Quelle: komm.passion; Illustration: Tobias Dahmen

Was Jens Spahn und Christian Lindner mit dem französischen Erfolgspolitiker verbindet

Gibt es einen deutschen Emmanuel Macron? Wenn ja, wer könnte das sein? Der französische Staatspräsident hat eine neue Bewegung losgetreten, komplett auf ihn zugeschnitten, und bei den Wahlen die Etablierten vom Sockel gestoßen. Dabei hat er ganz auf die Macht der sozialen Medien gesetzt. Funktioniert das auch in Deutschland? Wer erweist sich im Bundestagswahlkampf 2017 als „deutscher Macron“? Lesen Sie das vollständige Dossier direkt bei komm.passion.

Beachten Sie bitte nachfolgend einen Leserbrief zu diesem Beitrag von Norbert Schulz-Bruhdoel. Zu diesem Leserbrief wiederum hat der Autor des Beitrags, Alexander Gütler, am 31. August eine Entgegnung geschrieben, die Sie ebenfalls unten finden.

Facebook ist nicht Frankreich, Spahn ist nicht Macron

Wer den Erfolg von Emmanuel Macron und die deutsche Politikszene miteinander in Beziehung setzt, sollte Frankreich ein wenig kennen - das Geschnatter in den "Sozialen Medien"  ist dabei wenig hilfreich. Wer Macrons Erfolg verstehen will, der muss sich mit so schwer übersetzbaren Begriffen wie "esprit" und "attitude" befassen, auch mit der völlig anders gearteten Art und Weise der Meinungsbildung in unserem Nachbarland.

Macron ist in eine große Leere gestoßen, die von den etablierten politischen Parteien hinterlassen wurde. Konservative, Liberale, Sozialisten, Kommunisten - alle haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten Schritt für Schritt selbst demontiert. Und Marine LePen mit ihrem Front National konnte nur bei einem knappen Drittel des Wahlvolks wildern, die Mehrheit ist nicht dumm genug, auf das national-populistische Gedröhn hereinzufallen. Ohne diesen Zerfall der etablierten Parteienordnung hätte Macron keine Chance gehabt.

Meinungsbildung erfolgt in Frankreich vorwiegend über das persönliche Gespräch - in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, in Café und Bistrot. Zeitungen, Fernsehen ebenso wie die Online-Welten liefern dafür allenfalls Stoff und Anregungen. Diskussionen verlaufen offen, spitz und bissig - man sagt sich die Meinung und duldet, dass es andere gibt.

Eine solche Gesprächskultur gibt es in Deutschland nicht. Ähnliche Entwicklungen im Parteiengefüge gibt es ebensowenig. Der kurzfristige Hype um Martin Schulz zu Beginn des Jahres zeigt, dass selbst die SPD keineswegs ohne Hoffnung auf Erfolg agieren könnte, wenn ihre Granden sich nicht mit Hingabe wechselseitig in die Knie treten würden. Die AfD hat erkennbar ihre besten Zeiten hinter sich, eine Spitzenfigur wie Marine LePen ist nicht erkennbar. Und das Wiedererstarken der FDP zeigt ebenso, dass in Deutschland das hergebrachte Parteiengefüge noch voller Lebenskraft ist.

Wenn es Parallelen zum Aufstieg Emmanuel Macrons gibt, dann ist es der Durchmarsch von Sebastian Kurz ins österreichische Kanzleramt. Aber der wird ja nicht hierzulande gewählt und war den komm.passion-Leuten im deutschen Wahlkampf wohl unwichtig. Ich lese den Artikel als eine große Freundlichkeit gegenüber Jens Spahn. Dieser ehrgeizige Mann aus dem Münsterland hat mit Emmanuel Macron aber ungefähr soviel gemeinsam wie Champagner mit Altbier. Mir stellt sich die Frage, wer die Studie von Güttler & Gaier in Auftrag gegeben hat. War das vielleicht der NRW-Landesverband der CDU? Oder Jens Spahn selbst? Er investiert ja gerne in Zukunftsprojekte, wie wir seit Kurzem wissen.

Norbert Schulz-Bruhdoel, Journalist

Entgegnung von Alexander Güttler vom 31. August

Lieber Herr Schulz-Bruhdoel,

vielen Dank, dass Sie sich so intensiv mit unserem aktuellen Dossier beschäftigt haben. Sie haben vollkommen Recht, in Frankreich ticken die Menschen anders als in Deutschland. Hier binden wir Sie mit ihrer Frankreich-Expertise bei weiteren Untersuchungen zum Nachbarland gern frühzeitig mit ein.

Wo wir nicht ganz mitgehen, ist das Herunterspielen der Bedeutung sozialer Medien. Sie spiegeln die Kernbotschaften innerhalb eines ganzheitlichen Kommunikationsansatzes bestens wider. Wenn Macron „private“ Bilder postet, dann geschieht das nicht etwa zufällig, sondern aus reiner Inszenierung. Soziale Medien wie Facebook sind nicht der einzige Kanal für Wahlen und für das Vermitteln politischer Botschaften, sicherlich, aber ein sehr wichtiger mit steigender Tendenz – und vor allem einer, der sich bestens aus wissenschaftlicher Sicht untersuchen lässt.

Und nicht mehr haben wir getan. Es ging uns darum, wie die deutschen Macron-Fans ticken, und von denen gibt es hierzulande eine Menge. Auf Facebook verschaffen sie sich Luft, unser wissenschaftlicher Ansatz zeigt Schnittmengen. Und diese bestehen am deutlichsten zu den Anhängern von Spahn und Lindner. Das kann und soll man gut oder schlecht finden. Auf jeden Fall soll man darüber diskutieren.

Danke, dass Sie sich daran beteiligen. Hätten wir das Ergebnis nur vorher gekannt. Dann hätten wir das Ganze der CDU anbieten können. Beim nächsten Mal nehmen wir diese Ihre Anregung gern auf. Denn unser PAS-Ansatz wird bereits von zahlreichen Konzernen, Initiativen und Unternehmen sehr geschätzt – und verschafft ihnen Einblicke, die sich mit klassischer Marktforschung nicht erreichen lassen.

Herzlichst, Ihr Prof. Dr. Alexander Güttler, CEO komm.passion


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