Die Teilnehmer des 50. WMIC in Kopenhagen. (© FIBEP)

Diskussionen über eine mögliche Fusion der Fachverbände, der Facebook-Skandal und die Folgen, neue Lizenzmodelle der PMG in Deutschland, das im Europaparlament verabschiedete Leistungsschutzrecht und dann noch die sich immer mehr beschleunigende Digitalisierung: den Teilnehmern des World Media Intelligence Congress (WMIC) mangelte es nicht an Themen. Vom 1. bis 3. Oktober trafen sich 200 Medienbeobachter aus über 30 Ländern zu ihrem 50. Fachkongress. Mit dabei war Oliver Plauschinat, der die wichtigsten Diskussionen für das „PR-Journal“ beleuchtet.

Der erste Kongress der Medienbeobachter fand bereits 1953 mit der Gründung des internationalen Verbandes FIBEP (Fédération Internationale des Bureaux d’Extraits de Presse) in Paris statt. Heute sind es über 130 Verbandsmitglieder aus über 40 Ländern, die sich jährlich auf dem World Media Intelligence Congress treffen, um sich über neue Trends und Technologien in den Bereichen Pressespiegel, Medienbeobachtung und Analyse auszutauschen. Zudem werden die Kongresse genutzt, um untereinander Kooperationen und Verträge zu schließen, unter anderem bei der länderübergreifenden Belieferung mit Informationen und Daten. 

Personalrochade bei den internationalen Verbänden AMEC und FIBEP

Bereits im Vorfeld des Kongresses sorgte die Berufung von Johna Burke zur Geschäftsführerin der AMEC (International Association for Measurement and Evaluation of Communication) für Diskussionen, da sie erst im letzten Jahr zur neuen Präsidentin der FIBEP gewählt wurde. Auf dem Kongress in Kopenhagen musste daher ein Nachfolger von Johna Burke gefunden werden.

Die Mitglieder der FIBEP wählten am ersten Kongresstag einstimmig Laura Garcia von Globalnews, Argentinien, zur neuen FIBEP-Präsidentin. Durch die Personalrochade an der Spitze der beiden internationalen Verbände kam unter den Kongress-Teilnehmern erneut die Diskussion auf, ob die beiden Verbände nicht miteinander fusionieren sollten, weil es sowohl bei den Verbandsthemen als auch Mitgliedern große Überschneidungen gibt. Hier darf man gespannt sein, wie sich diese Diskussion beim nächsten Kongress, der in Peru (Lima) stattfindet wird, entwickelt.

Datenschutz und Lizenzrecht dominierendes Thema unter den Teilnehmern

Ein Problem für alle Medienbeobachtungsunternehmen ist der eingeschränkte Zugriff auf Daten. Facebook machte dieses Jahr den Anfang und schränkte unter dem Eindruck des Cambridge-Analytica-Skandals den Zugriff auf Facebook-Daten massiv ein. Seit Juli dieses Jahres ist eine umfassende Beobachtung und Auswertung von Facebook ohne eine entsprechende Verifizierung nicht mehr möglich. Ähnliches droht zum Ende des Jahres mit Instagram. Social-Media-Spezialisten wie Talkwalker, Brandwatch oder auch Ubermetrics, von denen weltweit fast alle Medienbeobachter die Social-Media-Daten beziehen, können nicht mehr garantieren, dass sie im nächsten Jahr noch Daten von Facebook und Instagram in der gewohnten Form und auch in dem Umfang ausliefern können, da dies allein von der Entscheidung durch Facebook und dem Tochterunternehmen Instagram abhängig ist. Zudem zeigen Facebook und Co. aktuell kein großes Interesse daran, die Lösungen der Medienbeobachter zu verifizieren, da sie ihre Daten lieber eigenständig vermarkten möchten.

Suche nach Alternativen

Die Einschränkungen bei Facebook und Instagram betreffen dabei nicht nur deutsche, sondern alle Monitoring-Unternehmen, sodass auf dem Kongress viele Teilnehmer nach alternativen Möglichkeiten suchten, auch im nächsten Jahr Inhalte von Facebook und Instagram ihren Kunden anbieten zu können. Besonders gefragt auf dem Kongress waren daher Social-Media-Anbieter, die laut eigener Aussagen bereits über eine Verifizierung von Facebook verfügen wie beispielsweise Datagnion oder Twingly. Sicher ist, dass die Kunden im nächsten Jahr mit weiteren Einschränkungen bei der Beobachtung von großen Social-Media-Netzwerken rechnen müssen. Dazu passt auch aktuell, dass Google+ nach der Veröffentlichung einer Sicherheitspanne den Dienst vollständig einstellen wird.

Bei den deutschen Teilnehmern des Kongresses sorgte zudem die Einführung und Durchsetzung eines zusätzlichen Lizenzmodells durch die Presse Monitor GmbH (PMG) für Diskussionen. Die PMG möchte bei den deutschen Medienbeobachtern eine sogenannte digitale Verarbeitungslizenz durchsetzen und führt dazu einen Musterprozess mit einem Medienbeobachter aus Hamburg. Bislang führen ausschließlich die Kunden die Lizenzgebühren für ihren Pressespiegel an die PMG ab, zukünftig sollen auch die Medienbeobachter für das Einscannen von Zeitungen eine monatliche Verarbeitungsgebühr direkt an die PMG zahlen. Es ist damit zu rechnen, dass dadurch die Lizenzkosten für Pressespiegel weiter steigen werden, obwohl deutsche Kunden schon europaweit die höchsten Lizenzen zahlen.

Auch das jüngst vom Europaparlament verabschiedete Leistungsschutzrecht wird die Lizenzkosten für Kunden eines Pressespiegel nochmals erhöhen. Es ist damit zu rechnen, dass die PMG die digitale Verarbeitungslizenz auch auf Onlinemedien ausdehnen wird.

Angesichts dieser Entwicklungen fragen sich die deutschen PR-Dienstleister zunehmend, wie sich die Steigerung der Lizenzkosten auf die Nachfrage der Kunden auswirken wird.

Eine Branche im digitalen Umbruch

Technische Entwicklungen haben die Media Intelligence Branche in den letzten 60 Jahren schon immer geprägt und verändert. Den Anfang machte 1957 die Diskussion zur Einführung von elektrischen Scheren oder 1964 die Nutzung von Fax-Geräten. Doch noch nie war die Geschwindigkeit, mit der neue Technologien die Angebote, Arbeitsweisen und Prozesse der PR-Dienstleister verändern, so rasant wie in den letzten zehn Jahren.

Nach der Einführung des Internets und der Etablierung von Social Media befindet sich die Branche aktuell in der dritten größeren Veränderungsphase. Durch die zunehmende Digitalisierung entstehen immer mehr Informationen und Daten, die immer schneller verarbeitet und analysiert werden müssen. Immer neuere Technologien und Methoden müssen dafür von den Media-Intelligence-Unternehmen entwickelt oder eingekauft werden. Dazu zählen unter anderem Technologien wie Speech-to-text, Logo-Erkennung, Text Mining und auch der Einsatz von KI.

In Kopenhagen stand daher neben dem Einsatz von neuen Technologien vor allem die Veränderung auf Kundenseite durch die zunehmende Digitalisierung im Mittelpunkt der Vorträge. Es wurde unter anderem diskutiert, welche neuen Anforderungen sich für die PR-Dienstleister ergeben, wenn Kunden zunehmend ihre Kommunikationsabteilungen in eine zentrale Steuerungseinheit wie den Corporate Newsroom überführen. Sind etablierte Instrumente wie eine Medienresonanzanalyse oder ein täglicher Pressespiegel für solche Kunden dann noch zeitgemäß oder werden andere Formate, Daten etc. benötigt? Der Kongress hat gezeigt: Die internationale Media-Intelligence-Branche muss und wird auf diese Veränderungen mit neuen Angeboten und Technologien reagieren, so wie sie es in den letzten 60 Jahren bereits getan hat. 

Plauschinat Oliver Gl pressrelationsÜber den Autor: Oliver Plauschinat (Foto) ist Mitglied der Geschäftsleitung und verantwortlich für das Business Development bei der pressrelations GmbH, Düsseldorf. Davor hat er bei verschiedenen Agenturen u.a. bei Ketchum (vormals Pleon) sowie Lautenbach Sass gearbeitet. Er ist ausgewiesener Spezialist bei Fragen rund um das Thema Erfolgsmessung in der Kommunikation.


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