DPRG NRW Stammtisch 042022„Unternehmen und die Sache mit der Haltung“, lautete das Thema des virtuellen Stammtisches der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) Ende März. Einen Impuls dazu gab die Leiterin des DPRG-Arbeitskreises MediaPolitics, Sandra Pabst. Moderiert wurde die Runde von Interim-Manager Georg Lamerz von der DPRG NRW. Ein eindeutiges Ergebnis konnte nicht erzielt werden, dafür entstand aber eine differenzierte Diskussion, die zeigte, wie komplex das Thema mit der Haltung ist.

Gleich zu Beginn des Abends wurde klar, dass gerade in Zeiten extremer geopolitischer oder gesellschaftlicher Anspannungen und Krisen der Druck auf Unternehmen wächst, Haltung zu zeigen. Druck durch die Gesellschaft, Druck über Veröffentlichungen wie etwa der „List of shame“ der renommierten Yale University zum Ukraine-Krieg bis hin zum Druck, der über entsprechende Medienberichterstattung aufgebaut wird. „Wo verschwimmen hier die Grenzen zwischen Information und Meinungsmache“, fragte Sandra Pabst in die Runde.

Die anschließende Diskussion zeigte, dass manches Medium, mancher Artikel oft Themen nur verkürzt behandelt beziehungsweise nur verkürzt behandeln kann. Die Realität ist häufig jedoch komplexer. Zum Thema Ukraine-Krieg nannten Teilnehmende so etwa strafrechtliche Konsequenzen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Unternehmen in Russland drohen könnten, wenn sie nur eine interne Meldung lesen, in der der Angriffskrieg Russlands auch als solcher bezeichnet wird. Auch das Stichwort Güterabwägung wurde genannt: Hat ein Rückzug aus einer Region, einem Land eventuell schwerwiegende Folgen auf Menschen in anderen Regionen? Nicht immer lässt sich einwandfrei zwischen Gut und Böse unterscheiden.

Doch wann soll ein Unternehmen dann Haltung zeigen? „Wenn ich als Unternehmen auch etwas beitragen kann, meine Expertise gefragt ist“, sagte eine Teilnehmerin. Eine jüngere Teilnehmerin ergänzte: „Haltung zeigen heißt, Stellung zu beziehen, gerade wenn es ungemütlich wird.“ Konstatiert wurde an dieser Stelle auch, dass es eventuell einen Generationenunterschied gibt. Achten die heutigen Berufseinsteiger noch stärker auf die Haltung von Unternehmen? Eine Studentin war da klar: „Wir erwarten von unseren Arbeitgebern, dass sie eine Haltung einnehmen.“

Nur reicht dabei das „Flagge zeigen“ oder sollte es doch schon mehr sein? Claus Vaske prägte an dieser Stelle den Spruch „Show, don’t tell“. Es sollte also vor allem auch ein Handeln folgen und nicht nur dem Druck von außen mit reiner Symbolpolitik nachgegeben werden. Die Diskussion dazu zeigte bei dem Punkt aber auch Unterschiede bei den verschiedenen Themen. Während dies so definitiv für das Thema Nachhaltigkeit gilt, kann Flagge zeigen bei anderen Themen durchaus einen Beitrag leisten. Beispiele: Das klare Bekennen zur LGBTQ+-Community kann bereits zu einer Entstigmatisierung des Themas beitragen. Moderator Georg Lamerz fragte, ob das Flagge zeigen nicht ähnlich einer Teilnahme an einer Demonstration zu werten sei, durch die man auch etwas verändern kann. „Ja“, fand die Runde.

Ganz so klar ist es bei manchen Themen aber auch an dieser Stelle nicht. Wie sollen Unternehmen mit unterschiedlichen kulturellen Blickwinkeln zu einem Thema umgehen? Macht man da in verschiedenen Ländern Unterschiede?

Festhalten lässt sich, dass das Thema Haltung zeigen im Unternehmenskontext häufig komplexer ist als gemeinhin angenommen. Ganz ohne geht es wohl aber auch nicht. Der DPRG-Arbeitskreis MediaPolitics plant dazu in den kommenden Monaten weitere Veranstaltungen und möchte hierzu für Unternehmen einen Leitfaden erarbeiten. Und auch auf dem Deutschen PR-Tag am 5. Mai diskutiert Sandra Pabst dazu mit Claus Strunz, Chefredakteur „Bild“ und Leiter „Bild TV“, und Jürgen Kornmann, Leiter Marketing und PR Deutsche Bahn.


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