Unternehmen Transparenz Weleda stellt NS-Geschichte erneut auf den Prüfstand

Die Weleda AG lässt ihre Unternehmensgeschichte während der NS-Zeit umfassend und unabhängig untersuchen. Den Auftrag erhielt die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte (GuG), die Ergebnisse sollen Anfang 2027 vorliegen.

Bereits 2023 hatte Weleda die GuG mit einem wissenschaftlichen Gutachten zu Teilen der Unternehmensgeschichte beauftragt. Auch externe Historiker:innen wie Prof. Dr. Peter Selg, Matthias Mochner und Susanne H. Gross haben zuletzt umfangreiche Arbeiten zur Rolle der anthroposophischen Heilmittelhersteller im Nationalsozialismus vorgelegt. Hinzu kommt das neue Werk von Anne Sudrow über ökologische Landwirtschaft und Naturheilkunde im KZ Dachau, das weitere Verbindungen offenlegt. Weleda hat laut Unternehmensangaben allen Forschenden vollständigen Zugang zu den Unternehmensarchiven gewährt.

„Wir verurteilen die Gräueltaten des Nationalsozialismus aufs Schärfste. Faschismus, Antisemitismus, Rassismus oder rechtsextremes Gedankengut haben bei uns keinen Platz. ‚Nie wieder‘ ist Ausdruck unserer Haltung“, erklärte Tina Müller, CEO der Weleda AG.

Aufarbeitung als Beitrag zur Erinnerung

Die Geschichte der NS-Zeit ist für deutsche Unternehmen kein abgeschlossenes Kapitel. Viele haben ihre Rolle erst spät oder auf Druck offengelegt. Im Falle von Weleda geht es nicht nur um historische Genauigkeit, sondern auch um Glaubwürdigkeit: Wer heute für Nachhaltigkeit, Vielfalt und Menschlichkeit steht, muss zeigen, wie diese Werte sich zur eigenen Vergangenheit verhalten.

Die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus bleibt eine zentrale Aufgabe demokratischer Gesellschaften. Ein aktuelles Dossier der Plattform Medienradar beleuchtet, wie Filme, Serien und soziale Medien unser Bild vom Holocaust prägen. Sie machen Geschichte sichtbar, emotional erfahrbar und fördern Empathie. Gleichzeitig regen sie zur Reflexion an – über die Grenzen der Darstellung, über Verantwortung und über die eigene Haltung. Heißt: Erinnerung ist nie neutral. Sie entsteht durch Erzählungen und mediale Vermittlung.

Weleda will die Ergebnisse der GuG-Studie nach Fertigstellung veröffentlichen. Damit ist die Aufarbeitung Teil einer transparenten Kommunikation und ein sichtbarer Beitrag zur Erinnerungskultur.

Seitennavigation