls Sie wünschen, dass wir Ihren Leserbrief als Kommentar dem Artikel hinzufügen, vermerken Sie dies bitte in der Mail an uns.
leserbrief@pr-journal.de


Personalien

Aline Schmitt wechselt zu Schwartz Public Relations

Die Münchner Agentur Schwartz Public Relations baut ihre Industrie-Unit aus. Seit Oktober verstärkt Dr. Aline Schmitt (42, Foto ©Schwartz Public Relations) als Beraterin das Team und wird Kunden aus den Bereichen Fabrik- und Prozessautomatisierung, Gebäudetechnik, aus der Papier- und Verpackungsindustrie sowie aus der Medizintechnik betreuen. Zuletzt beriet Schmitt bei ABOPR mittelständische Unternehmen aus den Bereichen Automatisierung und Anlagenbau, Labor- und Medizintechnik, Maschinen- und Geräteherstellung sowie Architektur und Bau.

Werbung

Etats

Erste Kampagne von Scholz & Friends für die AOK bricht mit Tabus

Zustand des Gebärmutterhalses, haarige Leberflecke, Tastuntersuchungen der Prostata – in Sachen Gesundheit gibt es noch immer so einige Tabus. Jedem fünften Menschen in Deutschland ist es peinlich, über Vorsorge zu sprechen. Nicht so in der neuen AOK-Kampagne: Ganz nach dem Motto „Deutschland, wir müssen über Gesundheit reden“, wendet sich die Kampagne genau diesem – für viele Menschen unangenehmen – Thema zu. Die Kampagne mit Schwerpunkt auf TV und Online-Bewegtbild startet ab sofort und wird neben Social Media- und Out-of-Home-Maßnahmen von einer PR-Offensive mit aktuellen Zahlen und Studien rund um das Thema Vorsorge und Prävention begleitet. 

Werbung

Agenturen

komm.passion-Dossier 15/2021: Drehbuch zum Unternehmensfilm, der mehr kann als er kostet

komm.passion beschäftigt sich in seinem aktuellen Dossier mit der Frage, warum in vielen Köpfen das Wort „Film“ noch immer mit den Schlagworten „teuer, Hochglanz und aufwendig“ verknüpft ist. Gleichzeitig werden Alternativen aufgezeigt: Die sozialen Medien haben eine neue Form von Sehgewohnheit erschaffen, die es erlaubt, durch kostengünstige, aber authentische Filme Zielgruppen nachhaltig an sich zu binden. Heutzutage gibt es so viele Formatmöglichkeiten, dass es gelingen kann, attraktive Unternehmensfilme anzubieten, die nicht gleichzeitig auch teuer sein müssen. Im Stil eines Drehbuchs geschrieben, mutet das Dossier wie ein Ausschnitt aus einem Spielfilm an. Autor des neuen Dossiers ist Lars Filthaut, Leiter der Filmunit bei komm.passion.

Unternehmen

In DAX Geschäftsberichten bleibt Gendern die Ausnahme

Piwinger Manfred quer grossWie halten es die DAX30-Unternehmen mit der Gender-Schreibweise? Finden sich Formulierungen wie „Mitarbeiter:innen“ oder „Mitarbeiter*innen“ in den Geschäftsberichten? Angesichts der hohen Reputation der DAX-Mitglieder – deren Kreis sich mittlerweile auf 40 erhöht hat – sollte man das erwarten. Mitnichten, sagt der Wuppertaler Publizist Manfred Piwinger (Foto), nachdem er die 2020er Geschäftsberichte der DAX30-Unternehmen gründlich untersucht hat. In stattlichen 24 der DAX-Geschäftsberichte wird auf die Gender-Schreibweise verzichtet. Mit einer pikanten Ausnahme: Geht es um die eigenen Vorstände, so scheint die geschlechterneutrale Differenzierung doch wichtig zu sein. Dazu Piwinger: „Selbst die 24 Gender vermeidenden Gesellschaften weichen in der Anrede ihrer Vorstandsvorsitzenden, also den Leuten mit der höchsten Autorität im Unternehmen, von ihren guten Vorsätzen ab und gendern unkoordiniert dahin.“

Werbung

Branche

Speed-Recruiting „Stell-mich-ein“ erstmals digital

Die Speed-Recruiting-Veranstaltung „Stell-mich-ein“ ist zurück. Im November findet sie nach fast eineinhalbjähriger Pause wieder statt – dieses Mal jedoch als Online-Event. Beim Speed-Recruiting „Stell-mich-ein“ können Berufseinsteigerinnen und -einsteiger sowie Young Professionals an einem Abend Personaler aus verschiedenen PR-, Werbe- und Kommunikationsagenturen kennenlernen. Bewerben können sich die jungen Talente zuvor bis zum 29. Oktober auf der Website zum Event. Veranstalter ist die School for Communication and Mangement (SCM).

Medien

Werbung

Vital Plus Media: Service Partner für PR Management

Vital Media Plus FamilienbeispielVital Plus Media, ein Spezialunternehmen für PR-Veröffentlichungen im redaktionellen Stil sowie für druck- und sendefähige Medienproduktionen, hat für Deutschlands PR-Agenturen umfassende Services im Angebot. In Ergänzung zur klassischen Pressearbeit verfügt das Bonner Unternehmen aufgrund gewachsener und ausgefeilter Logistik über effiziente Wege, in Deutschlands Presselandschaft mehr als 3.000 Titel und Sender zu erreichen. Mit Advertorials und Infomercials werden auch zielgruppengenaue Veröffentlichungen garantiert. Der nachfolgende Beitrag zeigt am Beispiel des deutschen Markts für Kinder- und Babyausstattung, wie es Agenturen und ihren Auftraggebern gelingen kann, mit PR-Botschaften durchzudringen und wirksame Reichweiten zu erzielen.

Studenten-Initiativen

Mitgliederversammlung und Vorstandswahl bei KommunikOS: „Ein Jahr neuer Möglichkeiten“

Am 11. Oktober fand – erneut in digitaler Form – die fünfte Mitgliederversammlung des Studierendenvereins KommunikOS der Hochschule Osnabrück statt. Neben einem kurzen Jahresrückblick und der Vorstellung der Finanzübersicht wählten die Mitglieder zudem den neuen Vorstand. Der neue KommunikOS-Vorstand besteht aus Sabrina Maasberg, Charlotte Herlein, Nele Gerbersmann, Lisa Steinbrück und Kristin Aufenvenne.

Social Media

Umfrage zur Social-Media-Kommunikation von B2B-Unternehmen läuft noch bis 15. August

Die Langzeitstudie des „Ersten Arbeitskreises Social Media in der B2B-Kommunikation“ wertet im elften Jahr die wesentlichen Daten zur Social-Media-Nutzung von Schlüsselbranchen und -unternehmen aus. Damit soll für B2B-Unternehmen erneut eine Planungs- und Entscheidungshilfe geschaffen werden, die als wesentliche Komponente Strategien und Budgets vorausschauend unterstützen kann. Die Umfrage ist noch bis zum 15. August geöffnet. Teilnehmerinnen und Teilnehmer benötigen rund 15 Minuten, um die Fragen zu beantworten. Unter diesem Link auf Surveymonkey geht es direkt zum Fragebogen. Nach der Auswertung sind die Studienergebnisse ab dem 11. Oktober auf der Website des Arbeitskreises abrufbar.

Das PR-Interview

Streitgespräch: Daten in der PR – unerlässlich oder überbewertet?

Für die einen sind Daten in der PR der neueste Trend. Ohne Daten könne die PR nicht professionell arbeiten und schon gar nicht im Wettbewerb gegen Marketing und Werbung bestehen. Andere halten den Datenhype für deutlich übertrieben: Analysen helfen, sind aber kein Allheilmittel und sollten nicht überbewertet werden. Es komme auch auf andere – qualitative – Erfolgsfaktoren an.  Zu der Datennutzung in der PR streiten Klaus Treichel, bis Ende 2020 Chef der ABB-Unternehmenskommunikation in Deutschland und Jörg Forthmann, Geschäftsführer des Instituts für Management und Wirtschaftsforschung (IMWF), Hamburg.

Autoren-Beiträge

Autorinnenbeitrag: Agentur, Start-up oder Konzern – was darf’s sein?

Leitfragen für Unentschlossene

Wer frisch von der Uni den Einstieg in die PR sucht, sieht sich heute einer ganzen Flut an möglichen Tätigkeitsfeldern und potenziellen Arbeitgebern gegenüber. Denn in einer Welt, in der Komplexität, Innovationsdruck und Vernetzung zunehmen, wird Kommunikation immer mehr zum Erfolgsfaktor. Gute Nachrichten für heutige Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger! Dann gilt es nur noch den „richtigen“ Job zu finden. Dabei dominieren leider nicht allzu selten Klischees die Jobsuche: ob über Agenturmenschen, Konzernkinder oder Start-up Raketen – auch wenn sich manch eines davon im Alltag bestätigt, versperren sie den Blick auf die eigentlich wichtigen Kriterien, die den Ausschlag bei der Jobwahl geben sollten. Dazu vier Leitfragen, die sich (angehende) PR-Profis in den ersten Berufsjahren stellen sollten.

Werbung

Rezensionen

Rezension: Führungsverhalten in Organisationen – Kultur der Angst hat ausgedient

Die angstfreie Organisation Buchcover Amy EdmondsonWas ist besser, geliebt oder gefürchtet zu werden? So fragte einst Machiavelli, dessen, in der Renaissance formulierten, Ansichten über den wirkungsvoll regierenden Fürsten bekanntlich auch aktuell einen Platz in der Management-Lehre und im Seminargeschäft finden. Folgt man den Forschungen von Amy Edmondson, dann wird diese Frage heute noch in vielen Unternehmen und Organisationen so beantwortet, dass eher eine Atmosphäre von Führung und Motivation durch permanenten Druck erzeugt wird. Mit der Folge verbreiteter Angst. Das hat ernste Folgen. Abweichende Meinungen werden nicht geäußert. Verbesserungsvorschläge unterbleiben. Kritik wird für sich behalten. Wie zielführend eine solche Führungskultur ist, hat Amy Edmondson untersucht. Schließlich hat sie, das sagt schon der Untertitel des rezensierten Werks, ein eigenes Konzept vorgelegt, „wie Sie psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz für mehr Entwicklung, Lernen und Innovation schaffen“.

Der Sprach-Optimist

Vor-Sondierungen? Wie Du wollen.

Wie machen sich Habeck, Laschet, Baerbock, Scholz und Co. rhetorisch? Unser Sprach-Optimist Murtaza Akbar (Foto) widmet sich dafür seinem Kerngeschäft der Wortwahl, Kommunikation und Rhetorik – und hat deshalb nicht nur die Bundestagswahl verfolgt, sondern vor allem die Vor-Sondierungen danach oder sind es doch schon Nach-Sondierungen vor den Verhandlungen. Klingt verworren. Deshalb ist es Zeit, das mal sauber zu entwirren, damit der Kanzler an den Start gehen kann. Wer das sein könnte, wer von den Politikern wie ein Lehrer spricht und warum die Kolumne mit einer Tankstelle losgeht, das erfahren Sie hier und jetzt.

Kommentare

KKongress21: Eine Branche übt sich in Selbstreflexion

Der Kommunikationskongress 2021 ist vorüber. Das zweite Coronajahr in Folge und die Endphase des Bundestagswahlkampf setzten die Rahmenthemen für ein Branchenevent, dem der Veranstalter das Motto „Aufbrechen“ gegeben hatte. So wurde auch viel über das „Aufbrechen“ von Denkstrukturen und Verhaltensmustern einerseits und „Aufbrüchen“ zu neuen Ufern andererseits gesprochen. Wie haben das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das vor Ort wahrgenommen? Klaus Treichel, Experte für Integrierte Kommunikation und Nachhaltigkeits-Kommunikation und zuletzt viele Jahre als Head of Corporate Communications bei der ABB AG tätig, schildert hier seine persönlichen Eindrücke von den Vorträgen und den Gesprächen am Rande. Für ihn offenbarte sich vielfach „ein tiefer Blick in die Seele der Kommunikationsmanager“.

Leserkommentare

Leserbrief zur Studie über Wahlkampfumfragen

Boeddicker Jonas Student WeimarDer ehemalige SPD-Vorsitzende und Außenminister Sigmar Gabriel würde Wahlumfragen am liebsten in den letzten vier Wochen vor einer Wahl verbieten. Überhaupt nichts von einem Verbot hält Professor Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Als Ergebnis seiner Studie zur Berichterstattung über Wahlumfragen fordert er eine Qualitäts-Diskussion. („PR-Journal“, 14. September 2021) Auch Jonas Böddicker (Foto), Student der Medienkultur an der Bauhaus-Universität Weimar und Mitglied der Initiative "eject - Zeitschrift für Medienkultur", fordert in seinem Leserkommentar eine kritische Debatte über Wahlumfragen.

PR-Historie

Unternehmensgeschichte: Bevölkerung erwartet Selbstkritik bei Fehlern und Krisen

Neues Forschungszentrum startet mit Tagung am 23. September

Ob NS-Vergangenheit oder Managementfehler: Mehr als zwei Drittel der Menschen in Deutschland erwarten von Traditionsunternehmen, dass sie Verantwortung für die eigene Geschichte übernehmen (69 %) – und darüber öffentlich kommunizieren (68 %). Das geht aus einer bevölkerungsrepräsentativen Studie der Hochschule Pforzheim unter 1.004 Befragten hervor. Die Untersuchung ist eines der ersten Ergebnisse des neuen Center for History and Corporate Communication, an dem die Hochschule Pforzheim und die Universität Leipzig beteiligt sind. Es vereint Grundlagenforschung zur Geschichte des Kommunikationsberufsfelds und zu Unternehmensgeschichte als Gegenstand professioneller Kommunikation.

Studien

Studie zu Deepfakes: Manipulationen als Gefahr für die Demokratie

KIT-Forscher untersuchen KI-basierte Fälschungen

Wie lässt sich prüfen, ob Informationen echt und vertrauenswürdig sind – gerade solche, die über das Internet oder die Sozialen Medien verbreitet werden? Die Möglichkeit, etwa Videos und Fotos mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) zu manipulieren, machen eindeutige Antworten immer schwieriger. Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben sich im Auftrag des Europaparlaments mit den potenziellen Gefahren der Deepfake-Technologie beschäftigt und Optionen für eine bessere Regulierung entwickelt. Gemeinsam mit Partnern aus den Niederlanden, Tschechien und Deutschland haben sie die Ergebnisse ihrer Studie vor EU-Abgeordneten offiziell vorgestellt.

Aus- und Weiterbildung

AFK feiert ein Jahr Online Academy

Czernick Susanne Direktorin AFK kleinWie gut sich Seminarinhalte auch über Online-Formate vermitteln ließen, habe sie erst selbst nicht glauben wollen, gibt AFK Direktorin Susanne Czernick (Foto) heute zu. Ende Oktober 2020 gab die Akademie Führung und Kommunikation, Bad Nauheim, die Gründung ihrer Online Academy bekannt. Jetzt feiert sie ihren ersten Geburtstag. Durch den Corona-bedingten Lockdown musste sie Alternativen zu den seit 50 Jahren bewährten Präsenztrainings finden. Heute bietet die AFK Online Academy verschiedene Schreibtrainings, Konzeptionstechnik, Grundlagen der Öffentlichkeitsarbeit oder Medientraining im virtuellen Format an. Alle Online-Trainings folgen einem speziell entwickelten Kriterienkatalog.

Jobprofile

Was macht eigentlich eine Digital-Strategin bei FleishmanHillard?

Unternehmen, die heute ohne ganzheitliche Kommunikationsstrategie oder mit einem hemdsärmeligen Digital-Ansatz an Kunden herantreten, haben erhebliche Wettbewerbsnachteile. Denn professionelle Kommunikator/-innen holen sich längst die Expertise von Digital-Strateg/-innen hinzu, um ihre Prozesse und Vorgehensweisen zu durchleuchten und zu optimieren. Auch bei FleishmanHillard in Deutschland ist das ein weiter wachsender, wichtiger Bereich.

Seminarkalender

Seminarkalender 2021

Seminare, Tagungen, Workshops und Webinare. Der „PR-Journal“-Seminarkalender 2021 gibt Ausblick auf relevante Fort- und Weiterbildungsangebote der kommenden Monate. Unsere kompakte Auflistung für Kommunikationsfachleute in Agenturen, Unternehmen und Verbänden erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit - kündigen Sie neue (auch rein digitale) Seminare jederzeit gern an bei Paula Slomian: slomian@pr-journal.de.  

Webinar: Google Ads
MW Media Workshop GmbH
20. Oktober 2021
450,00 Euro zzgl. MwSt.
Zur Anmeldung geht es unter diesem Link.

Webinar: Google Analytics
MW Media Workshop GmbH
21. Oktober 2021
450,00 Euro zzgl. MwSt.
Zur Anmeldung geht es unter diesem Link.

Webinar: Korrekturlesen und Rechtschreibung
MW Media Workshop GmbH
21. Oktober 2021
450,00 Euro zzgl. MwSt.
Zur Anmeldung geht es unter diesem Link.

Preise und Awards

Marken-Award 2021: Die Sieger stehen fest

PRJournal Markenaward 2021Zum 21. Mal haben die absatzwirtschaft und der Deutsche Marketing Verband (DMV) den Marken-Award vergeben. Die Gewinner wurden am Abend des 24. August im Rahmen eines Live-Stream-Events ausgezeichnet. Zuschauerinnen und Zuschauer konnten die Preisverleihung samt Rahmenprogramm per Live-Stream verfolgen. Durch den Abend führte als Moderator Frank Dopheide, Geschäftsführer der Purpose-Agentur Human Unlimited. Insgesamt bewarben sich 27 Unternehmen in verschiedenen Kategorien.

PR-Check-in für Start-ups

Fünf Gründe, warum Start-up-Storys in Medien kommen

Während Unternehmen eigene Kommunikations-Teams beschäftigen, fehlt es Start-ups oft an PR-basics, um zu verstehen wie Journalisten und Medien ticken. Umso weiter ist daher der Weg zum eigenen Pressebericht. In seiner Kolumne zeigt der gelernte Journalist und Kommunikator Daniel Rottinger Gründern und Gründerinnen, worauf es ankommt. Für ihn sind das Timing, die Nachrichten-Lage, der Themenwettbewerb, der Medien-Fit und die Kapazitätsfrage fünf wichtige Erfolgsfaktoren:

Tipps & Lesehinweise

Lesehinweis: Krisenexperte Roselieb kritisiert das Krisenmanagement an der Ahr

Roselieb Frank Krisennavigator kleinFrank Roselieb (Foto), geschäftsführender Direktor des Krisennavigator – Institut für Krisenforschung, ein Spin-Off der Universität Kiel, ist in der PR- und Kommunikationsbranche bekannt als Krisenexperte. Er ist Veranstalter des jährlichen Krisenkommunikationsgipfels. Roselieb hat sich nun im Nachgang zur Hochwasserkatastrophe an Ahr und Erft zu Wort gemeldet und das Krisenmanagement kritisiert. Gegenüber der „Rhein-Zeitung“ hat Roselieb gesagt: „Viele Opfer hätten verhindert werden können.“ Seiner Auffassung nach hat der Krisenstab in Ahrweiler in der Nacht der Flutkatastrophe vom 14. auf den 15. Juli offenbar viel zu spät reagiert. Als Verantwortlichen für die viel zu späte Warnung an die Bevölkerung hat Krisenexperte Roselieb Landrat Jürgen Pföhler (CDU) ausgemacht. Auch der „Spiegel“ hat das Thema aufgegriffen.

Whitepaper

Neues Whitepaper zum Thema Basiswissen Bild von picture alliance

Jede Story braucht aussagekräftige Bilder, um in der immer visueller werdenden medialen Welt wahrgenommen zu werden. Bilder vermitteln Informationen einfach und schnell. Egal ob in einer groß angelegten Kampagne, auf sozialen Medien wie Instagram, im Magazin oder auf der eigenen Homepage, Bilder sind aus der Kommunikation nicht wegzudenken. Doch was es dafür braucht, dass ein Bild die bestmögliche Wirkung entfaltet oder wann und in welchem Zusammenhang ein Bild rechtssicher eingesetzt werden kann, darüber herrscht oftmals Unsicherheit. Die dpa-Tochter picture alliance gibt in ihrem Whitepaper "Basiswissen Bild" einen Überblick über die Grundlagen der Bildnutzung.

Termine

„PR Report“-Camp: Top-Profis beraten junge Leute beim Einstieg in die PR

PR ReportCamp Logo 2021Jetzt die nötigen Informationen einholen, um die richtigen Weichen für den Karrierestart zu stellen – die Möglichkeit bietet auch in diesem Jahr wieder das „PR Report“-Camp. Zahlreiche Profis aus Unternehmen und Agenturen stehen vom 2. bis zum 5. November bereit, um junge Menschen bei ihrem Berufseinstieg in die PR beraten. Was wird von mir in der PR erwartet? Was kann ich erwarten? Das sind zwei der zentralen Fragen, die beim diesjährigen Camp beantwortet werden sollen. Nach 2020 wird das Camp auch in diesem Jahr wieder digital durchgeführt. Erwartet werden viele junge Leute, die am Ende ihres Studiums stehen, und Young Professionals, die bereits erste Berufserfahrungen haben.

STAMM Medien-News

Stamm Medien-Newsletter Oktober 2021

Der Stamm-Verlag in Essen dokumentiert seit 1947 als einziger deutscher Verlag komplett alle Medien (derzeit zirka 24.000) in Deutschland (Print / Zeitungen + Zeitschriften, Rundfunk / Radio + Fernsehen, Online (seit 2003)). Im September 2021 wurden 2.014 Medien aktualisiert, im letzten Quartal waren es insgesamt 8.415 Medien. Der monatliche „Stamm Medien-Newsletter“ informiert über aktuelle Änderungen in der deutschsprachigen Medienlandschaft (Deutschland, Österreich, Schweiz). Mit freundlicher Genehmigung folgen hier einige Meldungen:

Unternehmens-PR im Dialog

Vertrauen, Verantwortung und Gemeinschaft – die Grundfeste von WestLotto

„Lotto ist die größte Millionärsmaschine, die es in unserer Gesellschaft gibt. Alle zweieinhalb Tage wird in Deutschland jemand Lotto-Millionär; alle neun Stunden zahlen wir von WestLotto einen Betrag von Zehntausend Euro und mehr an einen Bürger in NRW aus“, berichtet Axel Weber, Pressesprecher der Westdeutsche Lotterie mit Sitz in Münster. Dabei wird WestLotto von vielen Bürgerinnen und Bürgern nicht als Glücksspiel gesehen. Doch ist das wirklich so? Was zeichnet die Lottogesellschaft als Unternehmen aus? Die Studierenden der PR-Initiative campus relations haben nachgefragt.

Kreativ-Cases

Case-Study: Hörgesundheit für alle!

Hören verbindet Menschen, lässt uns Musik und die Geräusche der Natur genießen und sorgt dafür, dass wir sicher durch unsere Umgebung navigieren. Die Relevanz und Fragilität des Hörsinns ist vielen Menschen nicht bewusst: Rund sechs Millionen Deutsche haben nach eigenen Angaben einen beeinträchtigenden Hörverlust, aber nur jeder Dritte lässt diesen audiologisch versorgen. Im Umkehrschluss nehmen fast vier Millionen Menschen gesundheitliche Risiken und Einschränkungen in Kauf. Aber wie kann man die breite Öffentlichkeit für das Thema Hörgesundheit gewinnen? Ein spannender Auftrag, den die Agentur Fink & Fuchs für den Bundesverband der Hörsysteme-Industrie (BVHI) immer stärker vorantreibt.

Agenturen im Dialog

Hill+Knowlton Strategies setzt auf Nachwuchs und Diversität

Eine Agentur, viele Talente. Ein Grundsatz, mit dem sich die internationale Netzwerkagentur Hill+Knowlton Strategies identifiziert. Gerade Frauen und junge Berufseinsteiger und Berufseinsteigerinnen sind die Talente, die bei der zukunftsorientierten Agentur im Fokus stehen. Wichtig ist Hill+Knowlton auch die internationale Arbeit, denn Talente gibt es überall auf der Welt.

Im Interview mit der studentischen Initiative kommoguntia e.V. beantworten Catherine Dächert-Tessier, CFO von Hill+Knowlton Strategies in Deutschland, Miriam Holbe, Managing Director & Head of Marketing Communications, sowie Anja Klein, Associate Director & Deputy Head of Technology die Fragen der jungen Studentinnen Pilar Zaschke und Michelle Huppertz. Besprochen werden dabei die Themen Berufseinstieg, internationale Ausrichtung als auch Diversität, insbesondere im Bereich Chancengleichheit von Männern und Frauen.

GPRA im Dialog

Straub & Straub: Zwischen PR und Journalismus

Bei der Hamburger Kommunikationsagentur Straub & Straub hat sich in letzter Zeit einiges geändert. Die Agentur konnte neue Großkunden gewinnen, die beiden Geschäftsführer Tina und Rüdiger Straub haben im Sommer 2018 Jahr geheiratet und zuletzt ist der Hamburger Hauptstandort vor erst einem Monat umgezogen. In den neuen Büroräumen haben Marie Fuhr und Laura Möller von campus relations der Agentur einen Besuch abgestattet.

Internes - aus der Redaktion

750. „PR-Journal“-Newsletter: Verlag und Redaktion sagen DANKE!

So, nun ist es geschafft: der 750. „PR-Journal“-Newsletter ist fertig und hat den Weg in Ihre Postfächer gefunden, liebe Leserinnen und Leser. Die Gefühle der Macherinnen und Macher aus Verlag und Redaktion schwanken zwischen Erleichterung, Stolz und Dankbarkeit: Erleichterung, weil es geschafft ist, Stolz, weil ein echter Meilenstein erreicht ist, und Dankbarkeit, weil wir aus Anlass unseres Jubiläums viel Anerkennung und Wertschätzung erfahren haben. Gerhard Pfeffer: „Die vielen Grüße und Glückwünsche, die uns über unseren Podcast, per Mail und eben auch in dieser Jubiläumsausgabe erreicht haben, freuen uns sehr. Im Namen des ganzen ‚PR-Journal‘-Teams sagen wir ganz herzlich Danke! Für uns ist es ein toller Moment, den wir in einer wegen der Corona-Krise für die PR-Branche schwierigen Situation dennoch genießen!“