"Entscheidend ist die Unternehmenskultur", sagt Eugenia Mönning, Pressesprecherin HR bei Otto.

Schwerpunkt Corporate Influencer: Gut zwei Jahre ist es her, dass Otto sein Jobbotschafterprogramm ins Leben rief. 100 Mitarbeitende meldeten sich innerhalb kürzester Zeit für das freiwillige Seminarangebot an. Doch wie steht es 2020 um die Corporate-Influencer-Ausbildung, die auch in den Fachmedien für Gesprächsstoff sorgte? „PR-Journal“-Redakteurin Annett Bergk fragt Eugenia Mönning, Pressesprecherin HR bei Otto. Mönning kann sich noch sehr gut an die Zeit kurz nach Bekanntgabe des Programmes erinnern: „Wir hatten einen Nerv getroffen; wahrscheinlich stimmte auch das Wording. Und ich hatte echt verrückte Anrufe in der Leitung“, lacht sie. Durch die Aufmerksamkeit in den Medien meldeten sich unzählige Externe, die sich zu „der neuen Bibi“ oder „einem nächsten Slimani“ berufen fühlten und nun das Handwerkszeug von Otto lernen wollten.

Dabei lag der Idee zum internen (!) Jobbotschafterprogramm eigentlich nur klassische PR zugrunde: „Wir wollten die Otto-Mitarbeitenden in die Kommunikation einbeziehen und das Ganze auf strategische Überlegungen aufsetzen.“

Strukturelle Veränderungen seit 2017

Geht man heute durch die Büroräume von Otto so merkt man gleich, dass der Austausch verschiedener Abteilungen zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist. So gibt es beispielsweise den neu entstandenen Co-Working Space „Collabor8“, der für jeden frei zugänglich ist. Hier sitzen die Kolleginnen und Kollegen auf Sofas und Schaukeln, tauschen sich an den Kaffeemaschinen aus oder suchen sich eine Nische, um sich ganz ungestört und fern vom Großraumbüro auf ihre Arbeit konzentrieren zu können.

PRJournal OTTO Collabor8 Coffee Lounge

„2017 und die Ideen rund um das für alle offene Seminarangebot brachten einige strukturelle Veränderungen mit sich“, erinnert sich Mönning. „Sowohl räumlich als auch in den Arbeitsprozessen an sich sind wir offener geworden. So verstehen sich die Teammitglieder der Corporate Communications hier schon längst nicht mehr als alleinige Kommunikator*innen. Wir sind vielmehr Unterstützer*innen innerhalb des Unternehmens mit verschiedenen Themenschwerpunkten. Wir sind Medientrainer*innen, Schreib-Coaches und Berater*innen für Storytelling.“ Die Kollegen lernen von den Kollegen, d.h. besondere Skills einzelner werden in Sessions für die Weiterbildung genutzt. Auf externe Experten verzichtet man bewusst.

„Entscheidend ist die Unternehmenskultur“

Doch wenn das alles so gut funktioniert hat und noch immer funktioniert, sollte man diese Erfolgsformel dann nicht auf jedes Unternehmen anwenden? Funktioniert PR ganz selbstverständlich mithilfe von Corporate Influencern, die nur einen kleinen Schubs in die richtige Richtung brauchen? Nein. Ganz so einfach ist es dann doch nicht: „Wer Corporate Influencer strategisch einsetzen möchte, braucht die passende Unternehmenskultur“, sagt Mönning. „Das Konzept fußt auf Vertrauen und Offenheit. Auf Kollegialität und Wir-Gefühl. Wir vermitteln bei Bedarf Skills zur Unterstützung, wie diagnostische Gesprächsführung oder auch Umgang mit einzelnen Social-Media-Plattformen. Als Corporate Influencer – egal auf welcher Ebene, ob als Kontakter*in oder Impulsgeber*in – hat man keinerlei Verpflichtungen. Niemand muss. Jeder kann. Damit muss auch das Unternehmen lernen umzugehen.“

Aktuell gibt es rund 200 Corporate Influencer bei Otto. Für 2020 steht auf der Agenda, dass diese an Aktivität zulegen und auch außerhalb der Büroräume verstärkt wahrgenommen werden. Dass am Ende dann doch nur jeder könnte und niemand etwas tut, davor hat Mönning wenig Angst: „Man kann eigentlich nichts falsch machen. Die Corporate Influencer werden an einer für sie absolut sinnvollen Stelle eingesetzt und erzählen transparent, wie sie hier im Unternehmen arbeiten.“ Offene Karten also. Und das kommt an. Allein 2019 haben sich über 22.000 Personen für eine Stelle bei Otto beworben. 


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