Branche Stimmen für Blockchain, Bitcoin und New Finance Newskontor veröffentlicht Top-100-Liste europäischer Krypto-Journalisten

Krypto ist 2026 im regulierten Finanzalltag angekommen. MiCA, Angebote klassischer Banken, Stablecoins, tokenisierte Vermögenswerte und Digital-Asset-Treasuries verändern den Blick auf Bitcoin und Blockchain. Neben Kursentwicklungen rücken Infrastruktur und institutionelle Nutzung stärker in den Fokus. Was viele Jahre als Experimentierfeld galt, verbindet sich zunehmend mit Geldanlage, Zahlungsverkehr und Kapitalmarktprozessen. Der Bedarf an verlässlicher Einordnung steigt. Gefragt sind Journalist:innen, die technologische, regulatorische und finanzielle Entwicklungen verständlich machen. Die auf Finance und Tech spezialisierte Kommunikationsagentur Newskontor veröffentlicht zum vierten Mal ihre Liste europäischer Stimmen für Blockchain, Bitcoin und New Finance. 

Regulierung, Stablecoins und Tokenisierung prägen zunehmend die Berichterstattung über Krypto und Blockchain. (Bild: Unsplash)

Darunter sind Journalisten ebenso wie Podcaster und Influencer. „Die Berichterstattung über Krypto hat sich enorm weiterentwickelt, aus der anfänglichen Fokussierung auf Kurse und Hypes ist eine breitere Finanz- und Wirtschaftseinordnung geworden. Journalisten beschäftigen sich heute mehr denn je mit Regulierung, Infrastruktur, Tokenisierung und den konkreten Folgen für Anleger und Gesellschaft“, sagt Marco Cabras, Managing Director von Newskontor.

Die Top-Liste der Krypto-Journalisten umfasst 100 Persönlichkeiten aus elf Ländern Europas, darunter Deutschland, Schweiz, Österreich, Spanien, Italien, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Frankreich und Großbritannien.

Krypto wird erwachsener, aber nicht automatisch einfacher

Viele der befragten Journalisten sehen 2026 zwar nicht das Ende von Krypto, aber das Ende einer bestimmten Marktphase. Philipp Frohn von der „WirtschaftsWoche“ beschreibt eine seit Jahren laufende Professionalisierung, durch die Bitcoin und Co. aus der „Schmuddelecke“ herausgeführt würden. Zugleich verweist er darauf, dass Volatilität weiterhin viele Anleger abschrecken dürfte.

Sascha Rose von „Focus Money“ spricht ebenfalls von einer reiferen Marktphase. Das steigende Interesse professioneller Investoren und das wachsende Angebot an Krypto-Investmentprodukten machten digitale Assets „seriöser“ und in den Chefetagen großer Asset-Manager „salonfähiger“.

Ähnlich sieht es Sven Wagenknecht, Chefredakteur von BTC-Echo: Auf der einen Seite stünden institutionelle Akteure, die Krypto als Asset-Klasse ernst nehmen und regulatorische Planbarkeit benötigen. Auf der anderen Seite zeige der Retail-Sektor derzeit weniger Interesse, die Goldgräberstimmung habe sich eher auf das Thema KI verlagert.

Etwas pointierter formuliert Werner Grundlehner, freier Journalist und ehemals Redakteur der „NZZ“: Damit Krypto inklusive Bitcoin als Alltagsinstrument für Anlage und Wertaufbewahrung anerkannt werde, müsse der Markt das „Tal der Langeweile“ erreichen. Denn auch wenn die Hypervolatilität nachlasse, sei die Seriosität noch nicht erreicht. Dass Bitcoin und Co. mittlerweile „weniger wild“ seien, bemerkt auch Stefanie Morgenroth, Betreiberin des YouTube-Kanals „Miss Crypto“. Letztlich mache aber genau diese Entwicklung digitale Assets langfristig relevanter.

Aus Spanien kommt eine etwas andere Akzentuierung. Violeta Nieto Quiñonero von der Wirtschaftszeitung „Expansión“ hält die Goldgräberstimmung noch nicht vollständig für beendet, betont aber, dass die Akzeptanz von Kryptowährungen im institutionellen Ökosystem einer Revolution gleichkomme. Sie erwartet, dass wir eine „vollständige Integration von Kryptowährungen in das allgemeine Anlageverständnis erleben.“

Alejandro Sánchez Salas, ebenfalls von „Expansión“, beschreibt die Integration von Krypto-Assets in traditionelle Märkte als scheinbar unaufhaltsam. Diese Entwicklung reduziere zugleich die Bitcoin-Volatilität deutlich und entferne den Markt damit weiter von früheren Extremphasen.

Anleger fragen konkreter, Medien müssen breiter einordnen

Mit der Reife des Marktes verändert sich auch die Leserschaft. Viele Medienschaffende berichten, dass Anleger heute andere Fragen stellen als noch vor wenigen Jahren. Es geht nicht mehr nur darum, ob Bitcoin steigt oder fällt, sondern um Tokenisierung, Corporate Treasuries, MiCA-Compliance, Verwahrung, Stablecoins und die Rolle klassischer Banken.

Das Krypto-Wissen sei definitiv gestiegen, attestiert Christin Jahns, Redakteurin bei „Das Investment“. Neben Bitcoin und Ethereum seien mittlerweile auch andere Assets für Leser interessant.

Das gestiegene Wissen bei Lesern spiegelt sich laut dem freien Journalisten Janis Grunewald auch am Medienmarkt wider: Viele Clickbait-Seiten seien verschwunden, stattdessen sei der Bereich für „substanzielle Analyse“ gewachsen. Martin Maciej von Giga zieht ein ähnliches Fazit: Die Berichterstattung sei sachlicher geworden und fokussiere sich stärker auf Regulierung, Anwendungsfälle und Marktstrukturen statt nur auf Kursrekorde.

Auch in Finnland zeigt sich, wie stark sich das Publikum verändert hat. Perttu Räisänen von der Wirtschaftszeitung „Kauppalehti“ berichtet, dass das Krypto-Wissen seiner Leser über mehrere Bitcoin-Zyklen hinweg deutlich gestiegen sei. In Finnland könnten bald mehr als eine Million Menschen in Krypto investieren – bei 5,6 Millionen Einwohnern. Sein Kollege Saku Arjanmaa sagt, man müsse heute nicht mehr erklären, wie Bitcoin den Besitzer wechselt oder dass Bitcoin ein begrenztes Angebot hat. Zugleich bleibe das Feld so komplex, dass es weiterhin sehr viel zu lernen gebe.

Anders sieht es Jannik Tillar, Redakteur bei „Capital“. Seine Einschätzung der Anlegerkenntnisse fällt zurückhaltender aus: Ein deutlicher Wissenszuwachs in der eigenen Leserschaft sei für ihn nicht eindeutig erkennbar, gewachsen sei jedoch offenbar die Zahl kritischer Stimmen.

Nutzen jenseits der Spekulation bleibt umstritten

Beim konkreten Alltagsnutzen von Blockchain-Technologie gehen die Einschätzungen auseinander. Ein Teil der Medienmacher sieht Bitcoin selbst weiterhin als greifbarsten Anwendungsfall, vor allem als Wertaufbewahrungsmittel und unabhängige Form digitaler Vermögenssicherung. Andere verweisen auf Stablecoins, tokenisierte Finanzprodukte oder Real World Assets.

Clemens Schömann-Finck, Finanzjournalist und Content Creator des YouTube-Kanals „René will Rendite“, sieht langfristig besonders in der Tokenisierung von Sachwerten Potenzial. Durch die Fraktionierung könnten Anlageklassen wie Gewerbeimmobilien oder Unternehmensanteile in kleinere Einheiten zerlegt und damit für mehr Menschen zugänglich werden.

Astrid Dörner, US-Korrespondentin beim „Handelsblatt“, sieht beim Einsatz von Stablecoins im internationalen Zahlungsverkehr das derzeit größte Potenzial für eine konkrete Nutzung von Blockchain-Technologie. Ähnlich sieht es Christian Mäder vom Schweizer Medium Bitcoinnews.ch. Der Nutzen von Stablecoins sei durch schnelle und günstige grenzüberschreitende Zahlungen spürbar. In diesem Bereich entstehe der konkrete Alltagsnutzen jenseits von Spekulation.

Sandra Willmeroth, freie Journalistin und Autorin unter anderem für die „NZZ“, bleibt skeptischer. Sie sieht für Durchschnittsbürger bislang kaum greifbaren Nutzen. Viele Menschen hätten weiterhin Berührungsängste, verstünden weder Kryptowährungen noch Blockchain oder Tokenisierung ausreichend und nähmen vor allem volatile Bitcoin-Kurse wahr.

Zwischen Reife, Skepsis und neuer Infrastruktur

Nach Einschätzung von Newskontor ist der europäische Krypto-Journalismus breiter und internationaler geworden. Neben klassischen Wirtschaftsredaktionen und Finanzmedien prägen spezialisierte Portale, Podcasts und YouTube-Formate die Debatte. Die Entwicklung knüpft an die Vorjahre an, in denen die Agentur bereits eine wachsende Themenvielfalt und zunehmende Wissenstiefe festgestellt hatte.

Gleichzeitig bleibt Krypto ein Markt voller Widersprüche. Einerseits schaffen Regulierung und institutionelle Angebote mehr Vertrauen, andererseits bleiben Volatilität, Scam-Risiken, technische Hürden und offene Rechtsfragen zentrale Themen. Berichterstattung muss technologische und wirtschaftliche Chancen sichtbar machen, ohne Risiken zu verharmlosen.

Die Einordnung der Medienschaffenden bringt diesen Zwischenstand auf den Punkt. Für die einen werden Bitcoin und Co. erwachsener, für andere nur langweiliger. Für Tobias Möllers von der „Börsen-Zeitung“ ist die Krypto-Branche eine Asset-Klasse, die zwischen Reifung und weiterhin hoher Fragilität und Volatilität pendelt. Für Violeta Nieto Quiñonero von „Expansión“ bleibt es die „Neuerfindung des Geldes im digitalen Zeitalter“, während es für Martin Hock, Wirtschaftsredakteur bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, eine Erfindung von Computer-Nerds bleibe, die es immer noch nicht schaffen, dem Rest der Welt zu vermitteln, warum sie es für so wahnsinnig wichtig halten.

 Die vollständige Liste finden Sie unter diesem Link.

 

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