Mit Hilfe des „Hateful Audio Notification Service“ können problematische Inhalte bei Spotify gemeldet werden.

Musik verbindet. Musik ist für alle da – eigentlich. Dennoch finden sich auf Streaming-Plattformen wie Spotify, Soundcloud, YouTube und Co. diskriminierende Inhalte, die tagtäglich von Millionen Nutzerinnen und Nutzern gestreamt und auch geteilt werden können. Faschistische, rassistische, sexistische und andere diskriminierende Aussagen in Songtexten werden toleriert und durch den Algorithmus sogar noch weiter verbreitet. Dagegen wehrt sich jetzt der Laut gegen Nazis e.V. mit einem Whatsapp-Chat-Bot namens “H.A.N.S.”, das für „Hateful Audio Notification Service“ steht. Die Idee zur Aktion kommt von den Agenturen Philipp und Keuntje und fischerAppelt, relations.

Obwohl die Kampagne “HetzJaeger” Anfang des Jahres deutlich machte, wie einfach rechte Musik in den Spotify Algorithmus gespeist werden kann, ignorieren die Streaming-Dienstleister das Problem bisher und bleiben untätig. So besteht auf Spotify bis heute lediglich die Möglichkeit, problematische Profilbilder, Merch oder Beschreibungen zu melden, nicht aber menschenfeindliche Songs oder Podcasts. Aus diesem Grund wird Laut gegen Nazis e.V. nun selbst aktiv und veröffentlicht mit dem Whatsapp-Chat-Bot “H.A.N.S.” ein Instrument, mit dem problematische Inhalte bei Spotify gemeldet werden können.

Diskriminierende Titel direkt aus der Spotify-App über WhatsApp melden

Wer einen verdächtigen Inhalt entdeckt, kann diesen jetzt direkt aus der Spotify-App mit der WhatsApp Nummer +49 1525 94 60 767 teilen. Über den Chat sammelt H.A.N.S. alle nötigen Informationen zu den problematischen Inhalten und formuliert daraus automatisch eine Nachricht an Spotify. Nach einer formellen Prüfung wird der Inhalt direkt per E-Mail und Tweet an Spotify gemeldet.

„Es sollte zwar weder unsere, noch die Aufgabe der Userinnen und User sein, aber durch das Nichtstun der Streaming-Dienste sind wir gezwungen, etwas gegen die Verbreitung dieser Inhalte zu unternehmen", erklärt Jörn Menge, Gründer und Vorsitzender von Laut gegen Nazis e. V.. „Hitler hat zum Beispiel über 400 Playlists auf Spotify. Songs, die dazu aufrufen, Schwule zu ertränken oder zu verbrennen, erhalten mehr als 330.000 Streams. Das ist beschämend.”

Der Chatbot ist ein Gemeinschaftsprojekt von Laut gegen Nazis e.V. und dem virtuellen Co-Working-Tool Cake, die sich um die technische Umsetzung gekümmert haben. Die Idee zur Aktion kommt, wie bei „HetzJaeger” auch, von den Agenturen Philipp und Keuntje und fischerAppelt. Mit der Kampagne fordert Laut gegen Nazis e.V. Streaming-Anbieter wie Spotify auf, konsequenter gegen diskriminierende Inhalte auf ihren Plattformen vorzugehen. „Die Plattformen ziehen sich bei dem Thema aus der Verantwortung und weigern sich, den von ihnen angebotenen Content inhaltlich zu prüfen”, sagt Menge. So verbreiten sie faschistische, sexistische und andere diskriminierende Inhalte. Natürlich fordern wir keine Zensur und wissen, wie wichtig Kunstfreiheit für unsere demokratische Gesellschaft ist. Jedoch darf die Kunstfreiheit nicht als Ausrede missbraucht werden, wenn Menschen verletzt werden. Die Streaming-Dienste müssen kontrollieren, was sie auf ihren Plattformen anbieten.”

Prominente Unterstützung zum Kampagnenstart

Gleich zu Beginn der Kampagne gibt es prominenten Zuspruch. Sebastian Krumbiegel (Foto © Enrico Meyer), Sänger der Prinzen, ermutigt die Kampagne von Laut gegen Nazis zu unterstützen: „Ich verurteile jede Art der Diskriminierung, vor allem in der Musik. Es kann nicht sein, dass viele Streaming-Anbieter noch immer verachtende Inhalte auf ihren Plattformen tolerieren. Ich finde es bewundernswert, wie viel Herzblut Laut gegen Nazis in das Projekt steckt. Jetzt sind wir alle gefragt, um so viele diskriminierende Inhalte auf Spotify zu teilen, wie möglich.”

Mit einer eigenen Social-Media-Kampagne sensibilisiert Laut gegen Nazis e.V. die Nutzerinnen und Nutzer in den sozialen Netzwerken. Unter dem Hashtag #2022flagged können diskriminierende Inhalte geteilt und so für die Community und die Streaming-Dienste sichtbar gemacht werden. Der Kampagnenstart ist dabei bewusst gewählt. „Zum Jahresende erhält Spotify durch seinen Jahresrückblick viel Aufmerksamkeit in den sozialen Netzwerken. Unter #2022flagged präsentieren wir den negativen Jahresrückblick 2022 und alle können mitmachen”, sagt Menge.


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