Die Reputation von DAX-Unternehmen? Für die Öffentlichkeit kein Thema.

Wieder gibt es ein Ranking zur Reputation deutscher CEOs. Diesmal kamen allerdings nicht ausgewählte Wirtschaftsjournalisten (Dezember 2017) oder „deutsche Leitmedien“ (Oktober 2017) zu Wort, sondern ausgesprochen viele Menschen, die sich im Zeitraum Januar bis September 2017 online über Unternehmen geäußert hatten. Bemerkenswert: Keiner der üblichen Verdächtigen aus den DAX-Unternehmen ist unter den Top 20 zu finden. Die drei ersten Plätze belegen: Werner Deggim von der Norma Group, gefolgt von Rolf Hollander von der Cewe Stiftung und Olivier Elamine von der alstria office Reit-AG.

Die dpa-Tochter news aktuell hatte gemeinsam mit Faktenkontor erstmals die Reputation aller Vorstandsvorsitzenden der DAX-, MDAX-, SDAX- und TechDAX-Unternehmen ausgewertet. Die Analyse basiert auf 4,5 Millionen Aussagen in den digitalen Medien, die zwischen Januar und September 2017 zu den Vorstandsvorsitzenden und ihren Unternehmen getätigt wurden.

Unter den ersten 20 Plätzen ist der MDAX mit neun Unternehmen am häufigsten vertreten. An zweiter Stelle rangiert der SDAX mit sieben Unternehmen, an dritter Stelle der TechDAX mit vier Unternehmen. Von den DAX-Unternehmen schaffte es hingegen kein einziges unter die Top 20 des Reputationsrankings. Erst auf Platz 21 befindet sich ein DAX-Unternehmensvertreter: Frank Appel von der Deutschen Post.

Für das Ranking untersuchten news aktuell und Faktenkontor im Zeitraum Januar bis September 2017 alle Meldungen von Online-Medien, Foren und Blogs sowie öffentliche Postings in den sozialen Netzwerken, in denen die Vorstandsvorsitzenden und ihre Unternehmen thematisiert wurden. Die Auswertung basiert auf Kategorien wie Performance des Managements, Produkte und Service, Nachhaltigkeit sowie die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens. Analysiert wurden die rund 4,5 Millionen Aussagen nach Inhalt und Tonalität. Insgesamt erfasste die Untersuchung 160 Firmen und 207 Personen.

Das Ranking lässt Fragen offen, die auch das am 23. Januar im PR-Journal veröffentlichte Edelman Trust Barometer 2018 thematisiert hatte. Wirtschaftsjournalisten legen auf andere Dinge Wert als die allgemeine Öffentlichkeit, das muss sein, das gehört zum Job. Trotzdem bleibt unter anderem die folgende Frage: Warum bewerten Wirtschaftsjournalisten CEOs und deren Unternehmen dergestalt, dass sich die Mehrheit der Leser in diesen Bewertungen auf keinen Fall wiederfindet? Am 24. Januar ging wieder eine der mittlerweile gewohnten Meldungen zu drastischen Reichweiteverlusten durch die Fachpresse, mit den üblichen Hiobsbotschaften. Das Edelman Trust Barometer 2018 gibt Anhaltspunkte, wohin der Weg für die Medien führt, wenn diese den jetzigen Kurs beibehalten.

Das Trust Barometer hatte eine sehr weitgehende Medienmüdigkeit unter den Deutschen konstatiert. Zitat: 67 Prozent (global 50 Prozent) der Befragten gaben an, dass sie weniger als einmal pro Woche Nachrichten lesen, hören oder sehen. Nur 15 Prozent (global 25 Prozent) beschäftigen sich mehrmals pro Woche mit dem Weltgeschehen. Und: In Deutschland sind 46 Prozent (66 Prozent global) der Befragten der Meinung, dass Nachrichtenorganisationen mehr an einer großen Reichweite interessiert sind, als an faktischen Informationen. Für 47 Prozent (global 59 Prozent) haben diese zudem eine politische Agenda und informieren nicht neutral.


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