Im Gespräch: Dorothee Bär und Anna-Lena Müller (© Landau Media)

Schwerpunkt Corporate Influencer: Mehr als 100 PR-Profis wohnten in Berlin der Premiere der „Landau Media Fishbowl“ – dem neuen Event-Format des Branchendienstleisters – bei, um gemeinsam mit Digitalstaatsministerin Dorothee Bär und VW-Plattform-Strategin Anna-Lena Müller zu diskutieren. Obwohl die Kernfrage „Wieviel Personality braucht Digitalisierung in Politik & Wirtschaft?“ keine abschließende Antwort fand, war es ein gelungener Auftakt.

„Ich bin kein Corporate Influencer. Meine Meinung und die meines Arbeitgebers sind längst nicht immer die gleiche“, weist Müller direkt zu Beginn ein gängiges Label zurück. Als zentrale Aufgabe betrachtet sie es, ihre Vorständinnen und Vorstände ins Internet zu führen. Das deckt sich mit dem Anliegen Bärs, die dereinst den Auftrag der Kanzlerin erhielt: „Öffnen Sie dieses Haus“ (Anm. d. Red.: den Bundestag). Beide Frauen eint das persönliche Engagement in und die Begeisterung für die sozialen Medien, wenn auch mit unterschiedlichen Präferenzen für die Kanäle: „Ein Post oder Foto bringt mir auf einer Plattform zehn Heiratsanträge – und auf der anderen zehn Morddrohungen“, begründet die Staatsministerin zugespitzt ihre Vorliebe für Instagram und Abneigung gegen Twitter.

Das Publikum erhält teils tiefe Einblicke in den Arbeitsalltag der beiden Frauen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Brücken zu bauen, um Menschen ins digitale Zeitalter mitzunehmen. Knapp eineinhalb Jahre ist Müller bei VW im Amt – sie gibt zu: „Das Holz, was man bohrt, ist dick.“ Zahlreiche Abstimmungsschleifen kosteten Kraft und auf etlichen Social-Media-Channels sei noch „viel Luft nach oben.“ Und doch: Themen, die ihr am Herzen liegen, werden durch ihr Zutun zu Corporate Content.

Das Fishbowl-Diskussionsformat ist auf Interaktion ausgelegt: Die beiden Referentinnen sowie die Moderatoren Franziska Bluhm und Jens Stoewhase sitzen dafür in der Mitte des Raums, umringt von den Gästen. Ein freier Stuhl lädt die Teilnehmer dazu ein, selbst aktiver Teil der Diskussionsrunde zu werden – und bleibt nicht lange leer. So will beispielsweise Cornelia Kunze, Inhaberin der Agentur Isekai und Vorsitzende des deutschen Chapters von Global Woman in PR (GWPR), wissen, ob die beiden in den patriarchalisch anmutenden Strukturen von Autokonzern und Partei nichts Geringeres als einen Kulturwandel anstoßen wollen. Sowohl Bär als auch Müller streiten zwar eine reine Change-Agenda ab, sind sich aber durchaus darüber im Klaren, dass sie Kollegen und Mitglieder inspirieren und aktivieren können. Von Magdalena Rogl, Head of Digital Channels bei Microsoft, befragt zum Umgang mit Kritik und Hetze in den Kommentarspalten, geben sich beide Referentinnen sowohl verletzlich als auch zuversichtlich. „Ich versuche eigentlich immer, in den persönlichen Dialog zu kommen. Ignorieren oder am Ende gar Blocken sind die letzten Mittel“, erklärt Bär.

„Wir freuen uns, dass unser neues Format den Nerv der Branche getroffen hat und sind immer noch überwältigt von der Resonanz auf die erste Fishbowl“, resümiert Beate Kiep, Mitglied der Geschäftsleitung bei Landau Media und Event-Organisatorin. Eine Fortsetzung in Form weiterer Fishbowls ist mehr als wahrscheinlich.

PRJournal LM Fishbowl

Freuen sich über eine gelungene Premiere: Jens Stoewhase und Franziska Bluhm (Moderator*innen), Uwe Mommert (Landau Media), Anna-Lena Müller (Plattformstrategin bei Volkswagen), Michael Busch (Landau Media), Beate Kiep (Landau Media), Dorothee Bär (Digitalstaatsministerin) und Axel Take (Landau Media) (v.l.n.r.)


Wir haben die Kommentarfunktion wegen zu vieler Spam-Kommentare abgeschaltet. Sie können uns aber trotzdem Ihre Meinung zu diesem Artikel als Leserbrief direkt zusenden. Falls Sie wünschen, dass wir Ihren Leserbrief als Kommentar dem Artikel hinzufügen, vermerken Sie dies bitte in der Mail an uns.
leserbrief@pr-journal.de


Heute NEU im PR-Journal

  • Rezension: Zumutung für PR-Beraterzunft

    Wer das Innenleben von Organisationen verstehen will, der war immer schon gut beraten, auch nach den Büchern und Forschungen des Bielefelder Soziologie-Professoren Stefan Kühl zu greifen. Das gilt...

  • Interview: KI im Otto-Newsroom

    Die „Arbeitsgemeinschaft CommTech“ (AG CommTech) wird gemeinsam getragen vom Institut für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) und von Thomas Mickeleit. Die AG erarbeitet Lösungen für die...

  • Hönemann leitet Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim BAH

    Hannes Hönemann ist mit Wirkung zum 1. März neuer Leiter der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) mit Sitz in Bonn und Berlin. Hönemann...

  • Erfolgreiche Expansion: PR-Strategien für Start-ups

    Selbst in einer globalisierten Wirtschaft bleibt die Expansion eines Unternehmens in ein neues Land eine Herausforderung, die Mut und Strategie erfordert. Die Suche nach neuen Märkten und...

  • Assion und Primosch gründen mit Partnern neue Beratung

    Mit Rüdiger O. Assion und Ernst Primosch gründen zwei ehemalige DAX-Kommunikationschefs zusammen mit fünf Partnern eine neue Beratungsgesellschaft unter dem Namen BOC Consult GmbH. Der Hauptsitz ist in...