"Voices" fand in einer Kirche statt. ©Staffbase

„Voices“-Konferenz richtete Fokus auf mobile Tools
Eine in der Kommunikationsbranche häufig verwendete These ist, dass interne Kommunikation immer wichtiger wird. Dieser Satz gewinnt an Substanz, wenn man berücksichtigt, dass der Hauptgrund für Kündigungen von Mitarbeitern fehlende Wertschätzung ist. Es hakt in der Kommunikation. Wie kann interne Kommunikation besser laufen? Damit beschäftigte sich die zweitägige „Voices“-Konferenz mit etwa 400 Teilnehmern in Berlin.

Eingeladen hatte Staffbase, ein Chemnitzer Start-up, das Apps für die Mitarbeiterkommunikation entwickelt. Entsprechend ging es bei dem Event – es fand in einer Kirche plus Nebengebäude statt – schwerpunktmäßig um mobile Anwendungen. Aufmerksamkeit erzielte Staffbase im Herbst vergangenen Jahres, als das Unternehmen sich öffentlich gegen die rechtsradikalen Vorfälle in Chemnitz positionierte und für ein tolerantes Miteinander stark machte.

Barth SCMEin Tagesordnungspunkt: die Vorstellung des „Trendmonitors 2019“ für interne Kommunikation durch Juliane Lehmann und Philipp Bahrt (Foto) von der SCM – School for Communication and Management. Der Umfrage zufolge sind 72,1 Prozent der Mitarbeitenden in der internen Kommunikation weiblich. Das zeigte sich auch bei den Teilnehmenden. Andere Ergebnisse lassen allerdings Zweifel aufkommen, ob in Unternehmen interne Kommunikation wirklich besonders hohe Aufmerksamkeit genießt.

50 Prozent der Unternehmen arbeiten ohne Konzept

Beispiel: Lediglich 50 Prozent der 251 im Rahmen der Studie befragten Kommunikationsverantwortlichen hätten geantwortet, ihr Unternehmen besäße ein Konzept für die interne Kommunikation. 50 Prozent also nicht. Welchen anderen Schluss lassen diese Zahlen zu, als dass planlos in der Gegend herumkommuniziert wird? Wenn 25 Prozent der Befragten antworten, sie hätten weniger als 10.000 Euro jährlich für interne Kommunikationsmaßnahmen zur Verfügung, dann zeigt das eine geringe Wertschätzung für diese Disziplin. Viel lässt sich mit dem Budget nicht bewegen.

Wenig progressiv wirken zudem die angewendeten Kommunikationsmaßnahmen. Die im „Trendmonitor 2019“ am häufigsten genannten Maßnahmen mit mehr als 80 Prozent sind das „persönliche Gespräch“ und der „Flurfunk“. Dass miteinander gesprochen wird, ist natürlich schön. Zielführender scheint es jedoch zu sein, wenn Mitarbeitergespräche einem strategischen Ansatz folgen und sie nicht dem Zufall entspringen. Weit abgeschlagen landeten Maßnahmen wie ein Social Intranet, Mitarbeiterzeitschriften und mobile Apps auf den Plätzen. Ein Viertel der Unternehmen wolle mobile Tools der internen Kommunikation in Erwägung ziehen.

Andere Studien verstärken den Eindruck, dass interne Kommunikation vernachlässigt wird. Eine von der der Agentur JP KOM gemeinsam mit SCM durchgeführte Befragung kommt zu dem Ergebnis, dass 44 Prozent der befragten Unternehmen kein strategisches Kommunikationskonzept für die Digitalisierung der internen Kommunikation besitzen. Die Komplexität schrecke viele ab.

Eine Untersuchung der Beratungsagentur Sasserath Munzinger Plus unter 1.000 Angestellten aus 28 Branchen ergab Anfang des Jahres, dass bei der Kommunikation von Change-Prozessen Nachholbedarf herrsche. Dabei findet Change allerorten statt - in Konzernen, Institutionen, Verbänden und bei Mittelständlern. 83 Prozent der Befragten würden sich von der Transformation im Unternehmen betroffen fühlen. Über deren Vermittlung gegenüber den Mitarbeitern machen sich offenbar wenige Unternehmen Gedanken.

Try & Error als Leitmotiv

Böhringer Martin VoicesMit seinen App-Angeboten versucht Staffbase, Unternehmen und Mitarbeiter sowie die Beschäftigten untereinander zu vernetzen. Siemens, Deutsche Bahn und Deutsche Telekom gehören der Webseite zufolge zu den Kunden. Dazu zahlreiche kleinere und mittelständische Unternehmen.

CEO Martin Böhringer (Foto) warb in seiner Eröffnung für „Try & Error“ und war sich nicht zu schade, von Misserfolgen in der eigenen Kommunikation zu berichten, als es zum Beispiel zu einem Video Kommentare wie „25 Minuten Gestottere und Gestammele“ hangelte. Seine Botschaft: „Messen, messen, messen“ – herausfinden, was bei den Mitarbeitenden ankommt. Worauf reagieren sie? In seinem Unternehmen würden in der Firmen-App Babyfotos regelmäßig mehr Reaktionen und Interaktion hervorrufen als die CEO-Kommunikation.

Was für Informationen eine Mitarbeiter-App außer Babyfotos enthalten könnte, beschrieb Laura Koller, Lead Internal Communication & Employer Branding bei Payback. Bei dem Kundenkarten-Anbieter sei es gelungen, mehr als 90 Prozent der Mitarbeitenden zur Nutzung von mobilen Kanälen der internen Kommunikation zu motivieren. Ein wichtiges Thema in der Unternehmens-App: Essen. Kantinenspeisepläne gehören bei Unternehmen regelmäßig auch im Intranet zu den beliebtesten Inhalten.

Kleinanzeigen, Videos und Foto-Galerien von Firmenevents wie Weihnachtsfeiern sowie News aus HR und PR würden ebenfalls gut funktionieren, sagt Koller. Zusätzlich setze Payback Umfragen ein, veranstalte Gewinnspiele und informiere über Events, auf denen Unternehmensrepräsentanten auftreten.

Nutzwert mischt sich mit Unterhaltung – ähnlich wie bei einem Dienstleister für Reinigungsaufgaben und Winterdienste aus Österreich. Informationen über durchaus ernste Schneeeinsätze würden Mitarbeiter mobil teilen. Manchmal auch, wie sie gerade eine Taube gerettet haben.

 


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