Virtueller Stammtisch: Austausch über Kommunikation bei Restrukturierungen und Insolvenzen.

Überraschende Erkenntnisse gab es auf dem „Vier-Länder-Stammtisch“ der DPRG Landesgruppen NRW, Hessen / Rheinland-Pfalz / Saarland Ende September. Das Thema des Abends lautete: Kommunikation bei Restrukturierung und Insolvenz. Die zusammengeschalteten Kommunikationsexperten unterhielten sich über die Frage, wie eine adäquate Kommunikation aussehen muss, wenn ein Unternehmen durch „das Tal der Tränen“ gehen muss. Referenten der von Interim-Manager Georg Lamerz moderierten Online-Veranstaltung waren Dirk von Manikowsky, Hering Schuppener Consulting, und Thomas Schulz, beides ausgewiesene Experten in Sachen Kommunikation bei Restrukturierungen und Insolvenzen.

Die schlechte Nachricht zuerst: Dieses Land wird durch einige große Restrukturierungen gehen. Da ist sich Dirk von Manikowsky sicher. Er dürfte Recht haben, auch wenn Konjunkturforscher für Deutschland einen weniger dramatischen Einbruch vorhersagen als im Frühjahr noch angenommen. Restrukturierungen, das sind laut von Manikowsky Situationen, die sich „nicht gut anfühlen“ für alle, die unmittelbar davon betroffen sind. In Restrukturierungen ist eigentlich der Blick nach vorne gewünscht. Leicht gesagt, denn diejenigen, die ihren Job verlieren werden, die „auf der Liste stehen“, die haben da ganz eigene Perspektiven. Und denjenigen, die blieben, denen ging es bestimmt auch schon mal besser.

Großer Druck

Wer in dieser Situation kommunizieren will, sollte sich nicht so leicht aus der Spur werfen lassen. Der Druck ist groß. Es gibt massive Erwartungshaltungen aller Stakeholder an die Kommunikation, sich doch bitte jetzt sofort zu äußern. Das ist verständlich und menschlich.

Nicht leichter ist die Lage dadurch geworden, dass sich via Social Media so manche Akteure sehr schnell positionieren können und dies auch tun. Politiker und Gewerkschaftsvertreter beispielsweise. Hinzu kommt das geschwundene Vertrauen der Bevölkerung in die Medien, vielen gelten die eigenen Netzwerke als vertrauenswürdiger.

„Gesicht der Restrukturierung“

Krisen haben Gesichter, das ist immer so. Wer jetzt für das Unternehmen in der Öffentlichkeit spricht, wird zum „Gesicht der Restrukturierung“. Die Kommunikation sollte sehr genau abwägen, wer das sein sollte. Dazu später mehr.

Ein Fehler, den viele Kommunikatoren in ihrer Arbeit machen: Schadensbegrenzung in den Vordergrund zu stellen, statt nach vorne zu blicken, auf den Turnaround. Auch das ist verständlich. Was auf jeden Fall in einer solchen Situation gefragt ist, das ist Empathie. Die interne Kommunikation spielt in solchen Fällen eine ganz erhebliche Rolle. Und die Art der Kommunikation, der Stil, mit der Krise und den Befürchtungen der Belegschaft umzugehen.

Kommunikation hilft in der Restrukturierung. Oft kann sie Kollateralschäden gering halten. Wichtig dabei ist, das Erwartungsmanagement – auch von Mitarbeitern – zu klären. Was kann und was darf Kommunikation in dieser Situation leisten?

Enges gesetzliches Korsett beachten

Scheitern sämtliche betriebswirtschaftlichen Restrukturierungsbemühungen, dann bleibt noch der Gang zum Insolvenzgericht. „Managementfehler“ seien nach Erkenntnissen von erfahrenen Insolvenzverwaltern der häufigste Grund entsprechender Anträge, weiß Thomas Schulz. „Wir betreten dann eine neue Welt“, so Schulz weiter. „Denn ab sofort geht es vorrangig darum, die Ansprüche der Gläubiger bestmöglich zu befriedigen.“

Grundsätzlich gelte es, bei einer Sanierung im Insolvenzverfahren ein enges gesetzliches Korsett zu beachten. So sind die Verfahren vom Gesetzgeber eigentlich für Gläubiger öffentlich angelegt. Verwalter, Mitglieder des Gläubigerausschusses, selbst Insolvenzrichter können persönlich haften. Selbst die Vergütung ist gesetzlich geregelt.

„Wenn Insolvenzverwalter sich aus guten Gründen Kommunikatoren mit an Bord holen, so wird dies durchaus kritisch beäugt“, erläutert Schulz. Dabei seien die Kommunikationsziele nachvollziehbar: Ein Schwerpunkt ist interne Kommunikation, denn es gilt, die Leistungsträger an Bord zu halten. Erfahrungsgemäß sind das die, die am schnellsten einen neuen Job finden. Die anderen, die es sich im Unternehmen gemütlich eingerichtet haben, die werden eventuell nicht mal auf die Suche gehen. Und dann gilt es, die Kommunikation mit den Stakeholdern im In- und Ausland aufrecht zu erhalten. Investoren aus den USA etwa haben eine ganz andere Vorstellung von „Insolvenz“ als bei uns, Stichworte „Chapter 7“ versus „Chapter 11“.

Kommunikation steht bei Insolvenzen nicht an erster Stelle

Ohnehin kommen Kommunikatoren bei Insolvenzen nicht an erster Stelle. Sie sind dort einfach nicht auf dem Radarschirm, sagt Schulz. Die Kommunikatoren werden vom Insolvenzverwalter angeheuert, „wenn das restliche Team schon steht“.

Zeitdruck ist aber immer ein Thema: Innerhalb von drei Monaten sollten die Eckpunkte eines Sanierungskonzepts klar sein. Denn: Drei Monate gibt es Insolvenzgelder. In dem Zusammenhang sollten Kommunikatoren sehr vorsichtig agieren. Wer etwa zu früh Lösungen ankündigt, die sich dann als nicht gangbar erweisen, hat verloren. Das Maß an Transparenz will daher wohl abgewogen sein. Dabei muss im Zuge einer Insolvenz ein Kommunikationsberater, der in den Diensten des Insolvenzverwalters steht, nicht zwangsläufig die gesamte Kommunikation an sich ziehen. In der Praxis ist entscheidend, welche Zielsetzung die Kommunikation verfolgt. Solange die Interessen zum erfolgreichen Turnaround, zum Verkauf oder auch zur Abwicklung im Sinne der Gläubiger gleichgerichtet sind, ist ein harmonisches Miteinander denkbar – häufig aber eher unwahrscheinlich.

Um maximale Unterstützung werben

In der Restrukturierung hingegen, gilt es alle vorhandenen Kommunikationskräfte zu bündeln, um für maximale Unterstützung bei allen Stakeholdern, intern wie extern zu werben. Der Erfolg hängt dabei häufig davon ab, wie schnell eine neue Perspektive für die Zeit nach der Restrukturierung aufgebaut werden kann. Gelingt hier frühzeitig der Schulterschluss, wird der externe Berater auch zum Coach der internen Unternehmenskommunikation, sagt Dirk von Manikowsky. Fatal wäre es hingegen, wenn interne und externe Kommunikatoren gegeneinander arbeiten und damit unnötig Vertrauen verspielen und so eine erfolgreiche Restrukturierung gefährden.

Hier geht es noch einmal zurück zu der Frage, wer das Gesicht der Krise sein sollte. In einer Insolvenz kann es sinnvoller sein, so Thomas Schulz, den Insolvenzverwalter diesen Job machen zu lassen. Die Geschäftsführung steht dann in der zweiten Reihe. Was auch seine Vorteile hat. Denn eines ist klar, wie in jeder Krise: Es gibt Helden und es gibt Schurken. Thomas Schulz: In einer Insolvenz ist es so, dass „die Öffentlichkeit gerne jemanden hängen sehen will“.


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