Mirjam Berle

Fast euphorisch wurde im Sommer 2020 beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Nachricht verkündet, dass Mirjam Berle zum 1. Oktober 2020 neue Direktorin Öffentlichkeit und Fans wurde. In dieser Funktion war sie für den gesamten Bereich “Corporate Communications” und die unter Gesichtspunkten der Imagebildung relevante strategische Entwicklung und Positionierung des Verbandes und seiner Tochterunternehmen in der öffentlichen Wahrnehmung zuständig. Von Aufbruchstimmung war die Rede. Doch die Realität sah für die bedauernswerte Berle anders aus. Sie geriet mitten in den Machtkampf zwischen ihrem Vorgesetzten, Generalsekretär Friedrich Curtius, und dem inzwischen zurück getretenen DFB-Präsident Fritz Keller. Berle wurde zwischen den Machtblöcken förmlich zerrieben.

Statt Imagebildung zu betreiben, musste Berle zusehen, wie die Auseinandersetzungen in der Führung des größten Sportverbandes der Welt immer stärker in die Öffentlichkeit getragen wurde. Berles Erwartungen waren hoch im vergangenen Jahr. Zum Einstieg sagte sie: “Es sind die Menschen, die Organisationen bewegen, und ich bin sehr gespannt auf die Begegnung mit all denen, die den DFB begleiten und voranbringen – sowohl im Unternehmen selbst als auch in der Öffentlichkeit. Auf die neue Aufgabe freue ich mich sehr, insbesondere darauf, die Herausforderungen, die sie mit sich bringt, gemeinsam mit dem Team anzugehen. Es ist wie im Fußball: Je besser wir im Zusammenspiel unsere unterschiedlichen Stärken und Erfahrungen einbringen, desto eher werden wir erfolgreich sein.”

Das Gegenteil war der Fall. Konsterniert schrieb sie am 30. Mai bei LinkedIn: „Heute bin ich fassungslos… über eine weitere Indiskretion, eine von unzähligen der letzten Monate, eine, die einmal mehr zeigt, wie wenig es möglich ist, in einem solchen Umfeld Veränderung zu leben sowie Unternehmenskommunikation professionell anzugehen und umzusetzen. Aber nachdem mein Start beim DFB schon durchgestochen wurde, bevor ich den Arbeitsvertrag unterschrieben hatte, verwundert es kaum, dass auch über Durchstecherei publik wurde, dass meine Zeit dort zu Ende geht.“

Berle beklagt, dass Sie gerne zuerst ihr eigenes Team über ihren Abschied informiert hätte. Aber, so führte sie weiter aus, andere hätten das wohl nicht so gesehen und einmal mehr ihre persönlichen Beweggründe vor Fairness, Professionalität und Sportsgeist gestellt und die Info an die Medien durchgestochen. Ihr Fazit ist so klar wie ehrlich: „Es ist erbärmlich!“

Umso leichter falle es ihr, zu bestätigen, dass sie ihre Tätigkeit beim DFB beenden werde, um sich neuen beruflichen Möglichkeiten zuzuwenden. Hintergrund ihres Weggangs sind, so erklärt sie, unterschiedliche Auffassungen zur weiteren strategischen Entwicklung und Neuausrichtung der Öffentlichkeitsarbeit des DFB.

Wertschätzende Worte hat sie nur für ihr Team übrig: „Ich danke meinem grandiosen Team dafür, dass sie sich gemeinsam mit mir auf den Weg gemacht haben, die Direktion neu auszurichten und wünsche ihnen viel Erfolg dabei, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. Ihr seid großartig!“

Die Krise in der DFB-Führung zieht damit immer weitere Kreise. Der Deutsche Fußball-Verband steht damit unmittelbar vor Beginn der Europa-Meisterschaft ohne Kommunikationschefin da.


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