Mathias Döpfner (© Axel Springer)

Mathias Döpfner, Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV), wird sein Amt vorzeitig abgeben. In einem persönlichen Schreiben an die Mitglieder bat er um Verständnis für seine Entscheidung. Im Herbst 2020 war er für eine zweite, vierjährige Amtszeit gewählt worden. Auslöser für den für Herbst 2022 angekündigten Rücktritt dürfte die Affäre um den früheren „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt sein. Da Döpfner zugleich Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE (Berlin) ist, gab es innerhalb des BDZV Diskussionen um Döpfners Umgang mit der Causa Reichelt.

In seinem Schreiben an die Mitglieder führte er allerdings andere Gründe an. Zum einen sei Axel Springer mit seinem Wachstum in den USA und dem Kauf von „Politico“, „der größten Akquisition in unserer Unternehmensgeschichte, in einer entscheidenden Phase, die deutlich mehr Zeit und Präsenz von mir in Amerika erfordert“. Er werde sich daher nicht mehr in der für einen Präsidenten notwendigen Form und Intensität für den Verband engagieren können. Zum anderen brauche es, um stärker die Interessen kleinerer und mittelgroßer, regionaler und lokaler Verlage zu vertreten, eine Person beziehungsweise Konstellation an der Spitze, die nicht für ein großes, internationales und sehr digitales Verlagshaus stehe. Dies habe in der Vergangenheit immer wieder zu Missverständnissen geführt.

Döpfner wörtlich: „Beispiel Leistungsschutzrecht: Während ich fest überzeugt bin, dass dieses Recht vor allem die kleineren schützt, behaupten manche, es nütze vor allem den großen.“ Dies sei eine unnötige Ablenkung vom wirklich Wichtigen. Denn „die Erfolgsfähigkeit im digitalen Journalismus ist unser aller Schicksal“.

Daher seien nun andere Strukturen mit mehr Repräsentanz der kleinen und mittleren Verlage notwendig, erklärte der BDZV-Präsident weiter. Er wende sich jetzt an die Mitglieder, um mit großer Klarheit den gemeinsamen weiteren Weg bis zur Mitglieder-/Delegiertenversammlung und dem Jahreskongress im September gut und geordnet vorzubereiten.

Andere Gründe ausschlaggebend

Döpfners Ankündigung des vorzeitigen Rücktritts dürfte aber letztendlich eine Reaktion auf die anhaltende Kritik an ihm sein. Große Medienhäuser wie die Funke Verlagsgruppe oder die Madsack Mediengruppe äußerten offen ihr Unverständnis über den Umgang Döpfners mit der vom ehemaligen „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt ausgelösten Affäre.

Losgetreten wurde das Ganze im Herbst 2021 durch einen Beitrag in der „New York Times“. Darin ging es um den Vorwurf des Machtmissbrauchs gegen den damaligen „Bild“-Chefredakteur Reichelt, der letztendlich für den Verlag nicht mehr haltbar war und gehen musste. In der Berichterstattung der „New York Times“ wurde auch ein Auszug aus einer privaten Nachricht Döpfners an den Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre wiedergegeben. Daraus ging hervor, dass der Verlagschef Reichelt als den letzten und einzigen Journalisten in Deutschland sieht, der noch mutig gegen den „neuen DDR-Obrigkeitsstaat“ aufbegehre. Fast alle anderen seien zu „Propaganda Assistenten“ geworden. Springer hatte die Kurznachricht als Ironie eingeordnet.

Danach hatten Zeitungsverleger auf einer BDZV-Präsidiumssitzung bei einer Aussprache eine Entschuldigung Döpfners zu der umstrittenen Nachricht akzeptiert. Doch Ruhe kehrte nicht ein im Verband. So kündigte die Funke-Mediengruppe an, Reformen an der Verbandsspitze durchsetzen zu wollen, und später sogar den eigenen Austritt. Der vorzeitige Rücktritt Döpfners könnte nun den Weg zur Beendigung der Krise im BDZV ebnen.


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