Wenn ein Unwort des PR-Jahres 2018 von den Studierenden gekürt werden müsste, wäre es wohl „Nachwuchsdebatte“. Das Thema Wertschätzung hat für heftige Diskussionen gesorgt. Die Branche hat ein Imageproblem beim Nachwuchs. Das PR-Journal hat unter den PR-Studierenden-Initiativen Deutschlands nachgefragt, was 2019 wohl mit sich bringt.

Weniger Emotion, mehr Taten.

Eines sollte das neue Jahr ganz sicher nicht bieten: lose Vorsätze. Der Public Relations Studierende Hannover e.V. (PRSH) plädiert für eine PR-Branche, die echte Veränderungsbereitschaft beweist. Wertschätzung, so der PRSH-Vorstand, zeige sich nicht nur in Reden und Debatten. Es müssen Taten folgen.

Auch der Leipziger Public Relations Studierende e.V. (LPRS) sieht in der Nachwuchsdebatte ein großes Thema, das jedoch weniger Emotion benötige. Sie fordern für 2019 Augenhöhe und mehr Transparenz durch Fakten. Kommoguntia e.V. aus Mainz stimmt zu: „Das Arbeitsfeld wird immer facettenreicher und dank technologischer Entwicklungen wie Künstlicher Intelligenz oder Automatisierung müssen eingefahrene Strukturen hinterfragt werden.“ Diese Notwendigkeit lässt hoffen, dass sich die Branche selbst auch auf den Prüfstand stellt: Sie muss, darin sind sich die PR-Initiativen einig, den Wert von gut ausgebildeten Nachwuchskräften (neu) erkennen, um für Studierende an Attraktivität zu gewinnen.

Thinking out Loud: Digitalisierung, Influencer, Arbeitswelt 4.0

Obwohl Digitalisierung oft als Buzzword belächelt wird, prägt sie die PR auch 2019: „Allround-Designer, IT-Berater und Datenanalysten dürfen auch im kommenden Jahr in keiner Kommunikationsmaßnahme mehr fehlen“, sagen die Studierenden des Public Relations Initiative Hohenheim e.V. (PRIHO). Vor diesem Hintergrund sei es für die PR wichtig, selbstbewusst aufzutreten und sich gegenüber anderen Akteuren klarer abzugrenzen – ohne sich einzuigeln.

Das Thema Influencer-Marketing wird weiterhin in der Kommunikation präsent sein. Jedoch gewinnen Micro-Influencer an Bedeutung, meint der KOMMON e.V. aus Darmstadt, weil die „Großen“ ihre Glaubwürdigkeit zunehmend verlieren und Ads eine immer größere Rolle spielen: „Individuelle Ansprachen werden je nach Buying Stage des Nutzers relevant. Auch WhatsApp Business wird in diesem Zusammenhang groß werden. Auf Facebook und Instagram ist Paid bereits Realität. Auf Pinterest wird es einen ähnlichen Verlauf geben“, sagt der KOMMON-Vorstand. Außerdem professionalisiert sich die Influencer-Branche durch stärkere ethische Reglementierung, wie der LPRS prognostiziert.

Auch Themen wie Interne Kommunikation, Gehaltsdebatte, Frauen in Führungspositionen und individuelle Arbeitsmodelle werden angesprochen. Die Studierenden fordern mehr Flexibilität: „Thinking out Loud statt scheuklappenartiges Büro- und Abteilungsdenken, Home- und Remoteoffice anstelle von 9-to-5 Arbeitszeiten“, sagt der PRIHO-Vorstand.

Thinking about: Innovativ, selbstbewusst, flexibel

„Wir freuen uns auf neue Herausforderungen, die eine so digitalisierte Branche mit sich bringt und auch verlangt“, sagt der campus relations e.V. aus Münster. „Auf dem Stellenmarkt wird sich einiges verändern.“ Werden die Arbeitgeber den Arbeitnehmern weiter entgegenkommen, um sich der Konkurrenz gegenüber behaupten zu können? Wann verlangt ein Arbeitnehmer zu viel? Und wie viel Wert legt die jüngste Generation wirklich auf eine gute Work-Life-Balance? Wann stößt die PR-Branche an ihre Grenzen? Wann wird auch Social-Media-Nutzung ein Social-Media-Overload?

„Durch agile Märkte, die Polyphonie der Kommunikatoren und die Vielzahl an digitalen Inhalten wird es immer schwieriger, Botschaften zu platzieren“, sagt der Kommunikationsmanagement-Studierende am Campus Lingen e.V. (Kommunikos). Umso wichtiger, dass sich die Branche auf ihre Qualitäten besinnt, strategisch vorzugehen und authentisch zu kommunizieren. Haltung und Wertschätzung sind dabei – nicht zuletzt für den Nachwuchs – die Schlüsselelemente.

Als gute Jahresvorsätze für 2019 sollte die PR also versuchen, noch innovativer gegenüber der Digitalisierung, selbstbewusster gegenüber dem Marketing und flexibler gegenüber ihren Berufseinsteigern zu werden.


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