SAP Nicht Finanzieller Report 2017 CoverIn der Finanzberichterstattung hat sich Bemerkenswertes getan. Plötzlich werden Faktoren wichtig, die bislang im Rechnungswesen vieler Unternehmen ein Schattendasein als „Intangibles“ geführt haben. Zu verdanken haben wir es einer 2017 in Kraft getretenen EU-Richtlinie, wonach größere Unternehmen künftig eine Nichtfinanzielle Erklärung (NFE) abzugeben haben. Die Berichterstattung ist verpflichtend und im Handelsgesetzbuch (HGB) verankert. Die Richtlinie thematisiert auch den Risikoaspekt. Im Bild: der Nicht-finanzielle Bericht von SAP 2017.

Worum geht es dabei? Die erwähnte und meist verkürzt so genannte CSR-Richtlinie verpflichtet Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern zur jährlichen Veröffentlichung von Informationen über ihr Geschäftsmodell, über Arbeitnehmer-, Sozial- und Umweltbelange, ihren Umgang mit Menschenrechten sowie mit Korruption und Bestechung. Wesentliche nichtfinanzielle Leistungskennzahlen kommen somit in den Augenschein nicht nur des Rechnungswesens, sondern des gesamten Managements.

Ganz taufrisch ist die Thematik nicht. Ansätze hierfür hat es auch in der Vergangenheit schon gegeben. Da waren die von demselben Grundgedanken getragenen Modelle einer Sozialbilanz in Deutschland der 70er Jahre, gefolgt später von den gut elaborierten Wissensbilanzen. Am bekanntesten geworden ist das erst in den letzten Jahren auf internationaler Ebene erarbeitete Konzept des Integrated Reportings. Es beinhaltet bereits zahlreiche Bestandteile der aktuellen CSR-Richtlinie. Seine Anwendung lag jedoch im Ermessen des jeweiligen Unternehmens. Sie konnten auswählen, worüber sie berichteten und in welchem Umfang. Mehr als alles andere stand in den letzten Jahren die Umweltberichterstattung im öffentlichen Interesse. Separate Nachhaltigkeitsberichte veröffentlicht auch aktuell noch die überwiegende Mehrheit der Unternehmen.

Gazdar Kaevan Piwinger Manfred Reporting ExpertErstmals im ersten Halbjahr 2018 ließ es sich nachverfolgen, wie große Unternehmen mit der neuen CSR-Richtlinie umgehen und welche Berichtsformate von ihnen angewendet werden. In einem qualitativ angelegten Ranking haben Kaevan Gazdar (Foto links), freier Berater und Publizist, bis Anfang 2017 Leiter Reporting der HypoVereinsbank in München, und Manfred Piwinger (r.), Experte für Finanz- und Unternehmenskommunikation sowie Mitherausgeber und Autor zahlreicher Standardwerke zu Investor Relations, die Reportingpraxis der DAX 30-Gesellschaften 2017 geprüft und bewertet.

Vieles bleibt noch offen – einheitliche Berichtsformate fehlen

Beide Autoren haben das auf der neuen Website „Reportingexpert“ dokumentiert. Zugrunde gelegt wurde, dass der Fokus auf den wesentlichen nichtfinanziellen Aspekten liegt und dass eine Risikobetrachtung stattfindet. Die Ergebnisse weisen noch auf viele Defizite bezüglich Relevanz, Kommentierung und Gewichtung hin. Sieger des Rankings ist SAP. Das Unternehmen setzt Maßstäbe hinsichtlich der Bandbreite der Themen und Kennzahlen sowie der Tiefe des Durchblicks. Auf den nächsten Plätzen folgen Henkel und Bayer.

Vor diesem hier dargestellten Hintergrund stellt sich mit Blick auf die künftige Rechnungslegung die Frage, welche Berichtsformate auf Dauer Bestand haben werden. Gegenwärtig lässt sich bei weitem noch keine einheitliche und in sich schlüssige Linie erkennen. Was daran liegt, dass Unternehmen Form und Platzierung der nichtfinanziellen Berichterstattung selbst auswählen können: ob innerhalb oder außerhalb des Lageberichts, ob im Geschäftsbericht, im Nachhaltigkeitsbericht oder in Form eines eigenen Kurzberichts. Vieles bleibt noch offen.


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