„Gut gemeint“ ist manchmal das Gegenteil von „gut gemacht“. Das gilt wohl auch für die bevorstehende Einführung des Mindestlohns. Deshalb suchen verschiedene Unternehmen heute schon nach Alternativen – oder um es ehrlicher zu formulieren: nach Schlupflöchern. Die Kommunikationsagentur Weber Shandwick führt nach einem Bericht von „Welt.de“ bereits Gespräche mit der Berliner Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur (HWTK) darüber, „wie man als Alternative zu freiwilligen Praktika Studierenden die Möglichkeit geben könnte, bei Weber Shandwick Erfahrungen zu sammeln“. Hintergrund ist, dass Betriebspraktika, die länger als sechs Wochen dauern, unter den Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde fallen sollen. Demnach müsste ein Unternehmen 1.360 Euro für einen Praktikanten pro Monat bezahlen.
Der Deutsche Journalistenverband (DJV) plädiert für Änderungen am Mindestlohngesetz und will erreichen, dass Volontariate und freiwillige journalistische Praktika und sonstige Ausbildungen in Medienunternehmen einbezogen werden.

Uwe A. Kohrs, Präsident des Agenturverbands Gesellschaft PR-Agenturen (GPRA), spricht für die Mitglieder seines Verbandes, wenn er sagt, dass die Praktikumsangebote „signifikant zurückgehen werden.“ Er verweist außerdem darauf, dass Praktika ein wichtiges Instrument zur Personalfindung ist. Sechs Wochen seien da zu kurz für beide Seiten. Nun wollen die GPRA und andere Verbände Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) dazu bewegen, den Mindestlohn bei Praktika nicht schon aber siebten Woche, sondern erst nach drei Monaten zahlen zu müssen.

Die Stoßrichtung des DJV ist eine andere: Da Volontärinnen und Volontäre in der Regel bereits ein Hochschulstudium absolviert und als freie Journalisten gearbeitet hätten, bevor sie ihr Volontariat beginnen könnten, sollten sie auch entsprechend bezahlt werden. Vor allem in den nicht tarifgebundenen Unternehmen des privaten Rundfunks sei es anders und ihre Vergütung liege deutlich unter dem Mindestlohn – „und das über die gesamte Dauer des Volontariats von bis zu zwei Jahren“. Dasselbe gelte für den angehenden Nachwuchs an Journalistenschulen der Medienunternehmen, von denen einige zum Zweck der Tarifumgehung gegründet worden seien. Konken: „Es muss Schluss damit sein, dass junge und ambitionierte Journalisten für den Start in den Beruf auf Zuwendungen ihrer Familien angewiesen sind.“ In vielen Medienunternehmen seien die Volontäre neben der Ausbildung auch in die Dienstpläne der Redaktionen integriert und leisteten vollwertige journalistische Arbeit. „Der Mindestlohn ist das Mindeste, was den jungen Kolleginnen und Kollegen zusteht.“

Lesen Sie den Artikel „So umgehen Firmen Mindestlohn bei Praktikanten“ von Flora Wisdorff in „Welt.de“.


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