Die Ergebnisse einer Online-Befragung aus dem Februar 2020 im Rahmen des Trendreports von news aktuell und Faktenkontor. Fazit: Eine gendergerechte Sprache hat sich in der Branche noch nicht durchgesetzt. (Quelle: obs / news aktuell)

Einmal so, ein andermal anders: Wenn es um Gendern in der professionellen Kommunikation geht, gibt es bei den meisten PR-Experten keine einheitliche Regelung. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage von news aktuell und Faktenkontor, beide Hamburg. Die dpa-Tochter hat bei Pressestellen und PR-Agenturen aus Deutschland nachgefragt, wie sie mit gendergerechter Sprache in der Kommunikation für ihr Unternehmen beziehungsweise für ihre Kunden umgehen. 415 Kommunikatoren haben an der Befragung teilgenommen.

Demnach wenden knapp die Hälfte der PR-Schaffenden keine einheitlichen Regeln in ihrem Sprachgebrauch an, um die Gleichstellung der Geschlechter zum Ausdruck zu bringen (45 %). Immerhin ein gutes Drittel der Befragten formuliert geschlechtsneutral, setzt also auf Bezeichnungen wie "Mitarbeitende" oder "Studierende" (38 %). Fast genauso viele Befragte schreiben die männliche und weibliche Form aus, indem sie zum Beispiel von "Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern" oder "Studentinnen und Studenten" sprechen (36 %).

Weniger üblich sind sämtliche Binnen-Schreibweisen: Nur jede fünfte Pressestelle und PR-Agentur verwendet die Schrägstrich- oder Klammerschreibweise und schreibt zum Beispiel "Mitarbeiter/innen" oder "Mitarbeiter(innen)" (19 %). Genauso viele Befragte halten sich an das sogenannte Binnen-I, indem sie MitarbeiterInnen oder StudentInnen schreiben (18 %). Noch seltener ist das Gender-Sternchen. Nur 14 Prozent setzen das Sonderzeichen – etwa bei dem Wort Mitarbeiter*innen -, umgeschlechtergerecht zu formulieren. Verschwindende ein Prozent der PR-Schaffenden nutzt den Tiefstrich (z.B. Mitarbeiter_innen).

Immerhin jede zehnte Pressestelle und PR-Agentur gendert überhaupt nicht (12 %). Grund dafür ist möglicherweise, dass für die Mehrheit der Befragten gendergerechte Sprache eher beziehungsweise völlig unwichtig ist (53 %). Nur knapp die Hälfte der Kommunikatoren stuft sie als eher beziehungsweise sehr wichtig ein (45 Prozent).

Wie wichtig ist gendergerechte Sprache aus Ihrer Sicht?

  • Sehr wichtig: 16%
  • Eher wichtig: 29%
  • Eher unwichtig: 36%
  • Völlig unwichtig: 17%
  • Keine Angabe: 2%

Anmerkung in eigener Sache

Wie wichtig ist gendergerechte Sprache aus Sicht der Redaktion? Die "PR-Journal"-Redaktion hat sich dafür entschieden, die weibliche und männliche Form auszuschreiben. In längeren Beiträgen wiederholen wir das nicht permanent, nutzen zu Beginn aber mehrmals beide Formen. Der Grund liegt für uns in der besseren Lesbarkeit, insbesondere wenn es um Zitate geht. Denn niemand spricht tatsächlich ein Gendersternchen aus oder betont den Quer- oder Bindestrich, wenn er in wörtlicher Rede wiedergegeben wird. Daher nutzen wir diesen pragmatischen Weg, um den Anforderungen einer gendergerechten Sprache zu entsprechen.


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