Unternehmen Interview mit Sabine Reinstädler Employer Branding bei AstraZeneca
- Details
- von Annett Bergk, Hamburg
AstraZeneca ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, sucht viele neue Talente und versteht Employer Branding längst auch als Kulturarbeit. Im Gespräch erklärt Sabine Reinstädler, Head of PR & Communications bei AstraZeneca Deutschland, warum Kommunikation und HR bei dieser Aufgabe untrennbar zusammengehören, wie Corporate Influencer im Unternehmen arbeiten und weshalb es sich lohnt, Mitarbeitenden mehr Raum und weniger Skript zu geben.
PR-Journal: Frau Reinstädler, AstraZeneca hat gerade eine neue Employer-Branding-Kampagne gestartet. Was war der Auslöser?
Sabine Reinstädler: Wir sind in den letzten Jahren stark gewachsen – personell, strukturell und thematisch. Dieses Wachstum hat uns gezeigt, dass wir im Recruiting sichtbarer werden müssen, um die richtigen Menschen zu erreichen. Es ging also einerseits um Reichweite und Qualität in den Bewerbungen, andererseits um die Frage: Wie können wir als Arbeitgeber erlebbarer werden?
PR-Journal: Die Kampagne „Was macht hier eigentlich den Unterschied?“ ist Teil der Initiative „Wir sind #madeformore!“ Was ist diesmal anders?
Reinstädler: Wir haben uns noch stärker geöffnet. Diesmal stehen Mitarbeitende im Mittelpunkt, die laut nachdenken – ganz ohne Skript. Es ging um ehrliche Antworten, nicht um Hochglanzbotschaften. Auch die Frage, ob AstraZeneca überhaupt den Unterschied macht, war erlaubt. Das war mutig – und es hat sich ausgezahlt.
PR-Journal: Was unterscheidet AstraZeneca aus Ihrer Sicht als Arbeitgeber tatsächlich?
Reinstädler: Wir sind ein zukunftsorientiertes, wachsendes Unternehmen in einem Bereich, der gesellschaftlich relevant ist. Bis 2030 wollen wir 80 Milliarden US-Dollar Umsatz erreichen. Aber was uns wirklich auszeichnet, ist der Purpose: Wir gestalten Gesundheitsversorgung aktiv mit, wir unterstützen Patient:innen, wo es noch offenen medizinischen Bedarf gibt. Dieses Gefühl, „hier zählt etwas“, ist zentral für viele Kolleg:innen.
PR-Journal: Employer Branding wird häufig als reines Recruiting-Thema verstanden. Sie betonen dagegen die Verbindung von Kommunikation und HR. Wie funktioniert das bei Ihnen?
Reinstädler: Sehr eng. Wir arbeiten als echte Partner zusammen – Kommunikation und HR teilen sich die Verantwortung. Wir entwickeln Formate gemeinsam, denken interne und externe Wirkung immer mit. Die Kampagne ist ein gutes Beispiel: Sie zahlt auf die Arbeitgebermarke ein, hat aber gleichzeitig eine enorme interne Kommunikationswirkung.
PR-Journal: Wie hat sich das intern gezeigt?
Reinstädler: Wir haben den Film in einer Town Hall erstmals gezeigt – und es gab tosendes Feedback. Viele Kolleg:innen haben gesagt: „Das ist unser Unternehmen, das sind wir.“ Es hat Identifikation und Stolz ausgelöst. Und natürlich auch die Lust, selbst Teil dieser Sichtbarkeit zu werden.
PR-Journal: Sie arbeiten mit Mitarbeitenden, die in den Kampagnen sichtbar werden. Wie wählen Sie sie aus?
Reinstädler: Zum Teil sprechen wir Menschen direkt an, zum Teil bewerben sich Kolleg:innen auch selbst. Uns ist wichtig, dass die Stimmen echt sind – und dass die Vielfalt des Unternehmens sichtbar wird.
PR-Journal: Das klingt nach einem Corporate-Influencer-Ansatz.
Reinstädler: Ja, ganz klar. Wir haben ein Trainingsprogramm, das allen offensteht. Jede und jeder kann Corporate Influencer werden. Wir bieten Sicherheit, Leitplanken und Inspiration: Was darf ich posten? Wie kann ich Inhalte selbst gestalten? Es gibt verschiedene Stufen – vom einfachen Teilen bis hin zu eigenen Beiträgen mit persönlichem Bezug. Wir wollen niemanden zwingen, aber viele befähigen.
PR-Journal: Was haben Sie aus den letzten Jahren gelernt?
Reinstädler: Dass Employer Branding weit mehr ist als Kommunikation nach außen. Es ist Kulturarbeit. Wir sind mutiger geworden – und haben gelernt, dass Offenheit Vertrauen schafft. Wenn man Mitarbeitenden Raum gibt, entsteht Identifikation, keine Unsicherheit.
PR-Journal: Und was würden Sie anderen Unternehmen mitgeben, die gerade ihre Arbeitgebermarke neu denken?
Reinstädler: Trauen Sie sich, ungeschminkte Perspektiven zuzulassen. Employer Branding ist kein Spot, sondern ein Dialog. Und der beginnt immer im Inneren.
- Zugriffe: 923