German Haus und German Pavillon: Anlaufpunkte für die mehr als 1.000 deutschen Vertreter auf der SXSW.

Etwa 70.000 Teilnehmer dürfte die South by Southwest (SXSW) dieses Jahr in Austin zählen. Mehr als 1.000 Repräsentanten von Unternehmen aus Deutschland haben sich nach Texas (USA) aufgemacht – dazu Journalisten, Agenturen und Start-ups. Es gibt ein „German Haus“, in dem sich die deutsche Szene präsentiert – und einen Pavillon. Was reizt Agenturvertreter an der SXSW? Diese Frage hat das „PR-Journal“ vier Führungskräften von Kommunikationsberatungen gestellt, die die SXSW besucht haben.

Thomas Knüwer (kpunktnull), Claudius Rokosch (Ketchum Pleon), Matthias Wesselmann (fischerAppelt) und Christian Hanke (Edenspiekermann) berichten über ihre Eindrücke von der SXSW.

Einige Agenturen wie Ketchum Pleon und fischerAppelt sind mit Kunden vor Ort. Andere wie MSL Germany haben einen WhatsApp-Newsletter gestartet und werden zu Inhalte-Lieferanten. Agenturen partizipieren zudem in Panels. Mirko Kaminski von achtung! filmt mal wieder und trifft „zufällig“ den GWA-Präsidenten Benjamin Minack von ressourcenmangel; gebloggt und getwittert wird ohne Ende. Dazu: Power-Networking. Über allem steht die Suche nach Inspiration und neuen Trends.

Die SXSW ist eine gigantische zehntägige Zukunfts- und Gesellschaftskonferenz, die sich mit Themen aus den Bereichen Medien, Kommunikation, Film, Digitales, Technologie und Business beschäftigt. Prominente Redner wie Arnold Schwarzenegger, Tesla-Chef Elon Musk, Dell-CEO Michael Dell und US-Senator Bernie Sanders stehen bei der SXSW auf der Bühne, aber auch Entwickler, Publisher, Digital-Nerds und Professoren mit abgedrehten Ideen. Flugtaxis? Dürften in Austin zu den konservativeren Visionen gehören. Autonomes Fahren? Künstliche Intelligenz? Blockchain? Krypto? Beyond Advertising? Was das alles für die Kommunikation bedeutet, wissen wohl die wenigsten – Stand heute.

Thomas Knüwer (Foto), Founding Partner, kpunktnull / Indiskretion Ehrensache

Knuewer Thomas Kpunktnull 2018„In einer vernetzten Welt reicht es nicht, nur ein Experte im eigenen Bereich zu sein. Die SXSW liefert eine überwältigende Vielfalt an Themen, von Marketing über Smart Cities, Food und Politik bis zu Film und Musik. Wer sich auf die Verschränkung dieser Themen einlässt, hat die Chance, Trends zu entdecken, bevor sie Deutschland erreichen. Auch wird hier Technologie nicht einfach schlecht geredet, wie so oft in Deutschland.

Fortschritt gilt in Austin als gegeben. Die Debatten drehen sich darum, wie wir ihn als Gesellschaft gestalten wollen. Dies gilt besonders für Künstliche Intelligenz und Kryptowährungen – zwei der dominierenden Themen in diesem Jahr. Als gegeben gilt auch die drastisch sinkende Bedeutung von Werbung, weshalb das Marketing stärker in Richtung Content und Entertainment sowie die Zusammenarbeit mit TV- und Filmproduzenten geht.“

Claudius Rokosch (Foto), Senior Consultant Digital, Ketchum Pleon

Rokosch Claudius Ketchum PLeon 2018„Wer live erleben will, welche Themen und ‚Thought Leader‘ uns als Kommunikatoren in den nächsten Jahren umtreiben werden, der findet mit der SXSW die perfekte Spielwiese. Es ist eine einzigartige Mischung aus Inspiration, Innovation und qualitativem Networking. Das nutzen wir für uns als Agentur – und tragen die kreativen Impulse für innovative, datengetriebene Kommunikation in unsere Teams und zu unseren Kunden. Zudem sind wir mit konkretem Kundenauftrag hier – wir werben für den Wirtschafts- und Innovationsstandort Sachsen. Als Partner im ‚German Haus‘, aber besonders mit Botschaftern der Startup-Szene wie Eric Weber vom Smart Infrastructure Hub in Leipzig oder dem Dresdner Startup Wandelbots.

Drei der wichtigsten Themen: Data based, predictive, creativity. Daten zu haben, ist technisch kein Problem. Die spannende Frage ist, was man daraus macht und mit ihnen machen darf. Bei aller Begeisterung für Technologie und Algorithmen sieht man schnell die Grenzen. Um das Maximum aus den Daten zu holen, braucht es den kreativen Fragesteller –  und das ist noch der Mensch. Ohne die ‚Wetware‘ (Red.: das menschliche Element) findet man auch nicht die richtige Balance aus Automation und Emotionen – denn menschliche Emotion bringt letztlich den kommunikativen Impact, den sich alle wünschen.“

Matthias Wesselmann (Foto), Vorstand, fischerAppelt

Wesselmann Matthias Vorstand fischerAppelt„Die SXSW ist in jedem Jahr der Hotspot der internationalen Tech- und Kreativszene. Im ‚German Haus‘ trifft man natürlich auch viele deutsche Unternehmen, Gründer, Marketer und Kommunikatoren, die sich austauschen und vernetzen. Insbesondere vor dem Hintergrund der digitalen Transformation liefert die Konferenz mit vielen Diskussionsrunden zu Künstlicher Intelligenz, Blockchain oder Virtual Reality Inspiration für die eigene Entwicklung.

Man bekommt einen Eindruck, wo die Reise hingeht und wie diese neuen Technologien den unternehmerischen, kulturellen und strukturellen Wandel begleiten können. Diese Entwicklung wirkt sich automatisch auch auf die Kommunikationsbranche aus und stellt uns vor neue Herausforderungen."

Christian Hanke (Foto), Partner und Creative Director, Edenspiekermann

Hanke Christian Edenspiekermann 2018„Bei der SXSW geht es um Austausch zu aktuellen Trends. Wer arbeitet an welchen Themen und Projekten? Ich teste gerne meine eigenen Thesen dort. Es ist möglich, mit fast allen Referenten zu sprechen – auch mit hochkarätigen und Experten, an die sonst schwer ranzukommen ist. Spannend ist zudem, dass so viele Deutsche vor Ort sind, die sich alle im Fortbildungs- und Inspirationsmodus befinden. Das macht es einfacher, ins Gespräch zu kommen. Interessant finde ich Vorträge zu Themen, die mich nicht direkt betreffen wie NASA oder Robotik.

Inhaltlich geht es viel darum, inwieweit sich Publisher und Content-Anbieter breiter aufstellen können; sich weniger abhängig zu machen von einer Plattform wie Facebook und deren Algorithmus. Apple News ist inzwischen eine häufige Traffic-Quelle. Die Monetarisierung von Inhalten ist ein großes Thema – und als eine Basis dafür die Messung von Qualität und Aufbau von Nähe. Bei Künstlicher Intelligenz höre ich viele kritische Fragen zur Ethik: Wie können wir besser reflektieren, welche Annahmen und Einflüsse uns in der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz prägen? Die Personalisierung von Inhalten – essenziell für Publisher und Marken – und Voice User Interfaces (VUIs) wie Alexa in breiter Anwendung spielen eine wesentliche Rolle. Auch hier drohen Plattformabhängigkeiten.“

Die SXSW endet am 18. März.


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