Von links: Herbert Lumer, Landespresse- und Informationsamt NRW, Timo Krupp, DPRG-NRW, Giovanni Bruno, fokus digital, Andreas Lautz, Staatskanzlei NRW, und Udo Seidel, DPRG-NRW.

Der Jahresauftakt der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) hat in diesem Jahr in der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen stattgefunden. Im historischen Landeshaus in Düsseldorf begrüßte DPRG-Landesvorsitzender Udo Seidel rund 100 Gäste aus Politik und Wirtschaft zum Themenabend „Digitaler Wandel und Künstliche Intelligenz“. Referenten waren Andreas Lautz, Gruppenleiter Medien- und Netzpolitik in der Staatskanzlei, sowie Giovanni Bruno, CEO der Berliner Agentur fokus digital.

Andreas Lautz referierte zwei bewusst provokante Thesen, die Denkanstöße für die Diskussion lieferten. Seine erste These zeichnete ein Bild von einer Medienlandschaft im radikalen Umbruch: „Wenn wir nicht aufpassen, dann haben wir in wenigen Jahren keine Zeitungen mehr mit lokalen Inhalten, seien sie gedruckt oder online; dann haben wir keine privatwirtschaftlich finanzierten Radios mehr mit lokalen Informationen“. Gebraucht würden im Wettbewerb alternative Finanzierungwege und neue Geschäftsmodelle. Die Landesregierung befasse sich auch mit Ansätzen zur Anerkennung der Gemeinnützigkeit von Journalismus, erklärte Lautz. Dabei müsse die Unabhängigkeit der Medien jedoch immer die höchste Priorität haben. Mit seiner zweiten These warnte er, dass die deutsche Medienbranche beim Thema Künstliche Intelligenz ins Hintertreffen zu geraten drohe, schaue man auf die gewaltigen Investitionen, die Akteure wie Google, Facebook und Amazon in diesem Feld tätigten.

Was genau sich hinter Künstlicher Intelligenz versteckt, welche Möglichkeiten Konzerne schon heute mit gesammelten Daten haben, darüber gab Giovanni Bruno einen Überblick. In seinem Vortrag zeigte er, wie weit Algorithmen bereits fortgeschritten sind: „Schon heute erkennen sie beispielsweise innerhalb von wenigen Sekunden, welche Intention ein Website-Besucher hat.“ Über die Datenmengen ließen sich nicht nur persönliche Angaben wie Interessen, demografische Daten und Soziografie herausfinden, sondern gleichzeitig auch Intentionen und bisheriges Nutzerverhalten, die über den Abgleich von historischen Daten ermittelt werden. Vorläufiges Ziel dieser Entwicklung sei eine digitale Intelligenz, „die weiß, was wir uns wünschen, bevor wir es uns wünschen“, so Bruno. Mit seinem Beitrag zu Künstlicher Intelligenz und Algorithmen verknüpfte er einen Appell für alle Kommunikatoren: „Kein Zweck heiligt die Mittel“. Nur weil etwas technisch möglich sei, müsse es nicht angewendet werden.


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