Hewelt Karolin Seger Nils Teicher Lisa Gf RCKTEs fällt schwer, über Rocket Internet positive Medienberichterstattung zu finden. Kommunizierte das 2007 von den Samwer-Brüdern gegründete Unternehmen anfangs sehr zurückhaltend, wirkt bis heute eine kritische Reportage des „ZDF“-Magazins „Frontal 21“ nach, in der vor allem das Geschäftsmodell hinterfragt wurde, erfolgreiche Ideen zu kopieren statt eigene zu entwickeln. Ein Zusammentreffen von CEO Oliver Samwer mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, in dem Samwer ihrer Schlagfertigkeit nicht gewachsen schien, oder seine Aussage „Dieses Burn-out-Ding, das ist nichts für mich“ sorgten ebenfalls nicht für medialen Applaus.
Dem Börsengang 2014 folgten ein massiver Kursverfall und rund 617 Millionen Euro Verlust allein im ersten Halbjahr 2016. Zuletzt berichtete das „Manager Magazin“ vom Stellenabbau in der Berliner Zentrale, was inzwischen von Rocket Internet dementiert wurde. Grund genug für das „PR-Journal“ einmal nachzuhören, was die hauseigene Agentur RCKT zwei Jahre nach der Gründung macht.
Das Foto zeigt das Führungstrio (v.l.) Karolin Hewelt, Nils Seger und Lisa Teicher.

Trotz der angerissenen Schwierigkeiten geht von der Dachgesellschaft einer Vielzahl junger Unternehmen weiterhin eine erhebliche Anziehungskraft auf all diejenigen aus, die hoffen, in der Start-up-Szene eine große Karriere hinzulegen.

Diese ambivalente Wahrnehmung kennt natürlich auch Nils Seger, der Anfang 2015 gemeinsam mit Lisa Teicher und Karolin Hewelt sowie dem inzwischen zu Hering Schuppener abgewanderten Andreas Winiarski die Agentur RCKT gegründet hat. Diese gehört zu Rocket Internet. Seger betont am Anfang des Gesprächs, das er gemeinsam mit Director Communications Simon Überheide bestreitet, er sei nicht der Pressesprecher von Rocket Internet, was insofern ein passender Hinweis ist, weil Winiarski nach der Agenturgründung tatsächlich parallel Leiter der Unternehmenskommunikation der Holding war.

Die Agentur ist beheimatet in bester Lage in Berlin Mitte „Unter den Linden“, in direkter Nähe zum Brandenburger Tor und mit der ING DiBa als Nachbar, aber ein gutes Stück weit entfernt von der Rocket-Zentrale Richtung Kreuzberg. Nach Verlassen des Aufzugs steht man fast direkt im Großraumbüro, in dem der Hauptteil der aktuell 30 festen Mitarbeiter arbeitet. Einen Empfang scheint es nicht zu geben, dafür eine Auswahl der in Berlin üblichen Start-up-Magazine wie „Berlin Valley“ und „Business Insider“ sowie eine großzügige Küche und mehrere Dachterrassen mit einer nicht zu unterschätzenden Aussicht. In einem der Nebenräume werden Videos geschnitten.

Digitale Expertise als Kernkompetenz

Beschäftigt sind bei RCKT unter anderem PR-Berater, Projektmanager, Graphik- und Webdesigner sowie Social Media-Experten. Das Führungstrio selbst vereint eine interessante Mischung an Kompetenzen. Während Seger aus dem internationalen Bereich von Rocket Internet kommt, besitzt Mitgründerin Hewelt einen Agentur-Hintergrund aus ihrer Zeit bei Johanssen + Kretschmer und Teicher mehrjährige Erfahrung in der Werbung durch ihr Engagement bei Jung von Matt. „Was uns auszeichnet, sind eine große digitale Expertise und das Verständnis, wie die digitale Welt funktioniert“, erklärt Seger die Agentur. Aus dieser digitalen Kompetenz würden die meisten Kundenkontakte entstehen.

Natürlich haben die großen Player wie Ketchum Pleon, Weber Shandwick, achtung! oder Edelman längst digitale Units, aber eine Agentur, die aus der digitalen Welt kommt und klassische Pressearbeit und Kommunikation in ihr Portfolio integriert, ist eher selten. Tatsächlich scheint RCKT seine anfängliche Zielsetzung umsetzen zu können, Unternehmen von außerhalb der Rocket-Welt als Kunden zu gewinnen. Kunden sind Großkonzerne wie Merck, L'Oréal oder die Deutsche Bahn sowie natürlich Start-ups wie Coup, das mit Elektroroller-Sharing in Berlin sein Glück versucht.

Während letzteres ein Beispiel für Launch-Kommunikation und Media Relations in Richtung Publikums- und Tech-Presse ist, fokussieren sich andere Projekte stärker auf digitales Consulting, Social Media und interne Kommunikation. Für die Deutsche-Bahn-Tochter DB Systel nutzte RCKT seine Gründer-Expertise, um die „01 DATA“ als unternehmenseigenes Start-up aufzubauen. Bei Merck begleitete die Agentur den Launch eines Innovation Centers für junge Unternehmen inklusive Kommunikation nach Innen und Brand Building nach Außen. Für NYX als Marke aus dem L'Oréal-Konzern bauten die Berliner ein Blogger-Netzwerk auf und bespielen die Social Media-Kanäle.

Herantasten an Strukturen der Konzernkunden

„Aktuell arbeiten wir nur für zwei Unternehmen von Rocket“, sagt Seger, der gleichzeitig offen anspricht, dass sich die RCKT-Mannschaft nach der Agenturgründung in neue Bereiche einarbeiten musste: „In der digitalen Welt kannten wir uns sehr gut aus. Uns in die Konzernstrukturen unserer Kunden hineinzudenken, war etwas ganz Neues für uns.“ Die Agentur arbeite bereits im sechsstelligen Bereich profitabel, betont Seger, was bei Rocket Internet angesichts des erwähnten Verlusts keine Selbstverständlichkeit sein dürfte.

Wie definiert sich die Agentur selbst? Als PR-Agentur? Dienstleister für digitales Marketing? Eher Hands-on-Projekte als superstrategische integrierte Kampagnen? „Wir sind eine Agentur für digitale Kommunikation. Alle unsere Projekte haben entweder mit interner oder externer Kommunikation zu tun“, erklärt Seger. Waghalsige Wachstumsversprechen sind nicht das Ding des 31-Jährigen. Zu Beginn des neuen Jahres würden fünf zusätzliche Mitarbeiter eingestellt und ansonsten wolle man das Netzwerk ständig erweitern. Seger: „Für uns ist es okay, Leute auszubilden, die dann nach einer gewissen Zeit in Unternehmen wechseln, und hoffentlich weiter mit uns zusammenarbeiten.“ Es gibt ein zwölf Monate dauerndes Traineeprogramm, das in Absprache mit den Mitarbeitern mit Leben gefüllt werde. Von einem fest definierten Ausbildungsrahmen wie ihn die GPRA-Agenturen besitzen, hält man bei RCKT wenig. Der Hinweis auf die in den Trainee-Standards definierte Mindestvergütung von 1.600 Euro monatlich ruft bei Seger und Überheide Verwunderung hervor. GPRA-Standards? „Unsere Trainees erhalten zwischen 2.000 und 2.500 Euro am Anfang.“


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