Studien Marketing-Trends 2026: KI-Orchestrierung, GEO und echte Kundennähe
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- von Jana Pietsch, Hamburg
Marketing 2026 wird intelligenter und persönlicher zugleich. Die Stimmen der Expertinnen und Experten machen deutlich: KI, klare Datenstrukturen und vernetzte Kommunikation bestimmen, welche Marken künftig sichtbar und wirksam bleiben.
Kathleen Rieser, CEO Good Healthcare Group:
KI verändert 2026 die Art, wie Unternehmen ihre Kundenkontakte planen und steuern. In der Pharmaindustrie ebenso wie in vielen anderen Branchen. Relevanz entsteht nicht mehr durch möglichst viele Touchpoints, sondern durch das präzise Zusammenspiel aus persönlicher Interaktion, digitalen Formaten und datenbasierter Intelligenz. KI hilft zu verstehen, welche Information in welchem Moment sinnvoll ist. Systeme, die Muster erkennen und nächste Schritte empfehlen, entlasten Außendienst, Marketing und Medical Teams und schaffen Raum für strategische Aufgaben. KI ersetzt keine Menschen, sondern macht ihre Arbeit präziser und wirksamer.
Sandra Hommel, Chief Marketing & Communications Officer Kollex:
Die größte Herausforderung für Marken liegt 2026 darin, in der Welt der KI-Suchen sichtbar zu bleiben. Wenn Kundinnen und Kunden künftig nicht mehr googeln, sondern ChatGPT oder Gemini fragen, „welche Plattform ist die beste?“, entscheidet nicht mehr nur SEO, sondern Relevanz im KI-Wissensraum. Deshalb bereiten wir unsere Markenbotschaften gezielt für Generative Engine Optimization (GEO) auf – mit klaren Datenstrukturen, faktenbasiertem Content und konsistenter Kommunikation. Die Chance liegt darin, frühzeitig Inhalte so zu gestalten, dass sie semantisch verständlich und strukturiert sind. So prägen wir die Antworten von morgen – und das Markenbewusstsein einer neuen, KI-geprägten Entscheidergeneration.
Theresa Schniewind, Head of Marketing, Communications & Culture bei Bergman Clinics Germany:
Erfolgreiche Markenführung entsteht nicht mehr nur durch externe Kampagnen, sondern durch gelebte Kultur und vernetzte Interaktionen. Denn wer seine Mitarbei-tenden inspiriert, schafft Authentizität, Identifikation und klare Botschaften nach außen. Moderne Intranets, interaktive Info-Screens und digitale Formate wie Videobotschaften oder Live-Sessions vernetzen Teams über Standorte hinweg und machen Kommunikation erlebbar. Künstliche Intelligenz hilft dabei, Inhalte schneller, personalisierter und relevanter zu gestalten. So entsteht ein einheitliches, digitales Markenerlebnis, das von innen heraus wächst. Interne Kommunikation wird zum Brand Enabler – und Mitarbeiter-Engagement zum strategischen Erfolgsfaktor für Marken, die in einer digitalen Welt glaubwürdig bleiben wollen.
Marketing effizienter machen
Evgeny Vigovsky, Chief Product and Technology Officer A4ord:
Kleine und mittelständische Unternehmen erkennen zunehmend, dass Online-Sichtbarkeit längst kein nice-to-have mehr ist. Und doch bleibt der digitale Weg für viele komplex und kostspielig. Ein Trend zeichnet sich ab: All-in-One-Lösungen, die Website, Marketing und Kunden-kommunikation vereinen, ermöglichen es KMU, selbstbewusst in die digitale Welt zu treten. Durch eine einheitliche, konsistente Online-Präsenz wird nicht nur das Management erleichtert, sondern auch die Rentabilität der Marketingbudgets verbessert. Indem technische und operative Komplexität reduziert wird, können Unternehmen sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren – ihr Geschäft und ihre Kundschaft.
Daniel Hikel, General Manager DACH Optimizely:
Der Spagat zwischen knappen Budgets, begrenzten Ressourcen und steigenden Kundenerwartungen prägt das Marketing. Konsumenten verlangen personalisierte, relevante Inhalte – das erfordert effiziente Prozesse und intelligente Technologien. Transparente, datenbasierte Planung und optimiertes Projektmanagement sind entscheidend, unterstützt durch KI für Automatisierung und Ressourcenoptimierung. So lassen sich Budgets schonen und Kunden zur richtigen Zeit mit der passenden Botschaft erreichen. Die größten Chancen liegen in skalierbarer 1:1-Kommunikation, höherer Conversion und mehr Raum für Strategie. Der Trend geht zu kontextsensitiver Persona-lisierung in Echtzeit und nahtlosen Customer Journeys.
Miriam Schwellnus, CEO Mashup Communications:
Nach Jahren der KI-Euphorie zeigt sich 2026 eine klare Gegenbewegung: Müdigkeit und Frust über den seelenlosen Output von KI-generiertem Content und automatisierten Services greifen um sich. Marken, die blind auf Effizienz und Masse gesetzt haben, verlieren an Vertrauen und Relevanz. Kunden spüren den Unterschied zwischen echtem Interesse und algorithmischem Smalltalk. „Human-First“ wird zum zentralen Differenzierungsmerkmal erfolgreicher Markenkommunikation. Wer mit echter Stimme spricht, Persönlichkeit zeigt, zuhört und empathisch reagiert, wird künftig punkten.
KI verändert die Spielregeln
Tobias Richter, Leiter der Marketing-Abteilung von Creditsafe:
2026 reicht es nicht mehr, Kunden in starre, vorab definierte Zielgruppenschubladen zu stecken. Künstliche Intelligenz ermöglicht es uns, echtes Kundenverständnis in der Breite und Tiefe aufzubauen. KI erkennt Muster, Bedürfnisse und Pain Points, die in klassischen Kategorien unsichtbar bleiben. Gleichzeitig lassen sich Kundengespräche – ob am Telefon oder über Tools wie Microsoft Teams – automatisiert transkribieren und analysieren. So werden Trends, Stimmungen und Einwände früh sichtbar, der Vertrieb gezielt unterstützt und wertvolle Insights für Marketingstrategie und Marktpositionierung gewonnen. Wer KI konsequent für das Kundenverständnis einsetzt, führt nicht nur effizientere Kampagnen, sondern gestaltet Angebote, die wirklich zur Sprache der Kunden passen.
Jan-Till Manzius, CEO Wonderlandmovies:
In der Flut digitaler Inhalte braucht es Kommunikation, die Menschen wirklich erreicht. KI-gestützte Hyper-Personalisierung ist hierbei der entscheidende Schlüssel. Sie ermöglicht es, Inhalte in Echtzeit an individuelle Interessen, Verhaltensmuster und Bedürfnisse anzupassen – und das in einer Dimension, die weit über klassische Personalisierung hinausgeht. Man kann es mit der Logik von TikTok vergleichen: Die Plattform versteht in Sekunden, welche Inhalte uns fesseln, und liefert genau das, was wir sehen wollen. Ähnlich funktioniert Hyper-Personalisierung: Sie gestaltet Botschaften so, dass sie sich für jede einzelne Person persönlich anfühlen und sich dank KI gleichzeitig für Millionen skalieren lassen. Hyper-personalisierte Filme steigern nachweislich Engagement und Bindung. Deshalb werden sie 2026 zu einem zentralen Bestandteil der Werbefilmbranche.
Frank Schieback, Head of Brand Communication & CMO Sellwerk:
Mit der Generative Engine Optimization (GEO) beginnt ein neues Kapitel der Online-Sichtbarkeit. KI-Systeme wie ChatGPT oder Google’s AI Overviews liefern Antworten direkt in der Suche – und wer dort nicht vorkommt, wird schlicht nicht mehr gesehen. Aber bedeutet das, dass klassisches SEO sich erledigt hat? Keinesfalls! SEO bleibt Pflicht, aber es verschmilzt mit GEO. Für Unternehmen heißt das: Inhalte müssen strukturierter, aktueller und maschinenlesbarer werden. Wer heute in saubere Daten, präzise Sprache und eine starke Markenreputation investiert, sichert sich morgen seine Sichtbarkeit in der KI-getriebenen Suche.
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